29.07.2010, 07:20 Uhr
Trauernde hinterlassen an einer Wand vor dem Loveparade-Gelände ihre Botschaften (Foto: ddp)
Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht die Hauptschuld an der Katastrophe auf der DuisburgerLoveparade beim Veranstalter Lopavent. Er habe die vereinbarten Pläne nicht eingehalten - das Ordnersystem des Veranstalter habe nicht wie abgesprochen funktioniert und sei schließlich zusammengebrochen. Erst viel zu spät habe der Veranstalter die Polizei um Hilfe gebeten. Nur durch ihr Eingreifen habe noch Schlimmeres verhindert werden können. Lopavent-Chef Schaller reagierte zurückhaltend auf die schweren Anschuldigungen.
Dieter Wehe, der Polizeiinspekteur in Nordrhein-Westfalen, erklärtePunkt für Punkt, warum es aus Sicht der Polizei zu dem Unglück kommen konnte. Kern seiner Anklagepunkte: Erstens habe der Veranstalter das Gelände zwei Stunden später als im Sicherheitsplan festgehalten geöffnet, so dass schon früh ein Rückstau entstanden sei. Wehe sagte weiter, dass viele Schleusen, die den Zutritt zum Gelände ermöglichten, auch später nicht besetzt gewesen seien. Die Polizei machte den Veranstalter darauf aufmerksam, als der Rückstau immer schlimmer wurde. Es hätten sich dort sehr früh 20.000 Angereiste aufgestaut. Die Wartenden seien vor den Schleusen bereits unruhig und aggressiv geworden.
Zweitens entstand ein weiterer Stau am Ende der Rampe, die hinter dem Eingang lag. Die Teilnehmer seien bereits kurz nach Betreten des Geländes stehen geblieben, anstatt auf die freien Flächen durchzurücken - deshalb konnte auch dort die Menge der Teilnehmer nicht abfließen, es sei ein sogenannter "Pfropfen" entstanden. Wehe betonte, der Veranstalter hätte zugesagt, dort mindestens Ordner einzusetzen, die die Menschen dazu bringen sollten, weiter durchzurücken. Das hätte offenbar niemals stattgefunden - auch nicht, als die Situation vor dem Eingang schon brenzlig geworden war. Überhaupt sei ihm nicht klar, ob der Veranstalter die zugesagte Anzahl von 150 Ordnern auch tatsächlich eingesetzt hat.
Erst um 15.30 Uhr, als nach Aussage Jägers die Situation schon außer Kontrolle geraten war, bat Lopavent die Polizei um Hilfe: Die Beamten sollten jetzt eine Kette bilden, so dass nicht mehr Menschen Richtung Tunnel drängen konnten. Gleichzeitig hatte die Polizei den Veranstalter angewiesen, die Schleusen an beiden Tunneleingängen zu schließen. Das haben die Ordner nach Wehes Worten aber nicht getan.
Im Gegenteil: Weil ein Krankenwagen auf das Gelände fahren musste, öffneten sie einen Zaunteil, den sie aber nicht sofort wieder schlossen. Zusätzlich hätten die Besucher einen weiteren Teil des Zauns umgerissen. Dadurch strömten die Raver in die Todeszone, die zwischen dem "Pfropfen" und dem Tunnel gefangen waren - so habe sich der Druck auf Tunnel und Rampe derart erhöht, dass die Polizei ihre Stellung nicht mehr halten konnte. Deshalb konnten auch die Beamten das tragische Unglück nicht verhindern. Noch schlimmer: Der Zaun wurde zur Stolperfalle. Unmittelbar in diesem Bereich starben 14 Menschen.
Innenminister Jäger betonte, dass die Verantwortung auf dem Veranstaltungsgelände, zu dem auch der Tunnel und die Rampe gehörte, wo die 21 Menschen zu Tode kamen, alleine der Veranstalter trug. Die Vorwürfe von Lopavent-Chef Rainer Schaller wies er zurück. Die Polizei hatte einzelne Wachen auf dem Gelände eingerichtet, die auch gut ausgeschildert gewesen seien. Sie habe sich nach den Worten von Wehe, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, zurückgehalten. Als sich die Situation zuspitzte, hätten die Beamten alles getan, um das Unheil abzuwenden. "Die Polizei hat versucht zu tun, was eigentlich der Veranstalter zu tun hatte", sagte er. Dafür sei es aber wegen der Versäumnisse von Lopavent zu spät gewesen.
Zur Rolle der Stadt Duisburg im fragwürdigen Genehmigungsverfahren wollte der Innenminister das Ergebnis der Untersuchungen abwarten. Allerdings stelle er sich eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die die Genehmigung der Polizei erst kurz vor der Veranstaltung ausgehändigt habe, anders vor, sagte Jäger.
Lopavent-Chef Rainer Schaller hat auf die Vorwürfe zurückhaltend reagiert. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden. Die Darstellung von Innenminister Jäger werfe "viele Fragen auf". Inwieweit auch das Verhalten der Polizei die Situation mitverursacht habe, "wird die Staatsanwaltschaft herausfinden", so Schaller. Diese sei im Besitz des vollständigen Videomaterials der sechs Kameras im Tunnel- und Eingangsbereich.
Quelle: t-online.de , dapd , dpa
Ragonaut schrieb:
am 28. Juli 2010 um 19:48:27
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wer ist schuld
Die Polizei ist wohl kaum verantwortlich für die Organisation und den Ablauf von privaten Veranstaltungen. Das ist Sache des
Veranstalters, der die entsprechenden Auflagen erfüllen muß. Die Polizei wird vor Ort benötigt, da der Veranstalter nicht alle hoheitlichen Rechte der Polizei wahrnehmen kann, um zum Beispiel gegen Randalierer und Gewalttätige vorzugehen und bei Gefahr einzugreifen.
Die Frage wird sein ob der Veranstalter die Auflagen erfüllt hat und dann ob die Auflagen ausreichend waren
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Martin schrieb:
am 28. Juli 2010 um 19:47:56
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Karl-Otto hat recht
Da muss ich Karl-Otto recht geben - die Verwaltungen sind für die Bürger da und u. a. sollen sie auch Schaden von uns
fernhalten - wenn es um Geschwindigkeitskontrollen, Parksünden oder Überschreitungen der Ruhezeiten geht, nehmen sie ihre Aufgabe ja auch immer ziemlich genau - diese Sorgfalt, die man als Bürger erwarten muss, hat hier leider gefehlt. Und laut Schilderungen waren es ja nicht die einfachen Beamten, sondern die Oberen, die ihren Angestellten Maulkörbe verpasst haben.
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tommy schrieb:
am 28. Juli 2010 um 19:45:27
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loveparade
hallo michael,du solltest eins wissen,in dortmund war zwar der platz kleiner,aber um den floats war aber reichlich platz um
auszuweichen,das war in duisburg nicht da war der tunnel und im tunnel kann man ja bekannlicher weise nicht nach links oder rechts ausweichen.und ausserdem waren es nur 1,6 mio raver keine 1,8.also besser informieren @michael
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