
08.03.2011, 15:13 Uhr
Ein libyscher Soldat gibt Anweisungen. Wurden einige seiner Kameraden hingerichtet? (Foto: dpa)
Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira ist in Besitz von Filmaufnahmen gekommen, die angeblich exekutierte Offiziere der libyschen Armee zeigen. Nach Aussage der Rebellen sind die Männer erschossen worden, weil sie sich geweigert hatten, auf die Aufständischen zu schießen.
Ein Überlebender der Hinrichtung westlich von Tripolis berichtete weiter, die Offiziere seien zusammengetrieben worden, dann hätten Soldaten die Füße zusammengebunden. Anschließend habe man ihnen von hinten in den Kopf geschossen.
Unterdessen haben die Aufständischen Verhandlungen mit Machthaber Muammar al-Gaddafi abgelehnt. Von Gaddafis Seite seien Unterhändler an den neu gegründeten Nationalrat herangetreten, doch dieser habe Gespräche abgelehnt, sagte ein Sprecher der Aufständischen, Mustafa Gheriani. "Wir werden nicht mit ihm verhandeln. Er weiß, wo sich der Flughafen von Tripolis befindet. Alles, was er tun muss, ist verschwinden und das Blutbad beenden."
Der frühere Justizminister und Präsident des Nationalrats, Mustafa Abdel Dschalil, erneuerte jedoch sein Angebot, Gaddafi Straffreiheit zu gewähren, wenn er freiwillig das Land verlässt. Der vergangene Woche gegründete Nationalrat versteht sich als alleiniger Vertreter Libyens.
Währenddessen stecken die Aufständischen in ihrer bisher wohl schwierigsten Phase. Der Vormarsch auf Tripolis scheint erst einmal gestoppt zu sein und Gaddafis Truppen gewinnen sogar Land zurück. Kampfflugzeuge haben erneut zwei Stellungen der Rebellen in der Nähe des Ölhafens Ras Lanuf angegriffen.
Ein Augenzeuge berichtete von einer anderen Front, die Stadt Sawija sei von Anhängern von Machthaber Muammar al Gaddafi eingenommen worden. Sawija ist die bislang von Rebellen gehaltene Stadt, die der Hauptstadt Tripolis am nächsten ist. Der Augenzeuge berichtete telefonisch, Panzer und andere Kampffahrzeuge der Gaddafi-Anhänger führen durch die Stadt und feuerten willkürlich auf die Häuser. Gefechte wurden auch aus Misurata gemeldet.
Der Bürgerkrieg erreicht eine neue Dimensionen: Die Aufständischen kämpfen verzweifelt gegen Gaddafis Truppen. zum Video
Die Stadt Sintan 120 Kilometer südwestlich von Tripolis befindet sich zwar weiter in der Hand der Aufständischen, wurde aber von Regierungstruppen belagert, wie ein französischer Dokumentarfilmer sagte. "Die Einwohner erwarteten einen Angriff der Gaddafi-treuen Einheiten heute Nacht, aber er kam nicht." Es gebe im Krankenhaus einige Verletzte. Zudem habe er die Leichen von vier gefesselten Männern gesehen, die nach Angaben der Bewohner von Soldaten Gaddafis mit Kopfschüssen getötet worden waren.
Außerdem haben die Rebellen immer wieder Schwierigkeiten mit dem Nachschub. Den Aufständischen im Osten Libyens droht jetzt das Benzin auszugehen. In dem "befreiten" Landesteil gebe es nur noch Fahrzeug-Treibstoff für eine Woche, berichtet die in Dubai erscheinende Zeitung "Gulf News". Das habe ein Beamter der Übergangsregierung in Bengasi berichtet.
Was passsiert in Libyen? AWACS sollen den Überblick verbessern. Die UN denken derweil über die Einrichtung einer Flugverbotszone nach. zum Video
"Es gibt einen Plan, dieses Problem zu lösen, aber es ist noch zu früh, darüber zu reden", sagte der Beamte der Zeitung. Der Osten Libyens ist zwar reich an Erdöl und verfügt auch über eigene Raffinerien, doch diese hätten die Produktion wegen der Kämpfe weitgehend eingestellt. Einen Ausweg sehen Experten darin, Öl aus der Region nach Italien zu verschiffen und dort zu Treibstoff zu verarbeiten.
Während die Aufständischen in ihrem Kampf gegen Gaddafis Truppen unter Druck geraten, hält die NATO sich für ein mögliches Eingreifen in dem nordafrikanischen Land bereit. AWACS-Aufklärungsflugzeuge sollen die militärischen Aktionen des Gaddafi-Regimes nun rund um die Uhr überwachen.
Bislang hatte die NATO ihre AWACS-Flugzeuge im Mittelmeerraum täglich nur zehn Stunden eingesetzt. Wie der amerikanische NATO-Botschafter Ivo Daalder mitteilte, habe das Bündnis beschlossen, diesen Zeitraum nun auf 24 Stunden auszuweiten. Ziel sei, "ein besseres Bild davon zu bekommen, was wirklich in diesem Teil der Welt vor sich geht."
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte in der ARD, dass die NATO derzeit nicht die Absicht habe, in Libyen zu intervenieren. Er habe aber die Militärs gebeten, Planungen "für alle Eventualitäten" vorzunehmen. Eine Flugverbotszone sei eine sehr umfassende Maßnahme, die den Einsatz vieler militärischer Mittel erfordere. Eine etwaige NATO-Operation müsse aber von einem UN-Mandat gedeckt sein.
Die 27 EU-Staaten arbeiten mit Hochdruck an zusätzlichen Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime. Konkret gehe es um weitere Unternehmen, deren Vermögen in Europa eingefroren werden könnten, sagten EU-Diplomaten in Brüssel. Eine Entscheidung über die Maßnahmen wird wahrscheinlich beim Libyen-Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs am Freitag fallen.
Die britische Regierung arbeite "gemeinsam mit Partnern für den Bedarfsfall an den Grundzügen für eine (UN-)Resolution zu einer Flugverbotszone", sagte der britische Außenminister William Hague laut BBC. Entscheidend sei dafür auch die Unterstützung arabischer und afrikanischer Staaten. Außerdem müsse es einen konkreten Anlass geben. Als Beispiel nannte Hague eine deutliche Verschlechterung der Lage für die libysche Zivilbevölkerung.
Der libysche Außenminister Kussa warf derweil Frankreich, Großbritannien und den USA vor, mit einer Verschwörung die Spaltung Libyens voranzutreiben. Die drei Staaten seien zu diesem Zweck mit den Rebellen in Ostlibyen in Kontakt, sagte Kussa vor Journalisten in Tripolis. "Der Kolonialismus ist wieder zurückgekehrt", sagte Kussa. Libyens territoriale Integrität sei jedoch unantastbar. "Wir werden dafür sterben."
Die US-Regierung will auch Waffenlieferungen an die Rebellen nicht ausschließen. "Das ist eine aus einer Reihe von Optionen, die erwogen wird", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Washington nutze mehrere Kanäle, um mehr über die Ziele der Gaddafi-Gegner zu erfahren. "Ich denke, es wäre verfrüht, einen Haufen Waffen an ein Postfach im Osten Libyens zu schicken", sagte Carney weiter. Man müsse die denkbaren Optionen genau abwägen.
Der Nationalrat aus Vertretern der "befreiten" Städte im Osten Libyens hatte die Internationale Gemeinschaft mehrfach gebeten, eine Flugverbotszone zu schaffen, um nicht weiter von der Luftwaffe Gaddafis angegriffen zu werden. Eine militärische Intervention lehnt er aber strikt ab.
Außenamtssprecher Philip Crowley sagte, die Versorgung der Aufständischen mit Waffen wäre für die USA wegen des von der UNO in der vergangenen Woche gegen Libyen verhängten Waffenembargos illegal. US-Präsident Barack Obama untersucht nach eigenen Angaben das "gesamte Spektrum" militärischer Möglichkeiten.
Die Außenminister der Arabischen Liga kommen am Freitag zu einem Krisentreffen zusammen, um über die Lage in Libyen zu beraten. Das Treffen werde am Sitz der Arabischen Liga in Kairo stattfinden, wie ein Sprecher des Generalsekretärs der Liga, Amr Mussa, mitteilte. Angesichts des gewaltsamen Vorgehens gegen die Aufständischen in Libyen durch Gaddafis Truppen hatte die Arabische Liga das Land bis auf weiteres von Treffen der Organisation ausgeschlossen.
Gaddafi verliert zunehmend seinen Rückhalt - auch in einem Land, dessen Führung selbst für ein rücksichtsloses Vorgehen gegen ihre Gegner bekannt ist. Die Universität in Sudans Hauptstadt Khartum erkannte Gaddafi nun den Ehrendoktor ab, den sie ihm 1996 verliehen hatte. Die Entscheidung sei wegen des Vorgehens der libyschen Führung "gegen Zivilisten" gefallen, teilte die Hochschule mit.
Quelle: dpa , t-online.de , AFP , dapd
h2t schrieb:
am 8. März 2011 um 21:48:41
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Libyen: Lässt Gaddafi seine eigenen Soldaten hinrichten
Das erinnert mich sehr an den Film der Untergang,
am Ende sind alle Tot.
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ich schrieb:
am 8. März 2011 um 18:00:26
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Gaddafi
Das libysche volk weiß selber, was zu tun ist. Übeigens: für Verrat gibt nur eine Strafe.
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Dlawso schrieb:
am 8. März 2011 um 16:13:56
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Libyen
Übrigens hat Lybien keine Ölreserven, weil es dieses Land gar nicht gibt! Libyen heißt es, lieber Hans!
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