Auch Ex-Premier Tony Blair wird bei der Untersuchung als Zeuge gehört (Foto: ddp)Mehr als sechseinhalb Jahre nach dem Beginn des Irakkriegs hat in Großbritannien die öffentliche Untersuchung zu dem Einsatz begonnen. Dabei wurden in London die ersten Zeugen gehört, die über die Irak-Politik der Regierung vor Beginn des Einmarsches im Frühjahr 2003 aussagen sollten.
Der Vorsitzende des Ausschusses, John Chilcot, erklärte, das parteiübergreifende Gremium sei "unabhängig und unpolitisch". Es handle sich aber nicht um einen Prozess. "Niemand steht hier vor Gericht."
Auch Blair wird gehört
Der Ausschuss soll die Irak-Politik der Briten von 2001 bis zum Abzug der britischen Truppen im Sommer 2009 untersuchen. Anfang kommenden Jahres soll auch der damalige Premierminister Tony Blair als Zeuge gehört werden.
Brown-Regierung unter Druck
Die Kommission war schon im Sommer eingesetzt worden und soll bis Ende nächsten Jahres ein Ergebnis vorlegen. Die Untersuchung könnte die Labour-Regierung von Premier Gordon Brown vor den anstehenden Wahlen im Frühsommer 2010 unter Druck bringen. Kritiker hatten jedoch moniert, dass bei dem Ausschuss niemand gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden kann, und dass ein Ergebnis nicht vor den kommenden Wahlen erwartet wird. Geladen sind zunächst damalige hochrangige Beamte des Außen- und Verteidigungsministeriums.
179 Soldaten starben
Blair hatte Großbritannien - gegen den Willen der meisten Briten - an der Seite der USA in den Krieg gegen das Regime von Saddam Hussein geführt. Opposition und Menschenrechtsgruppen hatten seit Jahren eine unabhängige Untersuchung gefordert. Nach dem Abzug der Briten aus dem Irak in diesem Sommer hatte Premierminister Gordon Brown grünes Licht dafür gegeben. Bei dem Einsatz kamen 179 britische Soldaten ums Leben.