Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten >

Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Virus kommt selten allein

...

Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Virus kommt selten allein

18.06.2011, 12:25 Uhr | Ein Kommentar von Lothar Wieler

Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Null-Risiko für die Ansteckung mit Infektionserregern gibt es nicht (Foto: dapd) (Quelle: dapd)

Ein Null-Risiko für die Ansteckung mit Infektionserregern gibt es nicht (Foto: dapd) (Quelle: dapd)

Seit vier Wochen hält uns die EHEC-Epidemie in Europa in Atem. Ein bislang wenig bekannter EHEC-Stamm, HUSEC041, hat mehr als 3000 Menschen infiziert, ein überproportionaler Anteil an Patienten erkrankte am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), einer lebensbedrohlichen Komplikation. Dank aufopferungsvoll arbeitender Ärzte werden die Patienten intensivmedizinisch betreut und somit viele Leben gerettet.

Wir können nicht für die Zukunft planen

Die aktuelle EHEC-Epidemie belegt einmal mehr die großen Herausforderungen im Kampf gegen Infektionskrankheiten: Infektionserreger wandeln sich, ihre Entwicklung ist kaum vorhersehbar. Die rasche Identifizierung des Erregers ist die Voraussetzung für eine rechtzeitige Intervention, und gutes Equipment sowie kompetente Fachleute sind dann die Basis einer erfolgreichen, flexiblen Bekämpfung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Meldefristen für Infektionen verkürzt werden müssen, was durch einen konsequenten Einsatz vorhandener internetbasierter digitaler Technologien möglich ist. Es sind weniger die organisatorischen Strukturen als die Kommunikationsstrukturen, die stetig optimiert werden müssen. Fachleute müssen ihr Wissen konsequent untereinander austauschen und diskutieren, um evidenzbasierte Maßnahmen zu treffen. Das ist eine Frage der Transparenz und Netzwerkstruktur – nicht der räumlichen Nähe und Verwaltungsstruktur.

Aber was zeigt uns diese verheerende Epidemie mit HUSEC041 darüber hinaus?

Da ist zum einen die Erkenntnis, dass es kein Null-Risiko für die Ansteckung mit Infektionserregern gibt. Das wussten wir zwar schon vorher – doch wir werden wieder einmal schmerzhaft daran erinnert und sollten es nie vergessen. Es ist bekannt, dass Keime in roh verzehrten Lebensmitteln besser überleben als in erhitzten. Es sind also das Wissen und die Bildung, die uns lehren, mit Krisen umzugehen und Risiken einzuschätzen. In einem Land wie Deutschland existiert genügend seriöses Wissen. Niemand kann und darf uns einen 100-prozentigen Schutz vor Infektionen versprechen – aber alle Beteiligten müssen hart daran arbeiten, dass die Wahrscheinlichkeit für zukünftige Ausbrüche minimiert wird.

Ein Erfolg der Wissenschaft

Zum anderen erleben wir in Echtzeit die Kompetenz exzellenter Wissenschaftler. Was für eine Leistung, innerhalb von nur zwei Tagen einen bisher extrem seltenen Erreger bis auf die Stufe des Sequenztyps (ST678) zu identifizieren und anschließend einen spezifischen Nachweistest zu entwickeln, der für alle Untersuchungslabors überhaupt erst die Voraussetzung schuf, gezielt nach HUSEC041 zu fahnden! Geradezu unglaublich ist die Tatsache, dass nach wenigen Tagen das vollständige Erbgut des EHEC-Ausbruchsstammes entschlüsselt war, wodurch neue Hinweise auf seine Biologie und Pathogenität geliefert wurden. Und wie weitsichtig war dabei die Arbeit der zentralen Entscheidungsträger, die vorhandene EHEC-Kompetenz in Form eines Konsiliarlabors in Münster zu etablieren und zu fördern.

Was lernen wir daraus? Deutschland muss Kompetenz konsequent und nachhaltig unterstützen. Erst in Krisenzeiten zeigt sich immer wieder eindrucksvoll, wie Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung ad hoc in die Praxis umgesetzt werden, was sicher eine besondere Form „wahrer Exzellenz“ darstellt. Natürlich müssen Behörden und Labore über genügend Ressourcen verfügen, aber ohne eine hinreichende Unterstützung und Förderung der Wissenschaft sind diese Instrumente „stumpfe Messer“. Deutschland muss vorrangig in Köpfe investieren – egal, in welcher Infrastruktur sie leben und arbeiten.

Der Veterinärmediziner Lothar Wieler ist Professor für Mikrobiologie und Tierseuchenlehre an der Freien Universität Berlin und geschäftsführender Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen. Er ist Koordinator des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten FBI-Zoo Projekts (Food-borne infections of humans) und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Seuchen und Pandemien“ im „Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit“ im Innenausschuss des Deutschen Bundestages.


Ein Kommentar von Lothar Wieler  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Virus kommt selten allein" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Virus kommt selten allein" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (15)

zum Forum

Thema: "Lehren aus der EHEC-Epidemie: Ein Virus kommt selten allein"

andersdenkend schrieb: am 19. Juni 2011 um 12:58:49
(0) (0) EHEC
mal sehen Was aus den Giftlabors weiter noch so entkommt. Glaube nicht dass die Natur daran schuld ist. Das Leben der Natur hatte für
alles eine Nische. Nur der Wahnsinnige Mensch nicht
mehr Kommentar melden

Rolf schrieb: am 19. Juni 2011 um 12:58:01
(0) (0) BIO Lebensmittel sind teuer und gefährlich !
In Raffgier der immer nur noch höhere Gewinne machenden Lebensmittelindustrie wurden
schließlich die weitaus überteuerten sogenannten BIO-Lebensmittel auf den Markt gebracht und damit dem dummen Volk beigebracht, dass das im Freiland mit Jauche (Gülle) gedünkte Gemüse, Getreide und Obst und somit nicht nur der Spargel, die Gurken, die Tomaten, die Erbbeeren und Sprosse mit den anscheinend damit auch enthaltenen gefährlichen Keimen und Bakterien besonders gesund und schmackhaft sein soll.
mehr Kommentar melden

Rolf schrieb: am 19. Juni 2011 um 12:41:45
(0) (0) Schuld ist unsere vollkommen unkontrollierte Lebensmittelindustrie
Est im Prinzip eigentlich ein regelrechtes Wunder, dass nicht nur bei uns
in Deutschland viel mehr Bürger an den uns in Raffgier von der nur hohe Gewinne machenden Narungsmittelindustrie untergeschobenen vergammenten und mit allen möglichen haltbarkeitsverlängernden Chemikalien untergeschobenen Nahrungsmittel, erkranken und sterben, sondern insgesamt noch mit einem blauen Auge relativ gut dabei wegkommen. Unsere "gewählten" Politiker vertreten dabei in keiner Weise die Bevölkerung.
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Unsere DFB-Jungs blamieren sich
Die DFB-Elf verliert den EM-Test gegen die Schweiz. (Quelle: dapd)

Fünf Gegentore gegen die Schweiz. mehr

Schumi holt bitterste Bestzeit seiner Karriere
Michael Schumacher auf dem Circuit des Monaco. (Quelle: dpa)

Formel-1-Star wird strafversetzt. mehr


Anzeigen

Anzeige
Themensuche
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Glücksspiel
Die aktuellen Lottozahlen
(Foto: dpa)

Lotto 6 aus 49, Spiel 77, Super6 und Eurojackpot. zu den Lottozahlen

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige