Familie der jungen Seglerin droht mit Auswanderung
26.08.2009, 10:22 Uhr
Die kleine Laura Dekker will unbedingt einen Segelrekord aufstellen (Foto: dpa)
Die Eltern einer 13-jährigen Holländerin, die allein die Welt umsegeln will, drohen mit der Übersiedlung nach Neuseeland. Die Familie will auswandern, sollte der niederländische Staat weiter versuchen, ihnen das Sorgerecht für ihre Tochter zu entziehen und damit deren geplante Weltumseglung zu unterbinden. Das gab der Anwalt der Familie bekannt.
Die 13-jährige Laura Dekker hat auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft, seit sie bei einer Weltumseglung ihrer Eltern auf einem Boot zur Welt kam. Ihre ersten Lebensjahre hat sie ebenfalls auf einem Segelboot verbracht.
Abmeldung wird nicht akzeptiert
Die Behörden konterten mit der Erklärung, die bereits beantragte polizeiliche Abmeldung der Familie aus ihrem Wohnort bei Utrecht werde vorerst nicht akzeptiert. "Da Zweifel an der Korrektheit der Abmeldung angebracht sind, stellen wir eine Untersuchung an", sagte eine Sprecherin der Gemeinde.
Polizei könnte Ausreise unterbinden
Zur Begründung verwies sie auf das am Montag eröffnete Verfahren vor dem zuständigen Familiengericht in Utrecht. "Dessen Urteil am kommenden Freitag muss in jedem Fall abgewartet werden." Wenn sich das Gericht gegen die Eltern stellt, könnte deren Ausreise mit der Tochter von der Polizei unterbunden werden.
Mädchen auf Rekordjagd
Das Kind will mit der gefährlichen Reise einen Rekord aufstellen und als jüngster Mensch allein die Welt umsegeln. Der Segeltörn soll am 1. September beginnen und rund zwei Jahre dauern. "Wenn dieses junge Mädchen zwei Jahre lang völlig allein reist, kann die Erfüllung der grundlegenden Bedürfnisse einer Heranwachsenden nicht garantiert werden", erklärte ein Sprecher der Jugendbehörde.
Verstoß gegen die Schulpflicht
Das niederländische Bildungsministerium lehnt das Projekt ab. Laura würde zu viel Unterricht versäumen und damit gegen die allgemeine Schulpflicht in den Niederlanden verstoßen, begründet die Behörde ihr Veto. Einen Antrag der Eltern, die Seglerin bis September 2011 vom Schulbesuch freizustellen, wies das Ministerium zurück.
"Meersalz im Blut"
Laura habe "Meersalz im Blut", machte der Anwalt der Familie, Peter De Lange, geltend. "Sie wurde auf einem Segelschiff in Neuseeland geboren. Und sie hat die ersten vier Jahre ihres Lebens auf hoher See verbracht." Damals befanden sich die Eltern auf einer Weltumseglung, in deren drittem Jahr Laura geboren wurde. Laura selbst schimpfte beim Prozess vor Reportern: "13 Jahre lang haben sie gut für mich gesorgt und nun sollen sie nicht mehr in der Lage sein, mich zu erziehen."
Psychologen: Geringe Gefahr von Depressionen
So wurde die "Meernixe" von frühester Kindheit an mit dem Segeln vertraut. Sachverständige bestätigen, dass die 13-Jährige ihre 8,30 Meter lange Jacht "Guppy" vom Typ Hurley 800 "absolut sicher beherrscht". Und Psychologen erklären, die Gefahr von Depressionen durch eine Vereinsamung sei vergleichsweise gering, da Laura immer wieder Häfen ansteuern wolle und dort mit vielen Menschen Kontakt haben würde. Zudem sei sie per Satellitenverbindung über das Internet ständig mit dem "Rest der Welt" verbunden. Mit Hilfe des Internets will die 13-Jährige lernen und Hausaufgaben per E-Mail erledigen.
Sorgerecht steht zur Disposition
Der Fall hat in den Niederlanden mittlerweile eine Debatte über die Befugnisse des Rechtsstaates gegenüber Eltern und Kindern ausgelöst. Jetzt muss sich ein Familiengericht in Utrecht damit beschäftigen. Am kommenden Freitag soll entschieden werden, ob Lauras Eltern das Sorgerecht teilweise oder sogar ganz verlieren. Dann könnte das Mädchen unter Umständen gar durch eine Heimeinweisung an ihrem hochriskanten Projekt gehindert werden.
Zwei Jahre allein auf See
Die kleine und zierliche Laura will den Rekord des 17-jährigen Kaliforniers Zac Sunderland brechen. Er hatte in 400 Tagen als bislang jüngster Mensch allein auf einem Segelboot die Welt umrundet. Die Weltreise der Holländerin würde laut Planung zwei Jahre dauern.