19.02.2012, 08:49 Uhr
Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Letten gegen die Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache entschieden. (Quelle: dpa)
Riga (dpa) - 20 Jahre nach der Loslösung von Moskau hat Lettland in einem Referendum "Ne" gesagt zur Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache neben Lettisch. Damit bleibt die Ex-Sowjetrepublik von der Größe Bayerns ein sprachlich gespaltenes Land.
Trotz der weiter angespannten Atmosphäre wollen aber die starke russische Minderheit und die Mitte-Rechts-Regierung in der Hauptstadt Riga aufeinander zugehen, betonten Vertreter beider Lager am Sonntag. Die Ostseerepublik mit ihren 2,3 Millionen Einwohnern benötige einen "respektvollen Dialog", unterstrich Präsident Andris Berzins. Gegen die Einführung von Russisch hatten fast 75 Prozent der Wähler gestimmt.
Bei einem erfolgreichen Ausgang des Referendums hätte Russisch zur 24. Amtssprache der Europäischen Union werden können. Das russische Außenministerium rief die russische Minderheit im Nachbarland auf, weiter um ihre Rechte zu kämpfen. "Die Ergebnisse des Referendums sind ein ernstes Signal für die lettischen Behörden, das Problem zu lösen", hieß es in einer Mitteilung in Moskau. Viele Letten fürchten, Russland wolle mit Hilfe der starken Minderheit massiv Einfluss auf die Politik des EU- und Nato-Mitglieds ausüben. Rund ein Drittel der 2,3 Millionen Einwohner Lettlands sind russischer Herkunft.
Die Organisatoren des Referendums erkannten die Niederlage an. Ziel sei gewesen, einen Dialog zu starten - und dies sei gelungen, sagte Wladimir Linderman. "Das Referendum ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang." Die Minderheit werde ihren "Kampf" fortsetzen. Dass in der zweitgrößten lettischen Stadt Daugavpils etwa 85 Prozent für Russisch gestimmt hätten, verdeutliche die tiefe Spaltung des Landes.
Nach Angaben der Wahlkommission hatten etwa 74,8 Prozent der 1,5 Millionen Stimmberechtigten gegen ("pred") die Initiative der Bürgerbewegung Muttersprache votiert. Rund 24,88 stimmten dafür ("par"). Für die Verfassungsänderung wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte der Berechtigten nötig gewesen. Etwa 70,73 Prozent gaben ihre Stimme ab, das ist eine der höchsten Beteiligungen in dem baltischen Land seit der Unabhängigkeit von Moskau 1991.
Zeitgleich zum Referendum musste die lettische Sprache aber auf anderem Gebiet eine "Niederlage" einstecken. Bei der nationalen Endausscheidung für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan im Mai setzte sich in Riga eine Sängerin mit einem russischen Namen und einem englischen Lied durch: Linda Amantova mit "Beautiful song".
Quelle: dpa
Faustus schrieb:
am 19. Februar 2012 um 10:35:03
(26)
(1)
Der Konföikt ist vollkommen irre und sinnlos.
Beide Seiten sollten alles unterlassen, was zur weiteren Eskalation beitragen könnte. Dieses
Referendeum war von Anfang an aussichtslos und wenig hilfreich. Vielmer sollten die Russen vor dem europäischen Gerichtshof klagen und damit die lettische Regierung zwingen, die "EU-Konvention zum Schutz sprachlicher Minderheiten." Punkt für Punkt umzusetzen, wozu sie als Mitglied der EU verpflichtet wäre. Das würde vor allem bedeuten, das jeder Russe im Rathaus sein Anliegen in Russisch vortrage
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Lutz schrieb:
am 19. Februar 2012 um 10:22:56
(27)
(3)
310.000 Russen durften nicht teilnehmen.
Sie haben zwar einen lettischen Pass, der aber eine andere Deckelfarbe hat. Sie sind
"Nichtbürger" und jederzeit als Russen erkennbar. Genau wie in Deutschland nach 1936 die Juden, deren Pässe hinter dem Namen ein riesiges J eingestempelt bekamen. Ihr Verbrechen: Sie weigern sich, den Lettisch-Sprachtest und den Test über das Wissen über lettische Sitten und Gebräuche abzulegen, die schweinisch teuer sind. Natürlich durften sie auch nicht am Referendum über ihre Sprache teilnehmen
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Degen schrieb:
am 19. Februar 2012 um 10:06:05
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Haben wir bald ein baltisches Kosovo?
Die Gefahr einer ethnischen Säuberung wie im Kosovo ist nicht wahrscheinlich, aber denkbar. In Riga
gibt jetzt schon lettische und russische Stadtteile. Die Stadt Daugavpils könnte sich auch von Lettland lossagen. Dort leben 95 % Russen. Die russenfeindliche lettische Elite wird sich bewegen müssen, sonst ist Lettland in 5 Jahren nicht mehr auf der Landkarte. Die NATO und die EU werden es sich überlegen, ob sie sich wie im Kosovo einmischt. Lettland ist NATO und EU-Mitgleid. Auch unser Problem.
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