CSU-Absturz unter 50 Prozent immer wahrscheinlicher
19.09.2008, 17:52 Uhr
Unter dem Führungsduo Günther Beckstein und Erwin Huber hat die CSU bisher keine Erfolge gefeiert (Quelle: dpa)Gut eine Woche vor der bayerischen Landtagswahl am 28. September wird ein Absturz der CSU unter 50 Prozent Umfragen zufolge immer wahrscheinlicher. Zudem droht der Partei nach über vier Jahrzehnten Alleinregierung der Verlust der absoluten Mehrheit. Mit dem ZDF-"Politbarometer" sah am Freitag die zweite Umfrage binnen zwei Tagen die Partei nur noch bei 47 Prozent.
SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler, die demnach ebenfalls im Landtag vertreten wären, kämen zusammen auf 45 Prozent. Die Linke würde hingegen - wie nach einer ARD-Umfrage vom Vortag - mit 4 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.
Die SPD käme nach der neuen Erhebung auf 20 Prozent. Die Grünen könnten mit 8 Prozent rechnen. Zudem würden sowohl die FDP mit neun als auch die Freien Wähler mit acht Prozent in den Landtag einziehen. Die am Donnerstag veröffentlichte ARD-Umfrage hatte die CSU ebenfalls bei nur 47 Prozent gesehen. Dies wäre ein Minus von gut 13 Punkten im Vergleich zur Wahl 2003. Damals war die CSU noch unter Ministerpräsident Edmund Stoiber auf 60,7 Prozent gekommen, die SPD auf 19,6.
Die Ergebnisse der Landtagswahlen seit 1982 (Quelle: dpa)
Viele Wähler sind unentschlossen
Der Ausgang der Wahl ist der ZDF-Umfrage zufolge wegen einer extrem hohen Zahl an unentschlossenen Wählern aber völlig ungewiss: 49 Prozent wissen demnach noch nicht, ob und wen sie wählen sollen. Die CSU kündigte einen Schlussspurt zur Mobilisierung der Anhänger an. Entscheidend seien die letzten 72 Stunden vor der Wahl, sagte Generalsekretärin Christine Haderthauer. Die aktuellen Umfragen nannte sie lediglich Stimmungen. Niemand in der CSU arbeite an einem "Plan B" für den Fall, dass die Partei die absolute Mehrheit verliert.
Das TV-Duell zwischen CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein und SPD-Herausforderer Franz Maget brachte unterdessen keinen klaren Sieger hervor. Am Donnerstagabend hatten sich Beckstein und Maget beim ersten TV-Duell in der bayerischen Geschichte den mit Spannung erwarteten Schlagabtausch geliefert. Während Beckstein die Leistungen der Staatsregierung herausstellte, forderte Maget einen Neuanfang. Beide wurden von ihren jeweiligen Parteien zu klaren Siegern erklärt.
1105 Wahlberechtigte wurden befragt
Für das "Politbarometer" hatte die Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 16. und 18. September insgesamt 1105 Wahlberechtigte befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei bis zu drei Prozentpunkten.