04.06.2011, 19:35 Uhr
Das Holstentor in Lübeck: Führt ein Restaurant der Hansestadt die EHEC-Fahnder zur Quelle? (Fotos: dpa/Imago) (Quelle: dpa)
Experten suchen weiterhin fieberhaft nach der Quelle der EHEC-Infektionen. Eine heiße Spur führt nach Lübeck. Bei der Gaststätte, die in das Visier der Ermittler geraten ist, handelt es sich nach einem ZDF-Bericht um das Traditionslokal "Kartoffelkeller". Das bestätigte der Besitzer des Lokals, Joachim Berger.
Am 13. Mai sei sowohl eine Gruppe des Deutschen Beamtenbundes als auch eine dänische Reisegruppe zu Gast gewesen. Ferner habe es eine Familienfeier gegeben. Serviert worden seien Steaks und Salat. In allen drei Gruppen hat es nach ZDF-Angaben anschließend EHEC-Erkrankungen gegeben. Der Beamtenbund bestätigte dem Sender, dass eine Kollegin inzwischen verstorben sei. Zwei weitere schwebten in Lebensgefahr.
Berger sagte dem ZDF, er habe am vergangenen Dienstag durch einen Besuch von Mitarbeitern des Gewerbeaufsichtsamtes von dem EHEC-Verdacht erfahren. Berger schloss nicht aus, dass eine Charge seines Lieferanten mit EHEC-Keimen belastet gewesen sein könnte. Er beziehe die Ware für den "Kartoffelkeller" und zwei weitere Lokale von einem Zwischenhändler aus Mölln, der wiederum von einem Hamburger Großhändler beliefert werde.
Nach Angaben von Berger wurde sein Lokal mittlerweile von den Gesundheitsbehörden untersucht - ohne Befund. Die drei Restaurants blieben daher geöffnet. Die Mitarbeiter hätten Stuhlproben abgeben müssen.
Insgesamt seien 17 Menschen erkrankt, nachdem sie das Restaurant besucht hatten, berichteten die "Lübecker Nachrichten". "Das Restaurant trifft keine Schuld, allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist", wird Werner Solbach, Mikrobiologe am Universitätsklinikum Lübeck, zitiert.
Vermutungen, nach denen Großveranstaltungen wie der Hamburger Hafengeburtstag als Ausbreitungsort für die EHEC-Welle infrage kommen, wiesen die Behörden zurück. Die Hamburger Gesundheitsbehörde berichtete auf Nachfrage, RKI-Experten hätten bereits vor zehn Tagen das Hafenfest als Auslöser der EHEC-Welle ausgeschlossen. Auch das RKI betonte, "Pressemeldungen, wonach EHEC-Infektionen mit Großveranstaltungen in Verbindung gebracht werden, decken sich nicht mit den Erkenntnissen des RKI und stehen im Widerspruch zu dem epidemiologischen Profil des Ausbruchs".
Die EU-Kommission will derweil Deutschland bei der Suche nach dem EHEC-Ausbruchsort helfen und künftig stärker zusammenarbeiten. EU-Gesundheitskommissar John Dalli bot an, EU-Experten zu schicken. Außerdem soll eine eigene EHEC-Internetplattform bis Montag auf die Beine gestellt werden, über die Behörden gezielt Informationen austauschen können. Unter anderem sollen zudem Hinweise auf Behandlungsformen vom RKI ins Englische übersetzt und den EU-Staaten bereitgestellt werden.
In Deutschland starben bislang 18 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem E-Coli-Bakterium. Zu den Symptomen einer EHEC-Infektion zählen Bauchkrämpfe, Durchfall, Fieber und Erbrechen. In mehr als 500 Fällen trat das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auf, das zu akutem Nierenversagen führen kann.
Das Bild in den Bundesländern war unterschiedlich. In Niedersachsen stieg die Zahl der Verdachtsfälle und bestätigten Erkrankungen von Donnerstag auf Freitag um nur vier auf 458 Fälle.
Nordrhein-Westfalen dagegen vermeldete im Vergleich zum Mittwoch rund 50 neue EHEC-Fälle. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der EHEC-Fälle seit Dienstag ebenfalls um rund 50 auf 517. 153 davon litten unter der schweren Komplikation hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), teilte das Kieler Gesundheitsministerium mit.
Bundesweit leiden mindestens 520 Patienten an dem lebensgefährlichen Syndrom. Insgesamt wurde bei mehr als 2000 Menschen in Deutschland eine EHEC-Infektion nachgewiesen oder es besteht der Verdacht darauf.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich betroffen von der Krankheitswelle. "Die Bundeskanzlerin versteht sehr gut die Sorge, die dieses Thema für viele Menschen im Moment bedeutet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Merkel lasse sich regelmäßig unterrichten.
Quelle: dpa , AFP , dapd
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