
04.03.2011, 09:04 Uhr | Von Ulrike Putz
Libysches Mirage-Flugzeug: Gut ausgebildet und bestens ausgerüstet (Foto: Reuters)
Moderne Ausrüstung, loyale Soldaten: Die Luftwaffe ist die Elitetruppe in Gaddafis Armee. Mit ihr könnte er einen Kampf gegen die Rebellen leicht gewinnen. Die Luftangriffe auf die Hafenstadt Brega sind nur ein Vorgeschmack auf das, was den Gegnern des Despoten drohen könnte.
Große Teile der libyschen Armee haben sich zwar auf die Seite des rebellierenden Volkes geschlagen. Doch die Luftwaffe scheint fast ausnahmslos zum Diktator Muammar al-Gaddafi zu stehen. Das macht sie zur tragenden Säule des Regimes - und zur größten Gefahr für die Aufständischen, die den Osten des Landes kontrollieren.
Rund 18.000 Männer und Frauen dienen in Gaddafis Luftwaffe. Die meisten sind seine glühenden Anhänger. Nur hundertprozentig überzeugte Gefolgsleute konnten bei der Elite-Truppe anheuern. Beim Auswahlverfahren für Rekruten wurden Mitglieder des Gaddafi-Stammes Qadhafah und dem mit ihm verbündeten Magariha-Stamm bevorzugt. Mit Kadavergehorsam stehen sie zu ihrem Oberbefehlshaber. Nur eine Hand voll Piloten und Offiziere sind bislang zur Opposition übergelaufen.
Gaddafi hat dafür gesorgt, dass die Luftwaffe gut ausgebildet und bestens ausgerüstet ist. Das Kampfjet-Geschwader soll etwa 100 Mig-21 und Mig-23, 15 Mirage F-1s sowie 40 Sukhoi-22 umfassen, die Waffenlager sind offenbar prall gefüllt mit Munition. Die Raketen stammten aus den Arsenalen der ehemaligen Sowjetunion oder seien neuere russische Fabrikate, heißt es in einem Bericht des Zentrums für strategische und internationale Studien in Washington. Auch die libysche Flugabwehr soll demnach bestens bestückt sein: Sollte sich der Westen dazu entschließen ein Flugverbot zu verhängen, könnten die Boden-Luft-Raketen den alliierten Jets durchaus gefährlich werden, sagte US-Generalleutnant David Deptula, ein bis vor kurzem für das Pentagon tätiger Luftwaffenexperte, dem britischen "Economist".
Die Flugzeuge der libyschen Luftwaffe sind auf 13 über das Land verstreuten Basen stationiert, auch russische Kampfhubschrauber vom Typ Mi-25 parken hier. Sie sind im offenen Land, aber auch im Häuserkampf eine gefährliche Waffe. Auf die Hauptstadt Tripolis vorrückende Rebellenverbände müssten damit rechnen, von diesen Helikoptern massiv unter Beschuss genommen zu werden.
Entscheidend für Sieg oder Niederlage könnte jedoch die große Anzahl von Truppentransportern sein, die Gaddafi bei russischen und US-amerikanischen Herstellern eingekauft hat. Die sieben aus Helikoptern und Transportflugzeugen bestehenden Geschwader können regimetreue Einheiten und Nachschub in wenigen Stunden an Kampfschauplätze im ganzen Land bringen. Die sich im Osten Libyens formierende Rebellen-Armee hat dem nichts entgegenzusetzen: Sie verfügt gerade mal über eine Hand voll Bomber, die übergelaufene Piloten im Rebellen-Territorium gelandet haben. Für die Versorgung und den Transport ihrer Einheiten stehen den Aufständischen allenfalls Lastwagen und Privatfahrzeuge zur Verfügung.
Noch zögert Gaddafi aber, seine Elitetruppe voll einzusetzen: Am Donnerstag bombardierten Kampfflugzeuge zwar den zweiten Tag in Folge die Hafenstadt Brega. Doch angesichts dessen, wozu die libysche Luftwaffe fähig ist, sind dies eher kleinere Zwischenfälle.
Dass Gaddafi seine Piloten offenbar noch zur Zurückhaltung angehalten hat, bewerten Experten als taktisches Manöver. "Bisher gab es keine großen Massaker, die Luftwaffe wird kalkuliert eingesetzt, Gaddafi lässt Testangriffe fliegen", sagte Schaschank Joschi vom Royal United Service Institut der "New York Times". Auch wenn der Diktator bei seinen TV-Auftritten geistig verwirrt erscheinen mag, "sind dies sind keine Entscheidungen eines Mannes, der völlig den Bezug zur Realität verloren hat", so Joschi.
Wie viele Soldaten der 45.000 Mann starken Bodentruppen bereits zur Opposition übergelaufen sind, ist unklar. Dass gerade in Ost-Libyen offenbar ganze Regimenter desertiert sind, scheint Gaddafi im Nachhinein Recht zu geben. Der Oberst hat seinen Bodentruppen nie getraut. Grund: Sie bestehen weitgehend aus Wehrpflichtigen - was bedeutet, dass dort auch ihm feindlich gesinnte Stämme stark repräsentiert sind. "Gaddafi hat die Teile der Armee verloren, von denen er schon immer annahm, dass er sie verlieren würde", sagt Nordafrika-Experte George Joffe der "New York Times". Vor allem Mitglieder der von Gaddafi unterdrückten Stämmen seien desertiert.
Einen Putsch des Militärs musste Gaddafi immer einkalkulieren - schließlich er selbst 1969 so an die Macht gekommen. Um die Gefahr eines Aufstandes zu begrenzen, ließ der Diktator Regimenter im regimekritischen Osten gezielt schlechter ausbilden und enthielt ihnen moderne Ausrüstung vor. Außerdem baute er eine Parallelarmee auf: In ihr sollen bis zu 20 000 Söldner aus Schwarzafrika dienen.
Libyen droht ein Bürgerkrieg. Sollte sich der Diktator entscheiden, ihn zu führen, stehen die Chancen für die Aufständischen schlecht, sagt Yehudit Ronen, Libyen-Expertin an der israelischen Bar-Ilan-Universität. "Die Anti-Gaddafi-Allianz kann nur auf die übergelaufenen Soldaten setzen." Selbst wenn diese von einem Freiwilligen-Korps verstärkt würden, stünden sie einem nahezu unbesiegbaren Feind gegenüber: Der Luftwaffe und den Söldnern, die nichts zu verlieren haben." Ronen sagt einen langen Kampf voraus: "Danach wird in Libyen nichts mehr sein wie zuvor."
Quelle: Spiegel Online
egon schrieb:
am 4. März 2011 um 15:21:52
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ich würde dem westen und speziell
den usa dringend raten die finger da weg zu halten. denn zum schluß sind doch sowieso wir die dummen.
zuerst ruft man hilfe und hinterher hat der böse westen wieder ein islamisches land besetzt. wieso helfen sich die araber eigentlich nicht mal selbst??
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Gabi schrieb:
am 4. März 2011 um 14:39:23
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Libyen
Hier wird viel darüber diskutiert ob der Westen (oder wer auch immer sich in der Lage sieht) dort militärisch Einschreiten sollte.
Die Diskussion ist vollkommen überflüssig da die Opositionellen in Libyen das Angebot militärischer Hilfe bereits abgelehnt haben. Die Aufständischen lehnen die Anwesenheit ausländischer Soldaten ab. Sie möchten ihre Revolution selbst durchstehen.
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Ullis schrieb:
am 4. März 2011 um 14:33:36
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weiter zu Demokratie die Lösung?
Alle diese Länder wollen Demokratie. Super Beispiele dafür Irak/Afganistan. Chaos, Anschläge mit
zigtausenden von Toten seit Bestehen der Demokratie. In solchen Ländern, wo nur die Zugehörigkeit zu einem Clan, einer Religionsgruppe Schiiten/Sunniten zählt, sind westl. Werte ein Witz. Solche Strukturen können nur mit eisener Hand geführt werden, sonst regiert das Chaos. Unter Saddam Hussein bis zum Boykott war das Land weit fortschrittl. mit Bildung für Frauen etc. als heute, Demokratie=Scharia
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