
24.08.2011, 09:49 Uhr
Bengasi: Muslime beim Freitagsgebet unter westlichen Flaggen (Foto: Christian Kreutzer)
Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes besteht aus Sicht eines Nahost-Experten der Konrad-Adenauer-Stiftung keine große Gefahr durch Islamisten. Gaddafi sei es bis 2010 gelungen, die islamistischen Kräfte zu domestizieren, sagte Hardy Ostry im Deutschlandradio Kultur.
Beim Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates werde man es nicht vermeiden können, mit diesen Kräften zu reden. Das müsse aber auf der Grundlage klarer Wertvorstellungen und Kriterien erfolgen.
Auch die Einbindung der Stämme hält Ostry nicht für ausgeschlossen. "Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass es sicherlich im Interesse der Stämme ist, die ja alle auch von dem Reichtum und den Ressourcen des Landes profitieren wollen, in einem geordneten Übergang hier wirklich eine Einigung herbeizuführen", sagte er.
Nach Andreas Dittmann, Libyen-Kenner und Geograf von der Universität Gießen, steht der Nationale Übergangsrat vor Risiken und Chancen: "Der Übergangsrat selbst besteht nur zum Teil aus Rebellen. Dazu gehören noch Stammesführer und ehemalige Funktionäre, die übergelaufen sind. Das ist schon eine explosive Mischung." Allerdings sollte man dies nicht als "negative Entwicklungsvoraussetzung" sehen. "Denn durch diese Struktur ist gewährleistet, dass alle dabei sein können."
Aufgeben will der libysche Machthaber nicht. Im Gegenteil: In einer Audiobotschaft droht er den Rebellen mit erbittertem Kampf. zum Video
Dittmann brach auch eine Lanze für ehemalige Mitglieder des Gaddafi-Regimes im Übergangsrat. "Man darf nicht erwarten, dass sich der Übergangsrat aus Oppositionspolitikern zusammensetzt, weil es bisher keine Opposition in Libyen gegeben hat. Sie hatten keine Chance. Entweder man machte mit oder man war im Exil. Deshalb kann sich der Übergangsrat unter anderem auch nur aus ehemaligen Funktionsträgern des Gaddafi-Regimes zusammensetzen", sagte er.
Libyen braucht aus Sicht des Experten kein Geld für den Wiederaufbau, "sondern Know-how beim Aufbau eines nachhaltigen demokratischen Systems". "Demokratie hat es in Libyen noch nie gegeben. Nicht während Gaddafi, nicht in der Monarchie davor und schon gar nicht in der davor liegenden italienischen Kolonialzeit."
Die neuen Herrscher in Libyen müssen aus Sicht von Dittmann einen Fünf-Punkte-Plan umsetzen. Nach der Durchsetzung von Recht und Ordnung müssten sie eine Demokratie mit Wahlen aufbauen. "Langfristiges Ziel ist die Notwendigkeit, die libysche Wirtschaftsstruktur zu diversifizieren. Bisher basiert die libysche Wirtschaft fast ausschließlich auf dem Export von Öl", sagte Dittmann.
Notwendig sei weiterhin eine Entwicklungsstrategie für die Zeit nach dem Öl. "Die Voraussetzungen dafür sind super: viel Geld bei wenig Bevölkerung", sagte Dittmann. Die neuen Machthaber müssten auch eine langfristige Lösung für die Versorgung mit Wasser finden
Quelle: dpa
Florian schrieb:
am 24. August 2011 um 11:17:42
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Libyen: keine Gefahr?
....die Botschaft höre ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube....
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Jochen schrieb:
am 24. August 2011 um 11:12:12
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Demokratie
Bei dem Nahost-Experten,ich wusste garnicht das Libyen im Nahen-Ost liegt,ich war immer der Meinung in Nordafrika,ist hier der
Wunsch der Vater des Gedanken.Ob Afghanistan,Irak,Iran,usw. überall sind die Länder von verschiedenen Stämmen durchzogen und jeder Stamm strebt an die Macht um eigen Interssen zu vertreten.
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Beobachter schrieb:
am 24. August 2011 um 11:00:15
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Libyen
Es ist ja toll, was sogenannte Experten zum Thema Libyen so von sich geben. Wer wäre sonst von allein auf die Expertenmeinung
gekommen, dass der Umbuch sowohl ein Chance bietet, aber auch ein Risiko birgt?
Weiterhin bitte solche kluge Meinungen publizieren! ! !
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