Linkspartei kritisiert neuen Tapferkeitsorden scharf
06.07.2009, 16:36 Uhr
Bundeskanzlerin Merkel zeichnet einen Soldaten mit dem Ehrenkreuz aus (Foto: dpa)
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind deutsche Soldaten mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet worden. In einer Zeremonie erhielten vier Feldwebel im Alter zwischen 28 und 33 Jahren das Ehrenkreuz der Bundeswehr aus den Händen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Scharfe Kritik an der neuen Auszeichnung kam von der Linkspartei.
Die ausgezeichneten Soldaten waren am 20. Oktober vorigen Jahres nahe Kundus in Nordafghanistan Kameraden und Zivilisten nach einem Selbstmordanschlag unter Einsatz ihres Lebens zu Hilfe geeilt. Trotz unübersichtlicher Lage bargen sie Tote und Verletzte. Zwei Soldaten und fünf Kinder starben bei dem Anschlag.
"Verherrlichung des Soldatentums"
Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Paul Schäfer, sieht darin eine Rückkehr "längst überkommen geglaubter militaristischer Rituale zur Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums". Es fehle an breiter gesellschaftlicher Unterstützung für die Kampfeinsätze in Afghanistan. "Stattdessen wird nun das Kriegshandwerk in die Gesellschaft geholt", sagte Schäfer.
Orden in Deutschland umstritten
Während in anderen Ländern Tapferkeitsmedaillen eine lange Tradition haben, ist die deutsche Ehrung wegen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und das damals verliehene Eiserne Kreuz teilweise umstritten. Merkel betonte allerdings die Notwendigkeit einer solchen Ehrung. "Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung", sagte sie. Zugleich war die Zeremonie jedoch betont zivil gestaltet: Sie wurde im kleinen Rahmen im Bundeskanzleramt vor einer blauen Stellwand abgehalten, statt Militärmärschen wurde Klassik gespielt.
Kanzlerin fordert mehr Anerkennung
Merkel forderte mehr Anerkennung für die Einsätze der Bundeswehrsoldaten. Die Auslandseinsätze verlangten den Soldaten und ihren Familie vieles ab. "Wir reden darüber in Deutschland immer noch zu wenig. Deshalb wollen wir und müssen wir die Leistungen, Belastungen und Gefährdungen unserer Soldaten im Einsatz mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken."
"Besonders tapferes Verhalten"
Die Männer hätten nach einem Selbstmordattentat in Afghanistan im vergangenen Oktober alles getan, um das Leben anderer Soldaten sowie afghanischer Kinder zu retten, sagte Merkel. Verliehen wurde das Kreuz "für besonders tapferes Verhalten unter außergewöhnlicher Gefährdung für Leib und Leben". Zugleich betonte Merkel, die Auszeichnung werde stellvertretend für den Einsatz vieler anderer Bundeswehrsoldaten verliehen.
Bundeswehr als Einsatzarmee
Der Bundeswehrverband verteidigte die Ehrung als "längst überfällig", sagte Vorsitzender Ulrich Kirsch dem Sender N24. "Wenn jemand etwas ganz Besonderes leistet und dabei sein eigenes Leben in die Waagschale wirft, dann ist das doch wohl wert, honoriert zu werden." Die Auszeichnung beschreibe zudem in gewisser Hinsicht die neue Rolle der Bundeswehr als einer "Einsatzarmee". Und die habe in einem Einsatz wie in Afghanistan auch "mit Tod und Verwundung zu leben", sagte er dem Radiosender WDR 5.
Ehrenmal für Soldaten geplant
Auch SPD und CDU lobten die Auszeichnung. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte es richtig, dass diejenigen, die Mut bewiesen hätten, auch entsprechend anerkannt würden. Sein CDU-Kollege Ronald Pofalla erklärte, die Leistungen der Bundeswehr müssten stärker gewürdigt werden; dazu gehöre auch das geplante Ehrenmal für Soldaten. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, nannte die Auszeichnung "positiven Patriotismus", der kein Heldenkult sei.