Beim Prozess gegen die Opposition im Iran steht auch eine Französin vor Gericht (AP)
Ein als Schauprozess kritisiertes Strafverfahren gegen insgesamt mehr als 100 Oppositionelle ist in Teheran fortgesetzt worden. Vor Gericht saß am zweiten Prozesstag auch die Französin Clotilde Reiss, die als Sprachlehrerin im Iran arbeitete. Ihr wird Spionage vorgeworfen. Zudem sitzt eine iranische Angestellte der französischen Botschaft auf der Anklagebank, wie die amtliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete.
Den Angeklagten werden "organisierte und geplante Vergehen" gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit vorgeworfen. Sie sollen dabei mit Hilfe "ausländischer" Kräfte gehandelt haben.
Proteste gewaltsam beendet
Nach der umstrittenen Präsidentenwahl vom 12. Juni, bei der Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad offiziell zum Sieger erklärt worden war, waren Hunderttausende Demonstranten auf die Straße gegangen. Die Proteste wurden teilweise gewaltsam niedergeknüppelt. Mehr als 1000 Demonstranten und Oppositionsanhänger wurden festgenommen, mindestens 20 Menschen getötet. Die Opposition erkennt die Wahl weiterhin nicht an und spricht von Betrug.
Paris weist Vorwürfe zurück
Reiss, die an der Universität von Teheran einen Lehrauftrag hatte, war am 1. Juli verhaftet worden. Ihr wird Informationssammlung und Anstiftung zu Unruhen vorgeworfen. Die Regierung in Paris hat die Spionagevorwürfe wiederholt kategorisch zurückgewiesen. Der reformorientierte frühere iranische Präsident Mohammed Chatami hatte das vor einer Woche begonnene Strafverfahren als "Schauprozess" verurteilt. Den Angeklagten, darunter ehemalige Regierungsmitglieder, wird vorgeworfen, das islamische System im Iran umstürzen zu wollen.