19.03.2011, 20:01 Uhr
Die Regierung spricht von einer Stabilisierung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima I, nachdem die Kühlung der Reaktoren mit Hilfe von Wasserwerfern erfolgreich gewesen sei. Doch gleichzeitig warnt sie die Bevölkerung vor atomarem Regen, der für morgen erwartet wird. Die ersten der "50 Helden" von Fukushima wurden bereits verstrahlt. Bei sechs Arbeitern wurde eine stark erhöhte Belastung gemessen. Die Behörden haben zudem radioaktive Spuren im Trinkwasser von Tokio gefunden.
Derweil haben die Behörden in Japan bislang fast 7400 Todesopfer des Erdbebens und des Tsunami gezählt, 11.000 Menschen werden noch vermisst.
Lesen Sie die Meldungen im Liveticker:
+++ Boden im Umkreis verseucht +++
[20:00] Der Boden im Umkreis von 30 Kilometern um Fukushima herum sei kontaminiert, sagte der Leiter des Instituts für Strahlenbiologie im Helmholtz-Zentrum München, Professor Michael Atkinson. "Doch die Aktivität des Radiojodids im Bodens scheint abzuklingen. Das ist ein Hinweis darauf, dass im Moment nichts aus dem Reaktor mehr austritt."
+++ IAEA sieht weniger Risiko für Katastrophe +++
[19:16] Der Eintritt der schlimmstmöglichsten Katastrophe in Fukushima wird nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA mit jedem Tag unwahrscheinlicher. "Die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung", sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Man könne nun die Wiederherstellung der Stromzufuhr zu den Reaktoren und die Bemühungen um die Kühlung beobachten. Damit reduziere sich das Risiko Tag für Tag. Die Kühlung mit Meerwasser verhindere momentan eine Überhitzung der Reaktoren. Auch wenn sich die Situation seit Tagen nicht verschlechtert habe, könne sie seiner Einschätzung nach immer noch eskalieren: "Kann etwas Unerwartetes passieren? Auf jeden Fall."
+++ Warnung vor radioaktivem Regen +++
[18:17] Angesichts erwarteter Regenfälle mit einer möglichen Belastung durch radioaktive Partikel hat die japanische Atomenergiekommission die Bevölkerung der Krisenregion aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Das teilte das Büro des Ministerpräsidenten mit. Im Nordosten des Landes werden für Sonntag und Montag Niederschläge erwartet. Nach Angaben der Behörde besteht keine Gesundheitsgefahr, selbst wenn Menschen dem Regen ausgesetzt seien. Dennoch wurde die Bevölkerung aufgerufen, nur in Notfällen bei Regen das Haus zu verlassen und Haare und Haut zu bedecken.
+++ Sechs Fukushima-Helfer bekommen hohe Strahlenbelastung ab +++
Die japanische Küstenwache hat dieses Video der beiden Riesenwellen veröffentlicht. Die Besatzung des Schiffs kam mit dem Schrecken davon. zum Video
[17:48] Bei den verzweifelten Rettungsarbeiten am schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben sechs Arbeiter zu viel radioaktive Strahlung abbekommen. Bei den Männern wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf den Kraftwerksbetreiber Tepco mitteilte. Welche Aufgaben die Arbeiter hatten, teilte Tepco nicht mit. Wegen der Katastrophe hatte das japanische Gesundheitsministerium den Grenzwert für Arbeiter an dem zerstörten Kraftwerk von 100 auf 250 Millisievert hochgesetzt. In Deutschland gilt für Menschen, die beruflich etwa in einem Atomkraftwerk Strahlung ausgesetzt sind, ein Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr. Für alle anderen Menschen, die beruflich künstlicher Strahlenbelastung ausgesetzt sind, liegt die erlaubte Jahresdosis bei 1 Millisievert.
+++ Bauarbeiter in Tokio vollenden höchsten Fernsehturm der Welt +++
Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt, wie sich radioaktive Partikel - sofern vorhanden - über den Wind verteilen könnten. zum Video
[17:32] Japans Bauindustrie überrascht der Katastrophe zum Trotz mit einer Rekordmeldung. In Tokio beendeten Arbeiter den Bau eines neuen Fernsehturms mit einer Weltrekordhöhe von 634 Metern. Der Rohbau hatte den Mega-Erdstoß unbeschadet überstanden.
+++ Stark erhöhte Radioaktivität im Trinkwasser in Fukushima +++
Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt den möglichen Niederschlag, der Radioaktivität auf das Festland oder ins Meer tragen könnte, rund um Fukushima. zum Video
[17:24] Japanische Behörden gaben bekannt, dass in der Präfektur Fukushima radioaktives Jod im Trinkwasser festgestellt wurde, dessen Strahlung über dem gesetzlichen Höchstwert liegt. Zuvor war bereits in der Millionenmetropole Tokio radioaktive Belastung im Leitungswasser gemessen worden - dort allerdings nach offiziellen Angaben unterhalb der Grenzwerte.
+++ Japan, Südkorea und China planen Zusammenarbeit +++
[17:17] Nach den Atomreaktorunfällen in Fukushima streben Japan, Südkorea und China eine engere Zusammenarbeit beim Katastrophenmanagement und der Nuklearsicherheit an. Mit seinen beiden Amtskollegen habe er sich darauf geeinigt, dass die drei Länder bei ihrem nächsten Dreier-Gipfeltreffen "sichtbare Ergebnisse" in diesem Bereich erzielen sollten, wurde Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Samstag zitiert.
Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt die mögliche Entwicklung der Temperaturen im japanischen Krisengebiet. zum Video
+++ Löcher in Reaktoren 5 und 6 gebohrt +++
[17:00] In die Dächer der Reaktoren 5 und 6, in denen ältere Brennstäbe lagern, wurden Löcher gebohrt, durch die Wasserstoff entweichen kann, ohne dass er explodiert. Die Kühlbecken dort wurden mit Notstrom aus Dieselgeneratoren des Reaktors 6 gekühlt. Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Kyodo gemeldet, dass die Temperatur im Kühlbecken von Block 5 sinke.
+++ Strahlenschutzmaßnahmen der Bundesregierung +++
[17:00] Die Bundesregierung hat wegen der Atomkatastrophe in Japan eine Reihe vorsorglicher Maßnahmen zum Strahlenschutz in die Wege geleitet. So können sich Reisende aus Japan in Deutschland auf radioaktive Strahlung untersuchen lassen, Lebens- und Futtermittel aus Japan werden kontrolliert, Importgüter wie Unterhaltungselektronik und Autos stichprobenartig untersucht. Das teilte das Bundesumweltministerium mit. Das Ressort bereitet außerdem eine Eilverordnung vor, die Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Flugzeugen festlegen soll, die direkt aus Japan kommen. Das Ministerium sprach von reiner Vorsorge. "Durch die verheerenden Ereignisse in Japan ist mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Bevölkerung in Deutschland nicht zu rechnen", hieß es in einer Mitteilung.
Seit dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami kämpfen die Betreiber des AKW mit massiven Problemen. Mehreren Reaktoren droht ein Super-GAU. zum Video
+++ Reaktoren sollen "rund um die Uhr" besprüht werden +++
[16:47] Ingenieure, Soldaten und Feuerwehrleute setzen ihre Bemühungen fort, die vier überhitzten Reaktorblöcke 1 bis 4 notdürftig zu kühlen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sollen die Reaktoren fortan "rund um die Uhr" statt wie bisher phasenweise besprüht werden. Am Reaktor 3 wurden bei einem neuen Kühleinsatz Spezialfahrzeuge der Tokioter Feuerwehr eingesetzt. Erschwert wird der Einsatz durch die hohe Strahlung, die einen Aufenthalt nahe der Reaktorgebäude nur kurzzeitig erlaubt.
+++ "Keine Gefahr durch kontaminierte Lebensmittel für Deutschland"
[16:18] "Für Deutschland besteht wegen der kontaminierten Lebensmittel wie Milch und Spinat keine Gefahr", sagt Prof. Michael Atkinson, Leiter des Instituts für Strahlenbiologie im Helmholtz-Zentrum München. "Wir importieren diese Lebensmittel nicht aus Japan", sagte Atkinson. Das berühmte Rindfleisch aus Kobe (Kobe-Beef) stelle auch keine Gefahr dar, weil die Stadt zu weit vom Reaktor entfernt sei. "Zudem wird momentan alles kontrolliert, was aus Japan kommt."
+++ Bergungsspezialisten kommen aus Japan zurück +++
[15:27] Deutsche Bergungsspezialisten sollen heute aus Japan zurückkehren. Die 41 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) werden gegen 21 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt landen, teilte das THW in Bonn mit. Die Helfer hatten seit Montag in der Präfektur Miyagi nach Verschütteten gesucht. Sie haben ihren Einsatz abgebrochen, weil es praktisch keine Chance mehr gibt, Überlebende zu finden.
+++ Frankreich fliegt 1000 Landsleute aus +++
[15:13] Frankreich hat seit Donnerstag knapp tausend seiner Landsleute aus Japan ausgeflogen. Regierungsflugzeuge hätten die insgesamt 977 Menschen aus besonders gefährdeten Gebieten zunächst nach Südkorea transportiert, berichtete das Außenministerium. In Sonderflügen werden sie nun in ihre Heimat gebracht. Die französische Botschaft hatte alle Landsleute, die keine dringenden Gründe zum Bleiben hatten, zum vorläufigen Verlassen Tokios aufgefordert. Die Behörden schätzen die Zahl der in Japan lebenden Franzosen auf 10.000, davon 7000 im Großraum Tokio.
+++ Experte: "Folgenreichste Katastrophe aller Zeiten" +++
[14:34] Japans Tragödie könnte eines der schlimmsten Unglücke unserer Zeit werden - eines, das Politik, Wirtschaft und sogar die Philosophie über Jahrzehnte hinaus beeinflussen könnte, in einer Welt, die immer noch vernetzter wird. "Dieses Ereignis hat das Potenzial, die weltweit folgenreichste Naturkatastrophe der modernen Zeit zu sein. Und sie könnte, angesichts der Globalisierung, sogar die folgenreichste aller Zeiten sein", sagt Rob Verchick, Katastrophenexperte an der Loyola Universität in New Orleans.
+++ Japanische Regierung stoppt Verkauf von Lebensmitteln aus Fukushima +++
[13:38] Das japanische Gesundheitsministerium hat einen Verkaufsstopp von Lebensmitteln aus der Präfektur Fukushima angeordnet. Dies teilte die internationale Atomenergiebehörde IAEA mit. Zuvor waren bei Milch und Spinat aus der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima erhöhte Strahlenwerte gemessen wurden. Die Werte für radioaktives Jod überschritten laut japanischer Regierung die zulässigen Höchstgrenzen. Auch in der südlicheren Präfektur Ibaraki sei belasteter Spinat entdeckt worden.
+++ Radioaktives Jod in japanischem Trinkwasser +++
[12:47] Gut eine Woche nach dem Atomunfall im japanischen Kraftwerk Fukushima I haben die Behörden im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich um Spuren von radioaktivem Jod, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Wissenschaftsministerium. Ungewöhnlich hohe Werte von radioaktivem Jod seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert. Der Kontakt mit radioaktivem Jod kann zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Der Stoff lagert sich insbesondere in der Schilddrüse ein.
+++ Japanische Behörden korrigieren Opferzahl erneut nach oben +++
[12:10] Nach dem Erdbeben und dem Tsunami vor acht Tagen geben die japanischen Behörden die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen mit 7348 an. Vermisst werden demnach 11.000 Menschen. Einige der Vermissten könnten außerhalb der betroffenen Regionen gewesen sein, als sich die Katastrophe ereignete. Andererseits könnte eine bislang unbekannte Zahl von Opfern nach dem Tsunami von der Rückwelle aufs Meer hinaus gespült worden sein.
+++ Chinesen für falschen Atom-Alarm bestraft +++
[11:49] In China sind zwei Männer bestraft worden, weil sie im Internet grundlos Angst vor einer akuten radioaktiven Verstrahlung geschürt hatten. Einer der Täter habe über ein soziales Netzwerk die Behauptung verbreitet, eine Strahlenwolke habe die Stadt Shanghai erreicht, wie die Zeitung "Shanghai Daily" berichtet. Dabei hat er sich auf eine nicht existierende Mitteilung der Stadtverwaltung berufen. Ein zweiter Internetnutzer habe diesen Eintrag ungeprüft weiterverbreitet. Die beiden Männer seien zu Ordnungsstrafen verurteilt worden.
+++ Radioaktivität außerhalb von Sperrzone minimal +++
[11:42] Die Radioaktivität in Japan außerhalb der kritischen Zonen rund um die Atomanlage Fukushima ist nach Erkenntnissen der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) minimal. Nach Angaben eines Diplomaten in Wien haben Messungen der CTBTO ergeben, dass die Radioaktivität 100 Millionen bis eine Milliarde Mal unter den als gesundheitsgefährdend geltenden Grenzwerten liegt. Die Messungen wurden am Freitag in Takasaki in Japan, rund 330 Kilometer südwestlich des Kernkraftkomplexes von Fukushima vorgenommen. Die CTBTO hat die Aufgabe, Atomtests weltweit zu überwachen. Dazu unterhält sie ein weltumspannendes Netz von Messstationen, die auch Radioaktivität von nuklearen Unfällen wie die Katastrophe von Fukushima erfassen können.
+++ Nachbeben der Stärke 6,1 erschüttert Gebiet +++
[11:25] Ein Nachbeben der Stärke 6,1 hat am Samstag die Region Ibaraki südlich des havarierten Atomkraftwerks Fukushima erschüttert. Das teilte die japanische Meteorologiebehörde mit. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben. In der Hauptstadt Tokio waren die Erschütterungen des Bebens zu spüren. Schäden wurden zunächst nicht gemeldet, wie der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK berichtete. Demnach wurden aber Flüge am Hauptstadt-Flughafen Narita vorübergehend ausgesetzt. Die Präfektur Ibaraki liegt rund hundert Kilometer nordöstlich von Tokio.
Das Atomkraftwerk Fukushima I war bei dem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 vom 11. März stark beschädigt worden. Der nachfolgende Tsunami hatte die Stromversorgung und damit die Kühlsysteme für die radioaktiven Brennstäbe in den Reaktorkernen und Abklingbecken gestoppt.
+++ Kühlsystem wird Sonntag angeworfen +++
[10:53] In dem schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima I ist es gelungen, eine Stromleitung zum Kühlsystem von Reaktor 2 zu verlegen. Sollten keine weiteren Probleme auftauchen, könne das Kühlsystem am Sonntagmorgen ans Stromnetz angeschlossen werden, sagte ein Sprecher der japanischen Behörde für Atomsicherheit am Samstagabend (Ortszeit). Die Betreiberfirma Tepco bestätigte die Information zunächst nicht. Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem anschließenden Tsunami vergangene Woche war die Pumpenstation für das herkömmliche Kühlsystem des Reaktors beschädigt worden.
+++ Experte warnt vor steigenden Strompreisen +++
[10:01] Auf die Verbraucher in Deutschland kommen nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, wegen der atompolitischen Kehrtwende der Bundesregierung deutlich höhere Strompreise zu. Die Kurse an der Leipziger Strombörse seien bereits erheblich gestiegen, sagte der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrats der Bundesregierung der "Rheinischen Post". Dennoch empfahl Franz der Regierung, ihre Linie konsequent weiter zu verfolgen: "Die Bundesregierung sollte ihr Energiekonzept, das bekanntlich den Übergang zu den erneuerbaren Energien bereits vorsieht, gegebenenfalls modifizieren und dann konsequent umsetzen." Nach einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" ist eine Mehrheit der Deutschen nach den Ereignissen in Japan inzwischen auch bereit, höhere Stromkosten zu akzeptieren - wenn der Strom nicht mehr aus Kernenergie stammt.
+++ Löcher im Dach der Reaktoren 5 und 6 gegen Explosionen +++
[09:45] Die Löcher, die in die Dächer der Fukushima-Reaktoren 5 und 6 gemacht wurden, sollen weiteren Explosionen in dem havarierten Atomkraftwerk vorbeugen. Nach Angaben der internationalen Atomenergie-Behörde IAEA in Wien haben Arbeiter Löcher in die Dächer der beiden Gebäude eingebracht, um die Ansammlung von Wasserstoff zu verhindern. Die Explosionen in anderen Reaktoren seien vermutlich durch Wasserstoff ausgelöst worden, heißt es auf der Homepage der IAEA.
+++ Nur noch wenige Deutsche im Großraum Tokio +++
[09:04] Die meisten Deutschen haben die japanische Hauptstadt und ihre Umgebung inzwischen wohl verlassen. Der überwiegende Teil ist nach Einschätzung der deutschen Botschaft in Japan nach Westjapan oder ins Ausland gereist. Im Großraum Tokio blieben vor allem die, die dort familiär verwurzelt sind oder das Land schon lange und gut kennen. "Ich schätze, dass sich weniger als 1000 deutsche Staatsbürger noch in ganz Ostjapan aufhalten", sagte ein Botschaftssprecher in Japan am Samstag. Im Ballungsgebiet Tokio-Yokohama hielten sich vor dem Erdbeben etwa 3500 Deutsche auf. Wegen der dramatischen Lage am Atomkraftwerk Fukushima I hat auch die deutsche Botschaft ihren Sitz nach Osaka verlegt.
+++ Auch Milch aus Fukushima verstrahlt +++
[08:31] Neben Spinat ist auch Milch aus der vom Atomunfall betroffenen japanischen Provinz Fukushima verstrahlt. Das teilte Regierungssprecher Yukio Edano in Tokio mit. Die Strahlenwerte überschritten die zulässigen Höchstgrenzen. Eine akute Gesundheitsgefährdung sei aber derzeit nicht zu erwarten. Wer ein Jahr lang von der belasteten Milch trinken und den ebenfalls verstrahlten Spinat essen würde, erleide eine Strahlendosis von der Stärke einer Röntgenuntersuchung, erläuterte Edano. Auch in der Provinz Ibaraki, südlich von Fukushima, sei belasteter Spinat entdeckt worden.
+++ Japans Regierung: "Lage hat sich stabilisiert" +++
[08:18] Am Reaktor 3 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima I ist nach Angaben der japanischen Regierung eine Verbesserung zu beobachten. "Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat", sagte Regierungssprechers Yukio Edano. Die Kühlaktionen von außen hätten eine Wirkung gehabt. Es sei mehr Wasser in Reaktor 3 festgestellt worden.
+++ Betonpumpe aus Deutschland soll in Fukushima helfen +++
[07:42] Ein weiteres Spezialfahrzeug zur Kühlung ist auf dem Weg zum schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I. Wie der Fernsehsender NHK am Samstag berichtete, könne die Maschine Wasser aus sehr großer Höhe versprühen. Das Fahrzeug sei in Deutschland gebaut worden und pumpe normalerweise flüssigen Beton. Ein ähnliches Modell sei bereits beim Atomunglück in Tschernobyl eingesetzt worden.
+++ Wasser soll sieben Stunden lang versprüht werden +++
[07:37] Die Reaktoren im schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I sollen weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Am Ende würden dann mehr als 1000 Tonnen Wasser versprüht sein, berichtete der Sender NHK am Samstag. Das helfe, die Temperatur und die radioaktive Strahlung zu senken. Es sei aber nur eine vorübergehende Lösung. Techniker arbeiten weiter daran, die Stromversorgung des Kraftwerks wieder herzustellen.
+++ Leichenberge überfordern Gemeinden in Japan +++
[07:36] Die Gemeinden in den japanischen Unglücksgebieten haben nach dem Erdbeben und Tsunami ein riesiges Problem mit den vielen Toten. Einem Bericht der Zeitung Yomiuri zufolge sind die Krematorien schlicht überfordert. In den betroffenen Präfekturen werde nun sogar überlegt, die Toten zu beerdigen, was in Japan sonst nicht üblich ist. Die Regel sind Feuerbestattungen. Beerdigungen ohne vorherige Einäscherung machten nur 0,04 Prozent aus, hieß es.
Auch die provisorisch errichteten Leichenhallen reichten bei weitem nicht aus, schreibt das Blatt weiter. Außerdem mangele es an Eis zur Kühlung der Toten und auch Leichensäcke fehlen viel zu oft. In einigen Gemeinden reihen sich die Toten in Sporthallen aneinander. Etliche sind nur mit Decken umhüllt. Früher oder später drohten erhebliche Hygieneprobleme, zitiert die Zeitung die Behörden.
Mit Stand vom Samstag sind bisher 7200 Tote offiziell registriert worden. Knapp 11.000 Menschen werden noch vermisst.
+++ Stark verstrahlter Spinat in Fukushima gefunden +++
[07:20] Spinat aus der Umgebung des defekten Atomkraftwerks Fukushima Eins in Japan ist radioaktiv verstrahlt. In den Pflanzen seien hohe Strahlenwerte festgestellt worden, erklärte ein Regierungsbeamter nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo vom Samstag.
+++ Neuer Kühleinsatz an Reaktor drei beginnt +++
[06:41] An Block 3 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima I hat am Samstagmittag (Ortszeit) ein neuer Kühlversuch begonnen. Feuerwehrleute richteten die Wasserkanonen ihrer Spezialfahrzeuge auf den zerstörten Reaktor, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Bereits am frühen Samstagmorgen hatten die Einsatzkräfte 25 Minuten lang 90 Tonnen Wasser auf die Anlage regnen lassen.
Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der Ruine von Block 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Becken für Brennstäbe bedrohlich niedrig ist.
+++ Neue Feuerwehrleute eilen zur Ablösung nach Fukushima +++
[05:26] Eine zweite Gruppe Feuerwehrleute ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima, um ihre Kollegen bei dem gefährlichen Kühleinsatz an den Reaktoren abzulösen. Das meldete der Fernsehsender NHK am Samstag. Das zweite Kontingent stamme ebenfalls aus Tokio und sei 100 Mann stark. Die erste Gruppe besteht aus 139 Kollegen und war am Donnerstag vor dem AKW in Stellung gegangen.
Der Wechsel geschehe, um die ersten Feuerwehrleute nicht noch stärker der radioaktiven Strahlung auszusetzen, zitierte NHK die Behörden. Die Gruppe Nummer eins hatte mit einem Spezialfahrzeug aus 22 Metern Höhe Tonnen von Wasser auf Reaktor 3 gesprüht, um für die dringend benötigte Kühlung der überhitzten Anlage zu sorgen.
Die neuen Kollegen sollten den Angaben zufolge noch am Samstag an dem AKW ankommen. Sie sind mit 14 Feuerwehrfahrzeugen unterwegs.
+++ Tepco: Temperatur des Abklingbeckens in Reaktor 5 sinkt +++
[05:03] Zumindest von einem der Reaktoren im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins gibt es gute Nachrichten: In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco meldete. Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es "keine unmittelbaren Bedenken".
+++ Geretteter war nicht acht Tage verschüttet +++
[04:44] Der junge Japaner, der am Samstag aus den Trümmern seines Hauses geborgen wurde, war dort nicht wie zunächst angenommen acht Tage lang verschüttet. Das meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji. Sie korrigierten damit erste eigene Angaben. Zunächst hatte es geheißen, der Mann sei acht Tage nach dem Beben und Tsunami in der Katastrophenregion Miyagi aus seinem Haus gerettet worden. Er habe so unter Schock gestanden, dass er nicht sprechen konnte. Tatsächlich war der Mann aber wohl in einer Notunterkunft untergekommen und von dort am Freitag nach Hause zurückgekehrt, "um dort sauberzumachen". Das teilte seine Familie laut Kyodo mit. Der Mann heiße Katsuharu Moriya und sei zwischen 20 und 30 Jahre alt. Über seine vermeintlich wundersame Rettung hatten Medien auf der ganzen Welt berichtet.
+++ Stromversorgung soll Samstag anlaufen +++
[03:39] In dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima I soll an diesem Wochenende die Stromversorgung an allen sechs Reaktoren wieder in Gang gesetzt werden. An den Reaktoren 1, 2, 5 und 6 solle die Stromversorgung am Samstag wieder hergestellt werden, am Sonntag sollten die Reaktoren 3 und 4 wieder ans Stromnetz angeschlossen werden, teilte die Behörde für Atomsicherheit mit. Wenn aber damit die Kühlsysteme nicht wieder in Gang gebracht werden, drohen trotzdem eine Kernschmelze und der Austritt lebensbedrohlicher Radioaktivität.
+++ AKW-Betreiber hebt Strahlungs-Obergrenze erneut an +++
[02:18] Die Arbeiter am havarierten Atomkraftwerk Fukushima I bekommen bei ihrem Einsatz immer mehr radioaktive Strahlung ab. Der AKW-Betreiber Tepco erhöhte die Obergrenze erneut auf nun 150 Millisievert pro Noteinsatz, wie der TV-Sender NHK berichtete. Vorher waren 100 Millisievert pro Schicht das Limit gewesen - die Arbeiter überschritten diesen Wert aber regelmäßig. Die neue Vorgabe 150 Millisievert gelte "für einige Arbeiter im Außeneinsatz, weil die aktuellen Probleme beispiellos sind und sofortige Maßnahmen erfordern", zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers Tepco.
150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verstärken höhere Dosen an radioaktiver Strahlung das Risiko von Krebserkrankungen. Als Folgen eines Strahlenunfalls nennt das BfS für einen Dosisbereich von 1 bis 6 Sievert (1000 bis 6000 Millisievert) unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome. Bei 5 bis 20 Sievert können etwa Schock und Blutungen auftreten - nur im unteren Bereich ist laut BfS noch ein Überleben möglich. Bei mehr als 20 Sievert tritt der Tod demnach innerhalb von zwei Tagen ein.
Dem Sender NHK zufolge kündigte Tepco an, keinen Arbeiter erneut in den Einsatz zu schicken, falls er zuvor mehr als 100 Millisievert ausgesetzt worden war. Die 50 Arbeiter, die bisher in dem AKW verblieben waren, hatten Verstärkung bekommen: Am Freitag waren dort etwa 120 Männer eingesetzt. Wie viele Arbeiter direkt an den Reaktoren welche Arbeiten verrichten, ist unbekannt. Derzeit läuft an den Blöcken 1 und 2 das Installieren einer Stromleitung.
+++ Tepco macht Tempo für Kühlung in Fukushima +++
[02:00] Die Arbeiten am stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins gehen mit Hochdruck weiter. Die Bemühungen, die Kühlung wiederherzustellen, seien am Samstag beschleunigt worden, berichtete der Betreiber Tepco nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Es werde erwartet, dass Reaktor 2 im Laufe des Tages an die Stromversorgung angeschlossen werden könne. Es brauche allerdings danach noch etwas Zeit, um die Geräte zur Kühlung des Reaktors wieder hochzufahren, da die Apparate zunächst getestet werden müssen, teilte Tepco mit. Am frühen Samstag hatten Feuerwehrleute und Militär damit begonnen, Wasser auf den Block 3 zu sprühen. 90 Tonnen seien bereits versprüht worden, berichtete Kyodo.
+++ Fernsehen zeigt weiterhin rauchenden Reaktor 3 +++
[01:23] Auch Stunden nach dem Wasserwerfereinsatz am Reaktor 3 des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima steigt dort noch immer Rauch auf. Der japanische Fernseh-Sender NHK zeigte Luftaufnahmen von Samstagmorgen (Ortszeit), auf denen weißer Qualm oder Wasserdampf zu sehen war. Die helle, viele Meter hohe Fahne waberte kontinuierlich nach oben. Am Samstagmorgen (0.45 Uhr Ortszeit) hatte das Militär erneut begonnen, mit Feuerwehrwagen Tonnen von Wasser auf den Block 3 zu sprühen. Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der strahlenden Ruine des Blocks 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Brennstabs-Becken bedrohlich niedrig ist.
+++ Radioaktive Strahlung aus Japan in den USA +++
[00:25] Im US-Bundesstaat Kalifornien ist erstmals Radioaktivität gemessen worden, die auf das Erdbeben in Japan zurückzuführen ist. Ein Messgerät in Sacramento habe "eine winzige Menge des radioaktiven Isotops Xenon 133" nachgewiesen, teilten Energieministerium und Umweltschutzbehörde der USA in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Stichproben entsprächen der aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima entwichenen Radioaktivität. Keine der Messungen der Umweltschutzbehörde auf US-Boden, auf Hawaii und der Pazifikinsel Guam habe aber "eine beunruhigende Radioaktivität" ergeben. Der Wind über dem japanischen Erdbebengebiet stand in den vergangenen Tagen insofern günstig, als er die aus dem Atomkraftwerk Fukushima entwichene Radioaktivität auf den Pazifik hinaus wehte (und damit in Richtung Kalifornien) und nicht ins Landesinnere.
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Quelle: dpa , dapd , AFP , t-online.de
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