
29.08.2011, 07:55 Uhr
Trotz andauernder Kämpfe verlegt der libysche Rebellenrat seinen Sitz von Bengasi in die Hauptstadt Tripolis.
In der libyschen Hauptstadt Tripolis toben auch Tage nach dem Einmarsch der Aufständischen schwere Gefechte. Reporter der Nachrichtenagentur AP berichteten von heftigen Explosionen im Viertel Abu Salim, mehrere Gebäude stünden in Flammen. Ungeachtet dessen verlegt der Übergangsrat seinen Sitz von Bengasi im Osten des Landes in die Hauptstadt.
Ali Tarhuni, der Finanzminister des Rates, kündigte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz an, dass der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, nach Tripolis kommen werde, sobald die Sicherheitslage das zulasse. Acht Ratsmitglieder seien bereits in der Hauptstadt eingetroffen, darunter die Verantwortlichen für Gesundheit, Kommunikation, Inneres, Justiz und Verteidigung. Am Freitag sollten sechs weitere Mitglieder folgen.
Die Rebellen hatten ihren Übergangsrat kurz nach dem Beginn der Revolte am 27. Februar in Bengasi gegründet. Tarhuni appellierte während der Pressekonferenz auch an die Anhänger des abgetauchten Machthabers Muammar al-Gaddafi, die Waffen niederzulegen. Sie müssten keine Rache fürchten und würden nach dem Gesetz behandelt.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft derweil beiden Seiten Gräueltaten vor. Insassen in dem berüchtigten Gefängnis Abu Salim in Tripolis hätten über Vergewaltigung und Folter zu Zeiten berichtet, als die Haftanstalt noch vom Gaddafi-Regime kontrolliert worden sei.
Trotz der wiederholten Versprechen der Aufständischen, die Menschenrechtsverletzungen des Gaddafi-Regimes nicht zu wiederholen, hätte eine Delegation vor Ort 125 Menschen in einer überfüllten Zelle angetroffen, in der die Gefangenen keinen Platz gehabt hätten, sich zu bewegen. Einige Inhaftierte berichteten, sie seien keine Söldner Gaddafis, sondern Wanderarbeiter.
Ein Reporter der britischen BBC berichtete, in ein Krankenhaus im Bezirk Mitiga seien die Leichen von 17 Rebellen eingeliefert worden. Diese waren offenbar von Gaddafi-Truppen gefoltert und erschossen worden. Ein weiterer Korrespondent der BBC sah im Zentrum der Hauptstadt zwei Leichen von Gaddafi-Kämpfern, deren Hände auf dem Rücken zusammengebunden waren.
Ein Vertreter der Aufständischen sagte, er wundere sich nicht über die Berichte über Gräueltaten der Gaddafi-Truppen. Von standrechtlichen Erschießungen durch die Rebellen wisse er nichts.
Libysche Rebellen durchsuchen das Tunnelsystem unter Gaddafis Residenz. zum Video
In New York stimmte unterdessen der UN-Sicherheitsrat der Freigabe von 1,5 Milliarden US-Dollar zu, die nach dem Willen Washingtons zu je einem Drittel an den Übergangsrat, in die internationale humanitäre Hilfe für Libyen und in einen Hilfsfonds fließen sollen, aus dem Treibstoff und andere dringend benötigte Güter finanziert werden sollen. Die Gelder waren zuvor in den USA eingefroren.
Die Freigabe wurde möglich, weil Südafrika in Verhandlungen mit den USA seinen Widerstand dagegen aufgegeben hatte. Damit war kein formelles Votum des Sicherheitsrates mehr nötig. Pretoria hatte sich zuvor widersetzt, weil es fürchtete, die Freigabe könne als automatische Anerkennung des Nationalen Übergangsrates der Rebellen durch die UNO gewertet werden. Weder Südafrika noch die Afrikanische Union haben den Rat jedoch bislang anerkannt.
US-Außenministerin Hillary Clinton nannte die kommenden Tage und Wochen für Libyen "kritisch". In einer Erklärung forderte sie die Rebellen auf, einen sicheren und demokratischen Staat zu bilden und warnte vor Racheakten. Die Zukunft des Landes werde nur dann friedlich sein, wenn die politischen Führer und die Bevölkerung sich untereinander im "Geiste des Friedens" begegneten.
In Washington wies das Pentagon Berichte zurück, wonach die NATO oder das US-Militär sich an der Suche nach Gaddafi beteilige. Die USA führten in Libyen eine Luftüberwachung durch, um Zivilisten vor Angriffen von Gaddafi-Truppen zu schützen, sagte ein Militärvertreter. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox hatte am Donnerstag erklärt, dass der NATO-Geheimdienst- und Ausspähungsmaterial bei der Suche nach Gaddafi eingesetzt werde.
Auf den Diktator ist inzwischen ein Kopfgeld von 1,7 Millionen Dollar ausgesetzt. Trotz intensiver Suche fehlt von Gaddafi aber nach wie vor jede Spur.
Quelle: dpa , dapd , AFP
Buwe4 schrieb:
am 26. August 2011 um 13:25:34
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@Blomeier 12:57
Der Westen kann sich gar nicht vorstellen, dass es Staaten gibt, wo nur der familiäre Zusammenhalt bestimmend ist. Hier gibt
es weder Schrebergartenvereine, noch Schützengilden oder Gesangsvereine. Ganz zu schweigen von Gewerkschaften oder Parteien. Woher auch bei dieser Wirtschafts- und Sozialstruktur. Nun versucht mal mit den Familien Achmeds, Machmuds und Hassans eine westliche Demokratie aufzubauen und über den Dorfältesten eine kommunale Verwaltung zu etablieren.
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Purtel schrieb:
am 26. August 2011 um 13:16:14
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@Hein 11:54
Den "normalen Alltag" in Libyen kannst du in den nächsten 10 Jahren vergessen. Den gab es unter den dortigen Bedingungen
nur mit einer Gaddafi-Diktatur. Jetzt geht es erst einmal richtig zur Sache (Jeder gegen Jeden).
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Blomeier schrieb:
am 26. August 2011 um 12:57:16
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Lybien wird sich noch nach gaddafi sehnen
Der Westen allen voran dieUSA haben ein Großes Talent,erst alles mit allen
Mitteln brutal zu
zerstören,und wenn dann das Ding aus dem Ruder läuft, dann kneift man die Arschbacken zusammen u. zieht sich zurück.Seit Kurzem
gehört Deutschland Dank seiner nicht lernfähigen u. Machtgeilen Kanzlerin
und eines genauso dümmlichen Außenministers mit zu diesem Erlauchten
Kreis der politisch dümmmsten Staaten der Welt.
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