Nach Aussage der Forscher würde ein deutlicher Anstieg des Meeresspiegels zehn Prozent der Weltbevölkerung "hart treffen" (Foto: imago)
Klimaforscher befürchten nach jüngsten Studien einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter oder mehr bis zum Jahr 2100. Mit dieser alarmierenden Ankündigung begann am Dienstag ein dreitägiger Forscherkongress zur Vorbereitung der großen UN-Klimakonferenz Ende des Jahres in Kopenhagen.
Nach der jüngsten Prognose des Weltklimarates (IPCC) aus dem Jahr 2007 galt noch ein Anstieg von 18 bis 59 Zentimetern bei einer Erderwärmung um 6,4 Grad bis Ende des Jahrhunderts als wahrscheinlich.
Bei der Eröffnung des Treffens mit 2000 Wissenschaftlern aus etwa 80 Ländern sagte der Ozeanograph Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, er erwarte nun eine Beschleunigung beim Anstieg des Meeresspiegels als Folge der stetigen Erwärmung unseres Planeten. Bisher hatte der IPCC einen gleichmäßigen Anstieg angenommen.
Zehn Prozent der Weltbevölkerung würden "hart getroffen"
Als wichtigste Grundlage für die drastische Anhebung bisheriger Schätzungen nannte der australische Klimaexperte John Church das Vorliegen neuer umfassender Satelliten- und Bodenbeobachtungen. Sollte der Meeresspiegel sich in den kommenden 90 Jahren tatsächlich um einen Meter heben, würde dies die Wohngebiete von zehn Prozent der Erdbevölkerung "hart treffen", hieß es in Kopenhagen.
Auch Erhöhungen um mehrere Meter möglich
Church sagte, bei einem Eintreffen dieses Szenarios wären bisher als "Jahrhundertflut" eingestufte Überschwemmungskatastrophen mehrmals pro Jahr zu befürchten. Und: "Wenn wir nicht umgehend und massiv Schritte zur Begrenzung der Probleme ergreifen, könnte das Klima im 21. Jahrhundert eine Grenze überschreiten, nach der die Welt auch Erhöhungen des Meeresspiegels um mehrere Meter ausgesetzt werden kann."
Steigender Pegel würde bis zu 600 Millionen Menschen bedrohen
Ein Anstieg der Meeresspiegel um mehr als einen Meter könnte katastrophale Folgen etwa für China haben, warnte der britische Klimaexperte John Ashton. Und katastrophale Folgen für das Riesenreich mit seiner Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen hätten katastrophale Folgen für die ganze Welt, fügte er hinzu. Nach Ansicht der Forscher könnten die steigenden Pegel bis zu 600 Millionen Menschen bedrohen, die in Küstengebieten leben. Bangladesch zum Beispiel droht der Verlust von etwa 17 Prozent seiner Landmasse, 15 Millionen Menschen würden ihr Obdach verlieren.
"Der Welt bleibt nur noch wenig Zeit"
Vor einigen Jahren seien die Warnungen vor der großen Bedeutung der Eisschmelze noch als Ansicht von Schwarzsehern abgetan worden, sagte Eric Rignot von der Universität von Kalifornien. Heute sei dies anerkanntermaßen ein wichtiger Faktor in der Klimaforschung. "Der Welt bleibt nur noch wenig Zeit", sagte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri nach der Vorstellung der neuesten Forschungsergebnisse.
Konferenz soll Nachfolger des Kyoto-Protokolls hervorbringen
Bei dem Treffen in Kopenhagen wollen die weltweit führenden Klima-Wissenschaftler den aktuellen Forschungsstand austauschen. Aus den Ergebnissen soll bis Juni ein 30 Seiten umfassendes Grundlagenpapier für die UN-Klimakonferenz zusammengestellt werden. Sie findet vom 7. bis 18. Dezember ebenfalls in Dänemarks Hauptstadt statt. Dabei soll als Nachfolger des Kyoto-Protokolls ein weltweites neues Abkommen zur Verringerung der Treibhausgase beschlossen werden, die als wesentliche Ursache der Klimaerwärmung gelten.
Ministerpräsident und Kronprinz nehmen teil
Zu den Teilnehmern des dreitägigen Treffens gehören der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri und Professor Nicholas Stern. Stern wurde 2006 mit einer Studie über die Kosten des Klimawandels berühmt. Außerdem nehmen der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen und der dänische Kronprinz Frederik teil.