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Katastrophe bei der Loveparade

 

Loveparade-Katastrophe: Duisburg dementiert Sauerland-Rücktritt

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(Grafik: ddp/t-online.de)

Duisburg dementiert Sauerland-Rücktritt

30.07.2010, 19:51 Uhr

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland will angeblich zurücktreten (Foto: imago)

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland will angeblich zurücktreten (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die "Berliner Morgenpost" berichtet, der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), wolle zurücktreten. Die Zeitung beruft sich auf ranghohe Sicherheitskreise. Eine Sprecherin der Stadt Duisburg dementierte diese Meldung gegenüber t-online.de umgehend, "Das können Sie in die Tonne kloppen", sagte Sauerland selbst dem Online-Portal "Der Westen". Die FAZ berichtete unterdessen, Sauerland sei mit seiner Abwahl einverstanden und wolle sich dem Rat der Stadt zur Abwahl stellen.

Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade, wo bei einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben kamen, nahm der Druck auf Sauerland zuletzt immer weiter zu. Kritik kam auch aus den eigenen Reihen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach hatte ihm den Rücktritt nahegelegt. Er sagte am Donnerstagabend im ZDF, Sauerland trage die politische Verantwortung und "hafte" damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte Sauerland bereits den Rücktritt empfohlen. Demonstranten vor dem Rathaus forderten am Mittwoch ebenfalls, dass der OB sein Amt aufgibt.

Sauerland würde bei Rücktritt Pensionsansprüche verlieren

Wenn Sauerland sein Amt aufgibt, verliert er sämtliche Pensionsansprüche. "Er verliert nicht nur die Beamtenpension als Verwaltungschef, sondern auch seine Altersbezüge als ehemaliger Berufsschullehrer", sagte der Haushaltsexperte des Bundes der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen, Heiner Cloesges. "Wenn ich hingehe und das Handtuch werfe, gelte ich als entlassen aus dem öffentlichen Dienst", sagte Cloesges. In diesem Fall würde der Staat zwar seinen Arbeitgeberanteil an der Rente nachzahlen, jedoch alle weiteren Altersbezüge streichen, sagte der Experte. Wenn der Rat der Stadt Sauerland abwählen sollte, bekäme er dagegen gut 3700 Euro Pension.

"Aufgabe als Behördenleiter nicht gerecht geworden"

Bosbach sagte, er könne zwar verstehen, dass Sauerland nicht mit einem Rücktritt den Eindruck eines möglicherweise sogar strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle. Ein solches Amt sei aber "nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden", sagte Bosbach. Zudem seien Politiker abhängig vom Vertrauen der Bürger.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, stimmte Bosbach - ebenfalls im ZDF - zu: "Wo kommen wir überhaupt hin, wenn nicht 21 Tote Anlass dafür sind, politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten?" Sauerland, den er seit Jahrzehnten als anständigen Menschen schätze, sei seiner Aufgabe als Behördenleiter nicht gerecht geworden.

Loveparade "hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen"

Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Verantwortung zurückwies, weil er keine Genehmigung unterschrieben habe, ließ CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl ebenfalls nicht gelten. "Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben, und er hat als Chef der Stadtverwaltung die Verantwortung", sagte er gegenüber der "Financial Times Deutschland". Der Hauptfehler liege bei ihm. Er müsse "das Begehren eines Kaufmanns bewerten, mit einer Veranstaltung mit möglichst wenig Auflagen viel Geld zu verdienen".

Die Loveparade "hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen", sagte Uhl weiter. Besonders kritisierte er die Verantwortlichen, die den Auflagenbescheid ausstellten. "Jeder Obsthändler, der in der Münchner Fußgängerzone einen Stand eröffnen will, muss mehr nachweisen", sagte er. Die beiden Seiten lieferten keine Informationen. Die Gefahren seien nicht benannt und geklärt gewesen.

Wiefelspütz fordert Versicherungspflicht

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte unterdessen eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. Das gehöre zu den Lehren aus der Loveparade, sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". "Man muss sicherstellen, dass eine Versicherung vorliegt, bei großen Ereignissen wird man auch über die Höhe zu reden haben." Die Versicherung über 7,5 Millionen Euro, die der Veranstalter der Duisburger Loveparade abgeschlossen habe, werde angesichts der vielen Toten und Verletzten nicht ausreichen.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, forderte, die Verantwortlichen für die Katastrophe müssten klar benannt werden. "Das ist auch ein wichtiges Element für Menschen, die trauern", sagte Schneider im Deutschlandradio Kultur. Er soll am Samstag mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 21 Opfer leiten.

"Man muss sich der Öffentlichkeit stellen"

Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts "Ruhr.2010", Fritz Pleitgen, betonte, dass die Spitze der CDU Sauerland dringend helfen müsse. "Der Oberbürgermeister Sauerland ist ein sehr beliebter Oberbürgermeister gewesen, aber offensichtlich jetzt nicht der Situation gewachsen", sagte er im ZDF. Die Lage sei für Sauerland derzeit sehr schwierig - unter anderem auch finanziell. "Er würde alle Ansprüche verlieren, er hätte überhaupt keine Pension. Auch da müsste eine Lösung gefunden werden."

Das gegenwärtige Verhalten des Oberbürgermeisters und der anderen Verantwortlichen schüre die Verzweiflung der Menschen und die Empörung. "Das sollte tunlichst bald beendet werden", forderte Pleitgen. "Man muss sich jedenfalls der Öffentlichkeit stellen, muss versuchen, die Fragen, die man wirklich beantworten kann, dann auch zu beantworten, damit die Menschen wissen, da ist jemand bereit, die Verantwortung zu tragen."

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter "gegen unbekannt"

Am kommenden Mittwoch wird der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Parlaments zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Das teilte der Landtag mit. Den Bericht der Landesregierung wird Innenminister Ralf Jäger (SPD) abgeben. Die Sitzung ist von der CDU-Fraktion beantragt worden. Da sie mitten in die parlamentarischen Sommerpause fällt, werden die Mitglieder des Innenausschusses dafür aus dem Urlaub zurückgerufen.

Noch immer liegen 25 Verletzte seit dem Unglück im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin "gegen unbekannt". "Daran wird sich erst etwas ändern, wenn eine bestimmte Verantwortlichkeit gegen eine bestimmte Person erkennbar wird", sagte Behördensprecher Rolf Haferkamp. "Wir müssen die Kausalkette vom Ereignis zurückverfolgen und sämtliche Fakten sammeln. Da spielen sehr viele Faktoren ineinander", so der Staatsanwalt. "Das Bild muss erstmal stimmen." Die Kölner Polizei hat 60 Beamte eingesetzt, die wegen fahrlässiger Tötung ermitteln.






Quelle: AFP , dapd , dpa

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Kommentare (64)

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Thema: "Loveparade-Katastrophe: Duisburg dementiert Sauerland-Rücktritt"

Linker Genosse schrieb: am 30. Juli 2010 um 19:25:18
(0) (0) Sauerland
Wenn Sauerland auch nur einen Funken Respekt und Anstand gegenüber der Toten und Verletzten besitzt, sollte er endlich
zurücktreten. Was sagte er neulich in einer Presserklärung? Sinngemäßer O-Ton: Es gab zwar 21 Tote, er hingegen hätte jedoch noch sein Leben. Wie selbstverherrlichend und arrogant muss man sein um solches Statement abzugeben? Ist seine Pension höher zu bewerten oder verdienen 21 Tote weniger an Achtung? Es ist ein Schlag ins Gesicht derer die um ihre Angehörigen trauern.
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Uwe schrieb: am 30. Juli 2010 um 19:21:44
(0) (0) Ratschlag
Alle die sich schuldig fühlen sollten auf Ihre schlechte Kindheit verweisen, dies hilft in Deutschland immer!!!

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Pierre schrieb: am 30. Juli 2010 um 19:20:04
(0) (0) Für den Rücktritt
Wer hat denn dafür gesorgt, dass der stellvertretende Polizeichef in den Ruhestand geschickt wurde? OB Sauerland ist
untragbar geworden! Als Zuschauer stehe ich übrigens in keiner Mitschuld, da ich von einer ordentlichen Organisation ausgehe. Auch die Duisburger Bürger tragen keine Mitverantwortung - Ausnahme: OB und einiger Verwaltungsmenschen.
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