11.11.2011, 08:31 Uhr
Die russische Sonde "Phobos Grunt" kurz vor dem Start im Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan (Quelle: AP)
Bei der fehlgeleiteten russischen Marsmond-Sonde "Phobos-Grunt" sind erste Versuche einer Kurskorrektur gescheitert. Die Software des 13 Tonnen schweren Transporters habe auf die Signale der Flugleitzentrale nicht reagiert, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos nach Angaben der Agentur Interfax mit.
Nach Einschätzung des Experten Wladimir Uwarow besteht fast keine Chance mehr, den 120 Millionen Euro teuren Messapparat zu retten. Die Sonde schwebt um die Erde, weil ihre Triebwerke nach dem Start am Dienstag nicht ansprangen und sie so nicht auf Kurs zum Mars kam. Russlands erste interplanetare Mission seit 1996 sollte Proben vom Marsmond Phobos zur Erde bringen.
Laut Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin bleiben für eine Korrektur nur wenige Tage. Dann droht der Transporter mit radioaktivem Kobalt 57 sowie Tanks voll giftigem Treibstoff zur Erde zu fallen. Ein kontrollierter Absturz sei unmöglich, sagte ein Roskosmos-Experte. "Wir können den Sturz nur berechnen - aber nicht steuern."
"Phobos-Grunt" kreise derzeit in einer Höhe zwischen 200 und 340 Kilometern über der Erde und sinke täglich um zwei Kilometer, sagte er. "Das ist langsamer als zunächst befürchtet. Vielleicht haben wir doch mehr als drei Tage Zeit für Rettungsversuche."
Die Europäische Weltraumbehörde ESA und die US-Raumfahrtbehörde NASA boten Moskau Hilfe bei den Versuchen eines Rettungsmanövers an. "Wir leiten die Flugdaten von "Phobos-Grunt", die wir von unseren Bodenstationen bekommen, gleich an Russland weiter", sagte ESA-Mitarbeiter René Pischel.
Unterdessen wurde Kritik an Roskosmos-Chef Popowkin laut. Die Sonde sei technisch unausgereift gewesen, Popowkin habe Millionen in den Sand gesetzt, sagte der Raumfahrt-Experte Igor Lissow. Popowkin hatte den Zeitpunkt der Mission mit der derzeit geringeren Flugzeit zwischen Erde und Phobos erklärt. Die Gelegenheit sei günstig, da der Marsmond näher stünde als in den nächsten Jahren.
Bei einer geglückten Rückkehr der Sonde vom Mars-Trabanten im August 2014 hätte Russland die wertvollen Bodenproben an Westeuropa und die USA abgeben müssen, sagte der Wissenschaftler Juri Sajzew in Moskau. "Wir besitzen - auch auf Jahre gesehen - überhaupt keine Geräte, um Staub aus dem Weltall zu untersuchen." Eine gelungene Mission zu dem Marsmond wäre zwar ein Erfolg für die Raumfahrtnation Russland gewesen, betonte Sajzew. Das Riesenreich müsse allerdings eingestehen, im Forschungsbereich inzwischen weit zurückzuliegen.
Quelle: dpa
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