
14.07.2011, 15:06 Uhr | Von Axel Bojanowski
Der Meteotsunami in Südwestengland flutete auch die Mündung des Flusses Yealm östlich von Plymouth (screenshot youtube/SDFitch)
Flüsse flossen aufwärts, Fische sprangen, Menschen standen die Haare hoch: Ende Juni überspülte in Südwestengland ein knapp ein Meter hoher Tsunami die Küsten. Es hatte weder Seebeben, noch Unterwasserlawinen gegeben - was aber hatte den Tsunami ausgelöst? Jetzt liefern Forscher eine Erklärung.
Cornwall - Am 27. Juni gab es im Südwesten Englands eine rätselhafte Überschwemmung. Eine bis zu 80 Zentimeter hohe Flutwelle setzte Buchten unter Wasser; Fischerboote kamen nicht gegen die starke Strömung an, drehten sich im Wasser. Medien meldeten erstaunliche Vorgänge: "Flüsse änderten ihre Richtung, Fische sprangen aus dem Wasser, Menschen standen die Haare zu Berge." Was war geschehen?
Von einem "seltenen Ereignis" sprach ein ratloser Meeresforscher. Experten am EMU-Institut für Ozeanografie in Portsmouth glaubten zunächst, ihre Instrumente seien kaputt. "Die Meerespegel schwankten viel stärker als normal", sagt Robin Newman, ein Forscher am EMU. "Doch bald erkannten wir, dass es eine lange Welle war, die von Ost nach West strömte - wir hatten einen Tsunami entdeckt."
Da kein Seebeben gemessen worden war, glaubten die Experten zunächst an eine Unterwasserlawine vor der Küste Großbritanniens, die die Wellen losgetreten hätte. Doch nun scheint der Fall geklärt: Der Tsunami sei vom Wetter ausgelöst worden, teilt der Britische Geologische Dienst BGS mit - es handelte sich um einen sogenannten Meteotsunami, ein seltenes Naturphänomen.
Üblicherweise verursachen Seebeben oder Hangrutschungen am Meeresgrund Tsunamis. In den letzten Jahren jedoch mehrten sich Hinweise, dass auch Luftvibrationen Flutwellen auslösen können. Forscher um Ivica Vilibic vom Institut für Ozeanografie im kroatischen Split hatten zahlreiche Flutwellen weltweit als Meteotsunamis identifiziert. So habe 2006 eine solche Flut Buchten der Balearen-Insel Menorca überschwemmt; es entstand erheblicher Sachschaden. Die Berichte aus England scheinen die Meteotsunami-Theorie nun zu bestätigen.
Doch in England wurde zunächst eine Klippe im Meer südwestlich der Küste als Quelle möglicher Unterseelawinen vermutet. Wo sich das Flachmeer in die Tiefsee senkt, rutschen bisweilen Schlammpakete ab. Für das Ereignis am 27. Juni jedoch scheide die Region als Verursacher aus, erklärt der BGS: Denn die Tsunamis seien im östlichen Teil Südwestenglands höher gewesen als im Westen - der Ursprung der Wellen liege folglich im Osten der britischen Insel.
Dort jedoch - im Ärmelkanal - gebe es kaum instabile Hänge, die als Quelle für Tsunami-Lawinen in Frage kämen. Flutwellen aus dem Osten hätten zudem den Südwesten der Insel wohl nicht erreicht, meint der BGS - Hangrutschungstsunamis breiten sich nicht so weit aus wie Flutwellen, die von schweren Seebeben losgetreten wurden. Aus dem Ärmelkanal kommend, hätte sie vermutlich nur die Küsten im Südosten Englands getroffen, erklärt der BGS. Überflutet wurden am 27. Juni jedoch Buchten im Südwesten zwischen Portsmouth und Penzance.
Der Blick auf die Wetterkarte brachte die BGS-Experten auf eine neue Spur: Am fraglichen Tag zogen Sturmfronten mit Gewittern über England; das Tennisturnier in Wimbledon musste wegen Regen und Sturm unterbrochen werden. Dass manchen Leuten an überfluteten Buchten die Haare zu Berge standen, sei ein Hinweis auf Gewitterblitze, deren Entladungen bisweilen entsprechende Auswirkungen auf Frisuren hätten, erklärt der BGS: "Unsere Folgerung ist, dass der Tsunami eine meteorologische Ursache hat." Vermutlich habe eine Sturmböe die Flutwelle verursacht.
Wie genau Luftwirbel Flutwellen auslösen, ist allerdings noch nicht geklärt. Klar ist: Das Meer muss bis in große Tiefe in Wallung geraten, um großen Wassermengen mit starker Strömung an die Küsten zu spülen. Vermutlich müsste starker Wind auf Meereswellen treffen, die mit ähnlicher Geschwindigkeit unterwegs seien, meint Vilibic: Dann könnten Luft und Wasser sich gegenseitig aufschaukeln. Um das Meer bis in große Tiefe in Wallung zu bringen, müsste der Gleichklang von Luft und Wasser einige Zeit anhalten.
Gefährdet seien vor allem enge Buchten, in denen der Wasserspiegel normalerweise kaum schwanke, sagt Vilibic: Im Mittelmeer seien vor allem Buchten auf Sizilien, Malta und in der Türkei bedroht. "Meteotsunamis können dort höher werden als sechs Meter", sagt Vilibic. In engen, flachen Buchten werden sie gestaucht - und türmen sich auf.
Auch in England wurden nun vor allem Buchten geflutet, so auch die trichterförmige Mündung des Flusses Yealm östlich von Plymouth. "Auf einmal änderte der Fluss seine Richtung", erzählte ein Zeuge der BBC: "Alle Boote hüpften umher, Fische sprangen aus dem Wasser." Mittlerweile haben Meteorologen in ihren Archiven Hinweise auf ähnliche Tsunamis in Südengland in den Jahren 1929 und 1892 gefunden.
Aufgrund ihrer geringen Höhe wirkten die Meteotsunamis in England zunächst harmlos. Doch nicht ihre Höhe, sondern ihre Länge macht Tsunamis gefährlich. Ein Wanderer in Cornwall staunte: "Wie ein reißender Fluss strömte die Flut über den Damm."
Quelle: Spiegel Online
Fand schrieb:
am 14. Juli 2011 um 20:01:11
(0)
(0)
@Watzmann
Mein Geschwätz ist das nicht, das sind Zitate aus dem Medien. ;)
Kommentar melden
Watzmann schrieb:
am 14. Juli 2011 um 18:53:54
(2)
(0)
@Fand
Klimaschwankungen und "seltsame" Wetterphänomäne gab es nachweislich schon lange vor Erfindung von Handys,Autos,Flugzeugen
und allen anderen modernen Erungenschaften.
Sogar vor dem "modernen Menschen"!
Man nennt dieses Phänomen ganz einfach "Natur".
War schon immer so und daran wird sich auch nichts ändern! :-)
Von dem her kann man so ein Geschwätz wie Deines nicht nachvollziehen.
mehr
Kommentar melden
Peter schrieb:
am 14. Juli 2011 um 17:07:43
(0)
(0)
... und die Welle lief ja völlig gegen die Gezeitenrichtung
Und noch eine Ergänzung: Im engl. Kanal läuft die Gezeitenwelle von W nach
Ost. Die Welle in der Nordsee im Süden ebenso. Die Welle lief dann ja völlig gegen die Gezeitenrichtung und viel schneller als durch Wind (Oststurm in der Ostsee). Ob da nun das genannte elektrische Feld (die Haare, die nach oben standen) eine Rolle spielte oder nicht: Das sollte man schon quantitativ verstehen (Modellrechnung). Vielleicht eine schöne Bachelor-Arbeit für einen Geophysiker? Und jetzt was viel trockeneres..
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special
Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS