
04.03.2011, 10:51 Uhr
Libysche Regierungsgegner haben einen Angriff der Truppen von Staatschef Muammar al-Gaddafi auf die Hafenstadt Brega zurückgeschlagen. Während der ersten größeren Offensive des Regimes im von der Protestbewegung kontrollierten Osten des Landes wurde eine wichtige Ölanlage am Morgen kurzfristig von den Regierungstruppen eingenommen. Laut Augenzeugen beschoss ein Kampfflugzeug einen Strand, auf dem sich die Aufständischen zum Gegenangriff formierten. Bei den heftigen Gefechten wurden mindestens sechs Menschen getötet, 18 wurden verletzt.
Zwei Kampfflugzeuge bombardierten nach Angaben von Augenzeugen außerdem ein Munitionsdepot nahe der Stadt Adschdabija. Zudem verdichteten sich Meldungen, dass Gaddafi Truppen aus dem südlichen Sebha an die umkämpfte Küste verlegen wollte. Bisher hatte sich das Regime auf die Kontrolle des Westens einschließlich der Hauptstadt Tripolis konzentriert.
Bei einer Ansprache in Tripolis erklärte Gaddafi indessen, die Ölfelder seien "sicher" und "unter Kontrolle". Zudem warnte er davor, dass Tausende Libyer sterben würden, sollten sich die USA oder die NATO in den Konflikt einmischen. "Wir werden ein Eingreifen wie jenes der Italiener, das Jahrzehnte dauerte, nicht akzeptieren", sagte Gaddafi mit Verweis auf die Kolonialherrschaft Italiens im frühen 20. Jahrhundert. "Das wird zu einem blutigen Krieg führen, und Tausende Libyer werden sterben, sollten die USA oder die NATO Libyen betreten."
Die USA hatten zuvor Marine und Luftwaffe näher an die libysche Küste bewegt und Gaddafi zur sofortigen Aufgabe aufgefordert. Einige NATO-Staaten bereiteten nach Diplomatenangaben Krisenpläne für eine Flugverbotszone über Libyen vor. Eine solche kann allerdings nur durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats eingesetzt werden. Die Veto-Macht Russland lehnt den Vorschlag bisher ab.
Während sich Gaddafi in Tripolis feiern lässt, sterben in anderen Städten Menschen bei Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungstruppen. zum Video
Die Europäer warnte Gaddafi, es werde ohne Libyen keine Stabilität am Mittelmeer geben: "Afrikaner werden nach Europa marschieren, ohne dass sie jemand aufhält." Das Regime in Libyen hatte zuvor bei der Grenzsicherung eng mit Italien und anderen europäischen Ländern zusammengearbeitet. Die Zahl der Flüchtlinge angesichts der Unruhen in Libyen ist nach UN-Angaben auf über 180.000 gestiegen. Allein 77.320 Menschen hätten die Grenze von Libyen nach Ägypten überschritten, erklärte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks, Melissa Fleming. Etwa dieselbe Zahl Menschen sei nach Tunesien geflüchtet, 30.000 weitere warteten an der Grenze.
Am frühen Mittwochmorgen hatten Gaddafi-Truppen in rund 50 Geländewagen die von Rebellen kontrollierte Stadt Brega im Osten des Landes beinahe ohne Gegenwehr einnehmen können. Im Laufe des Vormittags formierten sich die Regierungsgegner neu, Verstärkung kam von Milizen aus Adschdabija, die mit automatischen Waffen ausgerüstet waren. Bei den Kämpfen konnten sie das dortige Ölfeld und die Landebahn wieder zurückerobern. Schließlich verlagerten sich die Gefechte auf den nahe gelegenen Campus einer Universität, die eingekesselten Regierungstruppen wurden durch ein Kampfflugzeug unterstützt, mussten aber schließlich die Flucht ergreifen.
Viele Quellen liegen in dem von Rebellen kontrollierten Osten des Landes. Staatchef Muammar al-Gaddafi will diese voraussichtlich zurückerobern. zum Video
Auch in Adschdabija machten sich die Rebellen auf einen Angriff gefasst. Entlang der Straße nach Brega positionierten sie sich mit Kalaschnikows, auch Luftabwehrraketen wurden in Stellung gebracht. Brega und Adschdabija sind die westlichsten Punkte im von den Aufständischen kontrollierten Gebiet in Libyen, das bis zur ägyptischen Grenze reicht. In Brega, Libyens zweitgrößter Kohlenwasserstoff-Anlage, sind die Gaslieferungen inzwischen komplett zum Erliegen gekommen. Auch die Produktion musste dramatisch gedrosselt werden, da die Speichertanks zu voll sind.
Gaddafi hat derzeit vor allem noch den Nordwesten des Landes unter seiner Kontrolle, doch auch hier werden die Aufständischen immer stärker. Gaddafi-Truppen hatten zuletzt zwei Städte zurückerobert: die strategisch wichtige Stadt Gharjan und Sabratha. Angriffe auf die von der Protestbewegung gehaltene Stadt Sawija seien am Dienstag erneut abgewehrt worden, berichteten Einwohner aus der 50 Kilometer westlich von Tripolis gelegenen Stadt. Auch Versuche von Gaddafis Truppen, die Kontrolle über einen umkämpften Luftwaffenstützpunkt bei Misrata auszuweiten, seien gescheitert, hieß es von dort.
Libyen: Marineinfanteristen soll bei Evakuierungen helfen und humanitäre Hilfe leisten. zum Video
Quelle: dapd
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special
Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr