03.03.2004, 13:37 Uhr | SpiegelOnline
Jahrzehntelang haben Wissenschaftler gerätselt, nun haben sie Gewissheit: Auf dem Mars floss Wasser in rauen Mengen. Der Nasa-Rover "Opportunity" hat auf der Oberfläche des Roten Planeten den endgültigen Beweis für flüssiges Wasser gefunden, das wahrscheinlich einst Leben beherbergte. Schon im Januar versetzten die Bilder der europäischen Sonde "Mars Express" die Wissenschaftler in Verzückung: Die Fotos von tiefen Canyons und dunklen Sedimenten wurden von den Forschern der Esa als Beweis gewertet, dass auf der Oberfläche des Roten Planeten einst Flüsse und Meere schwappten. Der US-Rover "Opportunity" brachte nun durch Untersuchungen des Marsbodens endgültige Gewissheit. Wie Wissenschaftler der Nasa am Dienstagabend in Washington bekannt gaben, hat "Opportunity" bei der Untersuchung von Felsformationen nahe seiner Landestelle Sulfate (Schwefelverbindungen) entdeckt, die sich nur in flüssigem Wasser bilden.
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Wasser ermöglichte vielleicht Leben
Die Nasa habe ihre Mars-Mission vor allem unter die Frage gestellt, ob es wenigstens auf einem Teil des Planeten eine ausreichend feuchte Umgebung gegeben habe, in der Leben habe gedeihen können, sagte der Wissenschaftler James Garvin. "Heute haben wir starke Beweise für eine aufregende Antwort: Ja." Wissenschaftler halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass Leben auf dem Mars, wenn es denn jemals entstanden ist, ein höheres Stadium erreichen konnte. Dazu sei das Wasser zu schnell von der Oberfläche verschwunden.
Durchbruch mit deutschen Instrumenten
Das noch fehlende Puzzleteil für den Wasser-Beweis lieferten die beiden in Mainz konstruierten Spektrometer an Bord von "Opportunity". Eines von ihnen, das Mößbauer-Spektrometer, bestrahlte das untersuchte Gestein mit Gamma-Strahlen. Aus der Differenz zwischen dem ausgesandten und dem reflektierten Spektrum konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung des Gesteins ziehen.
"Bewohnbare Umwelt"
Die von der Sonde untersuchte Gegend hätte daher durchaus eine "bewohnbare Umwelt" sein können, sagte Nasa-Mitarbeiter Edward Weiler. "'Opportunity' ist in einer Gegend gelandet, deren Oberfläche früher vollkommen durchnässt war." Nach Angaben der Raumfahrtbehörde soll die Sonde noch weitere Untersuchungen vornehmen. Um festzustellen, vor wie viel Zeit das Wasser auf dem Roten Planeten geflossen ist, genügten die von der Sonde übermittelten Daten jedoch nicht, erklärte Steve Squyres, Chefwissenschaftler für die wissenschaftlichen Geräte von "Opportunity". Dafür müssten Gesteinsproben auf der Erde gebracht und dort analysiert werden.
Von Wasser geformte Strukturen
Schon kurz nachdem "Opportunity" am 25. Januar auf dem Mars angekommen war und die ersten Bilder von der Umgebung zur Erde funkte, war den Nasa-Experten das nackte Felsgestein am Landeplatz - einem flachen Krater nahe des Äquators - aufgefallen. Bei keiner anderen Mars-Mission zuvor war eine Sonde auf derartige Formationen gestoßen. Erste Untersuchungen aus der Nähe ergaben, dass die Felsen aus mehreren übereinander liegenden Gesteinsschichten bestehen, in die kleine kugelartige Gebilde eingeschlossen sind. Wie sich diese bildeten, war zunächst jedoch noch unklar. Für möglich gehalten wurde, dass sich die Strukturen entweder durch Vulkanaktivität, einen Meteoriteneinschlag oder mit Hilfe von Wasser bildeten. Inzwischen halten die Nasa-Experten letztere Erklärung für am wahrscheinlichsten.
Eis auf den Mars-Polen
Wie lange das Wasser auf der Oberfläche existierte, ist noch ein Rätsel. Auch wohin es entschwand, ist weiter offen. Heute präsentiert sich der Mars auf seiner Oberfläche als staubtrockene, kalte Wüste. An den Polen existiert allerdings noch heute Wasser, wenn auch nur in gefrorener Form. Dieses Eis konnte im Januar durch die Sonde "Mars Express" zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Forschungssatellit der Europäischen Weltraumorganisation Esa entdeckte seinerzeit auch Wasserdampf in der dünnen Mars-Atmosphäre.
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