Oskar Lafontaine hört als Linken-Chef auf (Foto: dpa)Der Chef der Linken, Oskar Lafontaine, wird den Parteivorsitz und sein Bundestagsmandat abgeben. Lafontaine bestätigte entsprechende Berichte nach einer Vorstandssitzung am Samstag in Berlin. Grund für seine Entscheidung seien ausschließlich "gesundheitliche Gründe", sie habe nichts mit den parteiinternen Diskussionen der vergangenen Wochen zu tun. Trotzdem droht die Partei nach dem wochenlangen Machtkampf nun auch in eine Führungskrise zu rutschen.
Der 66-Jährige wird auf dem Parteitag in Rostock Mitte Mai nicht erneut für das Amt des Parteichefs neben Lothar Bisky kandidieren - wochenlange Spekulationen über seine Zukunft in der Bundespolitik sind damit beendet. An der Vorstandssitzung hatte Lafontaine erstmals seit seiner Krebsoperation wieder teilgenommen. Wahrscheinlich wird sich der Saarländer jetzt auf seine Arbeit als Fraktionschef der Linken im Saarbrücker Landtag konzentrieren.
Der frühere SPD-Chef führt die Linke zusammen mit Lothar Bisky seit dem Zusammenschluss von der früheren ostdeutschen SED-Nachfolgepartei PDS mit der westdeutschen WASG im Jahr 2007. Zuletzt war es zu einem offenen Machtkampf in den Führungsebenen der Bundespartei vor allem mit dem scheidenden Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, gekommen.
Bartsch sagte der "Saarbrücker Zeitung": "Niemand ist unersetzlich, auch nicht in der Linken. Irgendwann, das ist bei jedem so, gibt es auch eine Zeit, in der Oskar Lafontaine nicht mehr in der ersten Reihe steht." Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, sieht das völlig anders. Er würdigte Lafontaine als "herausragende politische Persönlichkeit": "Es ist völlig klar, er ist nicht ersetzbar."
Zoff mit Bartsch
Seit Wochen wird die Partei von einem Machtkampf zwischen Realos und Fundis gelähmt. Bartsch, der als Gegner des oft knallharten Oppositionskurses von Lafontaine gilt, hatte vergangene Woche nach Illoyalitätsvorwürfen gegen ihn angekündigt, im Mai nicht erneut für dieses Amt zu kandidieren.
Ein Führungsproblem
Da neben Lafontaine auch sein Co-Vorsitzender Lothar Bisky sich wegen seiner Abgeordneten-Tätigkeit im Europaparlament kaum um die Parteiarbeit kümmern kann, haben die Linken de facto ein Führungsproblem. Sollte Lafontaine abtreten, werden als mögliche Nachfolger an der Parteispitze unter anderem der WASG-Mitbegründer Klaus Ernst und die aus Ost-Berlin stammende stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gesine Lötzsch gehandelt.