30.08.2010, 11:30 Uhr
Diese Videoaufnahmen des Loveparade-Unglücks sollen den Fall aufklären - aus Sicht des Veranstalters jedenfalls. (Foto: lopavent.de)
Gut vier Wochen nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten hat der Veranstalter Rainer Schaller die Überwachungsvideos im Internet veröffentlicht.
"Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können", hatte der Manager am Wochenende laut "Spiegel" erklärt. Die Duisburger Staatsanwaltschaft hatte offenbar versucht, die Veröffentlichung zu verhindern, dafür aber keine Handhabe gesehen.
Auf der Internetseite lopavent.de wird neben den 22-stündigen Archivaufnahmen von sieben Kameras ein sechsminütiger Zusammenschnitt des vermeintlichen Ablaufs des Unglücks präsentiert. Das Material, das gegen 15:51 – kurz vor der Katastrophe – aufgenommen wurde, zeigt den Einsatz von Polizeiketten. Die Auflösung von einer der Ketten soll Schaller zufolge das Unglück direkt ausgelöst haben.
Schaller kritisierte erneut die Polizeiketten insgesamt. Die Ordnungshüter hätten aus unerklärlichen Gründen im Tunnel und auf der Zugangsrampe Sperrketten gebildet. Dies sei vermutlich die Ursache für die Katastrophe gewesen. "Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat", wird er zitiert.
Das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte die Kritik umgehend zurückgewiesen. Schallers Aussagen würden durch Wiederholungen nicht besser, sagte Polizeiinspekteur Dieter Wehe. "Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammengebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schließen. Das ist nicht geschehen."
Dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, zufolge hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg keine rechtliche Handhabe, die Veröffentlichung der Überwachungsvideos zu verhindern. Die Behörde habe aber Schaller in einem Schreiben "dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen", sagte Wendt, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Auch Wendt warnte Schaller vor dem Schritt an die Öffentlichkeit: "Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren." Zudem bestehe ein erhebliches Risiko, mit den Videoaufnahmen Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. "Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten", kritisierte Wendt weiter.
Unterdessen berichtete der WDR, dass es in der kritischen Phase im Lagezentrum von Veranstalter und Polizei nach Angaben einer Sicherheitsfirma zu technischen Störungen gekommen sein soll. Es habe Kamerabilder gegeben, die plötzlich verschwunden seien, sagte der Geschäftsführer der Kölner Sicherheitsfirma R.A.D., Robert Ahrlé, dem Sender. Die Kameras seien ausgefallen, weil sie von Ravern bei ihrer Flucht aus einem Tunnel unbeabsichtigt beschädigt worden seien.
Quelle: dapd
ORAKEL schrieb:
am 30. August 2010 um 19:53:33
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Unvernunft kennt keine Grenzen
Wenn ich mir die Videos ansehe, mit diesen vielen Menschen, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer ins
Verderben rennt, kommt darin um !!! Wer jetzt noch behauptet, die Polizei sei Schuld, der sollte sich die Filme nochmal genauer ansehen.
Hier haben die Verantwortlichen für diese Veranstaltung totel versagt. Viel zu kleines Gelände und noch schlimmer, die Zugänge, einfach eine Zumutung !!
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Senkrechtstarter schrieb:
am 30. August 2010 um 19:46:40
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Loveparade
Wie auch immer die "Schuldfrage" entschieden werden sollte, über eines bin ich trotz aller Tragik froh: Dass es diese sinnlose
Veranstaltung zukünftig nicht mehr geben wird! Von "Musik" kann man hier gar nicht sprechen, das ist nur akustischer Müll! Wer geht auf solche eine Veranstaltung? Wohl überwiegend junge und vermeintlich "Junggebliebene" (oder die sich dafür halten). Die Jugend ist unsere Zukunft??? Bei so einer Jugend - gute Nacht!!! Auch wenn mich jetzt alle als "Spießer" bezeichnen...
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Peter Th. schrieb:
am 30. August 2010 um 19:42:21
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Interessant
So, hab mir jetzt diese (eventuell) ungeschnittene Videos angesehen. Dabei kamen mir einige Fragen auf. WO SIND EIGENTLICH DIE
GANZEN SICHERUNGSKRÄFTE/ORDENER DES VERANSTALTERS und WIE KANN MAN NUR EINEN GANG/TUNNEL ALS AUSGANG UND EINGANG BENUTZEN OHNE DISEN ENTSPRECHEND ZU TRENNEN. Durch das nicht trennen (entweder durch einen sehberaten Gang oder Absperrungen) war die Katastrophe doch schon vorprogrammiert, egal was die Polizei macht oder nicht macht.
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Die Doku des Veranstalters zeigt Szenen der Loveparade-Katastrophe in Duisburg. zum Video