24.02.2010, 17:50 Uhr
Margot Käßmann steht wegen ihrer Alkoholfahrt unter Druck - erhält aber auch Unterstützung (Foto: ddp)Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat seiner Vorsitzenden Margot Käßmann das Vertrauen ausgesprochen. Die Landesbischöfin war wegen Alkohols am Steuer in die Schlagzeilen geraten. Sie war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz hatten sich die 14 Mitglieder des Rates am Dienstagabend einmütig hinter Käßmann gestellt, wie EKD-Sprecher Reinhard Mawick mitteilte. Am Nachmittag will Käßmann in Hannover eine Erklärung abgeben. In der Einladung zur Pressekonferenz um 16 Uhr in der EKD-Zentrale blieb offen, ob die EKD-Vorsitzende ihr Amt niederlegen will oder weitermachen wird.
Der Rat will indes auf der nächsten regulären Ratssitzung Ende dieser Woche den Fall abschließend bewertet. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es in der Mitteilung. Käßmann hatte die Fahrt zutiefst bedauert und erklärt, sich den rechtlichen Konsequenzen zu stellen.
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Für den Fall eines Rückzuges von der EKD-Spitze stünde Käßmanns Stellvertreter, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider bereit. Formell droht der Bischöfin als kircheninterne Konsequenz allerdings nur eine Rüge.
Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. "Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der ARD-"Tagesschau". Sie wisse aus persönlichen Gesprächen mit Käßmann, dass diese über ihr Fehlverhalten selbst am meisten betroffen sei. "Und deswegen respektiere ich, dass sie sich jetzt zurückzieht für eine Zeit." Käßmann hat in dieser Woche sämtliche Termine abgesagt.
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Göring-Eckardt betonte, sie schätze wie viele andere auch die Arbeit Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende "außerordentlich". Als Präses der Synode, des EKD-Kirchenparlaments, steht Göring-Eckhardt an der Spitze einer der wichtigsten EKD-Gremien.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hatte vor den Beratungen der EKD gesagt, dass er hoffe, dass Bischöfe und Landeskirche der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann nach ihrer Alkoholfahrt Rückendeckung geben. "Ich hoffe, dass die Gläubigen der Landeskirche Niedersachsen und die Bischofskollegen der EKD zu Frau Käßmann stehen und sie stützen. Dann wird sie auch diesen groben Fehler heil überstehen", sagte Thierse den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Kölnischen Rundschau". Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger.
"Frau Käßmann genießt durch ihre öffentlichen Bekenntnisse zu ihrer Scheidung und Krebserkrankung einen großen Sympathievorsprung. Ich glaube nicht, dass dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist", sagte Thierse weiter. Er bedauerte eine verbreitete Häme als Grundton der politischen Kommunikation: "Ein bevorzugtes Objekt ist jeder, der in irgendeiner Weise moralische Autorität beansprucht oder besitzt. Moralische Autoritäten sind offenbar für hämische Menschen schwer zu ertragen. Wenn es Anlass gibt, stürzen sie sich drauf."
Christian Weisner, Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", sagte, Alkohol komme wie in anderen Gesellschaftsbereichen auch in Kirchenkreisen vor. "Ihr Rücktritt wäre übertrieben. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen."
Auch der religionspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Raju Sharma, sagte, Käßmann habe für sich nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit erhoben. Sie sei ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, der sich nun den weltlichen Konsequenzen zu stellen habe. Auf die Frage, ob sie zurücktreten müsse, sagte Sharma: "Der einzige Rücktritt wäre der von ihrem Führerschein."
Neben der EKD muss sich auch die hannoversche Landeskirche mit dem Verkehrsvergehen ihrer Bischöfin auseinandersetzen. Je nach dem, für wie schwerwiegend und belastend die kirchlichen Spitzengremien den Vorfall halten, wird Käßmann selbst reagieren können. Einen Rücktritt hatte sie bereits 2007 nach ihrer Ehescheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben.
Für das weitere Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ist unterdessen die Stellungnahme von Käßmanns Verteidiger von Bedeutung. Klarheit gibt es möglicherweise auch zu den Umständen von Käßmanns Alkoholfahrt. Ob sie dienstlich oder privat unterwegs war, und warum sie niemand von der Fahrt abhielt, ist noch nicht bekannt. Zumeist lenkt ein Chauffeur den Dienstwagen von Käßmann. Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll sie nicht alleine unterwegs gewesen sein, sondern in Begleitung eines unbekannten Mannes.
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Quelle: dpa , AFP , t-online.de
Klaus (51 Jahre alt) schrieb:
am 24. Februar 2010 um 16:48:31
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Bischöfin Käßmann
Liebe Bischöfin Käßmann,
ich bin zwar katholisch, muss mich aber im Augenblick dafür schämen, nicht zuletzt
deshalb was im Namen der Kirche gesehen ist.
Liebe Frau Käßmann, Ihre Tat, die jetzt zur Diskussion steht macht Sie so "menschlich, nicht unfehlbar, ja ganz besonders sympathisch", bleiben Sie im Amt, Sie sind zu wertvoll, als dass man auf Sie verzichten muss. Ich wünsche Ihnen Gotteskraft all das was auf Sie jetzt zukommt gut und erfolgreich durchzustehen. Tauchen Sie jetzt ni
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Nürnberg schrieb:
am 24. Februar 2010 um 16:40:35
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Warum nun das?
Frau Käßmann hat mit ihrem Rücktritt "überreagiert" Christen leben von der Vergebung und da nichts passiert ist - war es
keine Sünde - sondern "nur ein Verstoß gegen weltliche Gesetze" -. Frau Käßmann hatte einen Schutzengel und sollte sich - wenn sie schon zurück getreten ist - neu in das Amt berufen lassen.
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Hörnchen schrieb:
am 24. Februar 2010 um 16:36:15
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Rücktritt
Diejenigen, die viel mehr Schuld auf sich geladen haben, sind weiterhin in Amt und Würden! Seit Anbeginn der Menschheit läuft
das schon so! Auch wenn ich den Rücktritt von Frau Käßmann bedauere, so beweist sie hiermit dennoch EQ - womit diejenigen, die sich hier zu allzu schneller Kritik hinreißen lassen - wohl eher nicht gesegnet zu sein scheinen! Gemäß dem Motto:"Jeder kehre doch erst einmal vor seiner eigenen Türe...!"
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