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Kurras spitzelte jahrelang für die Stasi
02.06.2009, 21:03 Uhr
Kurras 1967 vor dem Beginn des Prozesses in Berlin (Foto: dpa)
Neue Details im Fall Karl-Heinz Kurras: Der Polizist, der 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, versorgte laut Spiegel als IM "Otto Bohl" wohl über Jahre die Stasi mit genauen Informationen über Mitarbeiter, Personal- veränderungen und die Arbeitsweise verschiedener Dienststellen.
Zudem habe Kurras Personendaten von DDR-Flüchtlingen gesammelt, geplante Durchsuchungen bei Spionage-Verdächtigen verraten und die Stasi über Fluchthelfer, mögliche Fluchttunnel und unterirdische Schießanlagen der Alliierten informiert.
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Kurras wurde freigesprochen
Kurras hatte am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration aus nächster Nähe auf Ohnesorg gezielt. Der Student erlag später seinen schweren Verletzungen. Kurras wurde später in zwei Verfahren vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung mangels Beweisen freigesprochen. Der Polizeibeamte in Zivil sah sich von Demonstranten an der Deutschen Oper umringt und bedroht, hatte er damals vor Gericht ausgesagt. Die genauen Umstände der Schussabgabe aus etwa eineinhalb Metern Entfernung sind bis heute ungeklärt.
Anzeige wegen Mordes
Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Carl- Wolfgang Holzapfel, hat Strafanzeige gegen den 81-jährigen Kurras wegen Mordes erstattet.
Bei neuem Verfahren muss Tatvorsatz und Motiv nachgewiesen werden
Aus Berliner Justizkreisen verlautete, die Staatsanwaltschaft werde ab kommender Woche prüfen, ob gegen den ehemaligen Beamten nun wegen Mordes und geheimdienstlicher Agententätigkeit ermittelt wird. Offen sei, ob daraus ein Wiederaufnahme-Verfahren gegen Kurras folgt, sagte Richter Robert Bäumel vom Berliner Landgericht. Ein erneutes Verfahren gegen Kurras könnte laut Bäumel nur eingeleitet werden, wenn neue Beweismittel da sind. Zudem müsse geprüft werden, ob die Tat nicht verjährt sei. "Alle Straftatbestände außer Mord wären verjährt", sagte der Richter. Bei Mord müssten ein Tatvorsatz und ein Motiv nachgewiesen werden.
Tod Ohnesorgs trug zur Radikalisierung bei
Ohnesorgs Tod bildete eine Zäsur in der bis dahin meist friedlichen Protestbewegung in der Bundesrepublik. In der zeitgeschichtlichen Forschung gibt es wenig Zweifel, dass das Ereignis zur Radikalisierung der damaligen Außerparlamentarischen Opposition (APO) und zur Entstehung des Terrorismus in der Bundesrepublik beigetragen hat. Eine terroristische Vereinigung bezog sich sogar in ihrem Namen auf den Tod Ohnesorgs: Die "Bewegung 2. Juni", die den CDU-Politiker Peter Lorenz entführte.
Quelle: AFP
, dapd
, dpa
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