
08.11.2010, 14:59 Uhr | Von Ulrike Putz
Dieses Spaßbad im Gaza-Streifen war den Hamas ein Dorn im Auge (Foto: Spiegel Online)
Die Hamas regiert den mit harter Hand - und verdirbt den Menschen noch das kleinste bisschen Freude. Weil Frauen und Männer sich dort zu nahe gekommen sein sollen, ließen die Islamisten ein Spaßbad abfackeln. Damit legen sie sich erstmals mit der palästinensischen High Society an.
Der "Crazy Water Park" ein paar Kilometer südlich von Gaza-Stadt ist an diesem Morgen ein stiller Ort: Keine Kinder, die in den flachen Baby-Becken plantschen, keine Männer, die jauchzend von den Rutschen in den tiefen Pool plumpsen. Auch die Ehefrauen und Mütter fehlen, die sonst plaudernd und vollständig bekleidet unter den Sonnenschirmen saßen und den Wasserspielen ihrer Kinder und Männer zusahen.
Das einzige Spaßbad des Gaza-Streifens ist seit Ende September geschlossen. Dafür sind etwa 30 Hamas-Männer verantwortlich. Sie tauchten um drei Uhr morgens auf, fesselten die zehn Nachtwächter des erst im Frühjahr eröffneten Wasserparks und machten sich mit Bezinkanistern und Feuerzeugen ans Werk.
Das Café, das Gebäude für die Schwimmbadtechnik, vor allem aber der Kiosk, an dem die Wasserpfeifen für die Gäste präpariert wurden, gingen in Flammen auf: Schon zwei Mal war der "Crazy Water Park" verwarnt worden, weil auf seinem Gelände - Skandal! - einige modern gesinnte Frauen öffentlich Schischa rauchten. Als das zum dritten Mal das Missfallen der über den Gaza-Streifen herrschenden Hamas erregte, gab einer ihrer Funktionäre Anweisung, härter durchzugreifen. Die Flammen, die aus den Gebäuden schlugen, waren noch in Gaza-Stadt zu sehen.
Angebliche Anfass-Spielchen
"Eineinhalb Millionen Dollar in Rauch aufgegangen", sagt Alladin Mohammed al-Aradsch und lässt einen traurigen Blick über leere Pools, einen ausgebrannten Rasenmäher, verkohlte Stuhlgerippe wandern. Der Geschäftsmann hatte sie mit Freunden zusammen aufgebracht, um den Oberen Zehntausend im Gaza-Streifen das zu geben, wonach alle in dem Küstengebiet eingeschlossenen Palästinenser gieren: Ein bisschen Abwechslung, etwas Vergnügen.
Der Wasserpark etwa veranstaltete Partys, bei denen Ehepaare Quizfragen beantworten mussten. Hamas-Männer bekamen Wind davon und sponnen die Legende, bei den Gesellschaftsspielen hätten Frauen ihre Männer unter mehreren Kandidaten ertasten müssen - im prüden Gaza-Streifen unerhört. Zusammen mit den Wasserpfeifen für weibliche Kunden waren die angeblichen Anfass-Spielchen Grund genug, die Lokalität per Brandanschlag zu schließen.
Der "Crazy Water Park" war teuer, exklusiv und nur für die Elite bestimmt. Umso erstaunlicher, dass die Hamas ihn zu einem Ziel ihrer Sittsamkeitskampagne gemacht hat: Bislang hatten die Islamisten die harmlosen Eskapaden der Oberschicht stillschweigend geduldet. Die Schonzeit sei jetzt vorbei, sagt Aradsch. "Der Reitclub nebenan musste drei Tage schließen, weil dort Männer und Frauen zusammensaßen." Dem direkt am Strand gelegenen Fischrestaurant "Gaza Sky" sowie dem "Beach Hotel" seien drei Tage Zwangspause aufgebrummt worden: Auch dort hatten Frauen Wasserpfeife geraucht.
"Die Extremisten drängen in die Führungspositionen"
Aradsch ist verwundert, dass die Hamas ausgerechnet an seinem Freizeitclub ein Exempel ihrer neuen harten Linie statuierte. Immerhin diente er von 2006 bis 2007 selbst als Wirtschaftsminister in der Hamas-Regierung. Zwar ist er kein Parteimitglied, sondern war als Unabhängiger auf den Posten berufen worden, aber seine Verbindung zu den Herrschern über Gaza war immer eng. "Ich dachte, ich bin einer der wenigen Menschen in Gaza, mit dem alle gut können." Dass er oder zumindest sein Spaßbad nun in Ungnade gefallen ist, liege daran, dass die Hardliner sich innerhalb der Regierung zunehmend Macht verschafften, sagt er.
"Unglücklicherweise ist es wie bei jeder Revolution", sagt Aradsch. "Die Extremisten drängen in die Führungspositionen." Schon seit Monaten macht im Gaza-Streifen das Wort von den "Erdoganis" und den "Talibanis" die Runde: Die Hamas habe sich intern in zwei Lager aufgespalten, heißt es in den Wohnzimmern und Cafés, in denen sich politisch Interessierte austauschen. Die gemäßigte Fraktion folge den moderaten Ideen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, wolle ein demokratisches System mit nur leichten islamischen Anklägen. Die Hardliner hingegen nähmen sich die afghanischen Taliban zum Vorbild und träumten vom Gottesstaat. "Es gibt einen deutlichen Disput in den Reihen der Hamas", so Aradsch.
Todesdrohungen gegen Wachmänner
Einer derjenigen, dessen Name in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist Hamas-Innenminister Fatih Hamad. Der ehemalige Chef der von den Islamisten betriebenen Radio- und Fernsehsender Al-Aksa scheint zu wissen, wie man die öffentliche Meinung manipuliert. "Vorfälle wie der Brand im dem Spaßbad haben große Wirkung, sie halten die Leute in Angst und Schrecken und lassen jede Kritik an der Hamas verstummen", sagt ein palästinensischer Beobachter, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Dass die Hardliner nun auch die bislang unantastbare Oberschicht schikanierten, verleihe der einschüchternden Botschaft Nachdruck.
Dass Hamad bei der vorübergehenden Schließung von Hotels oder Restaurants die Hand im Spiel haben könnte, habe auch persönliche Gründe. "Er ist an zwei Freizeitparks beteiligt, die die Hamas eingerichtet hat", so zwei Informanten übereinstimmend. Hinter der Kampagne gegen privat betriebene Clubs und Etablissements könnten demnach auch geschäftliche Interessen stecken: In den Einrichtungen der Hamas geht es sehr sittenstreng und dementsprechend langweilig zu. Trotz des dürftigen Freizeitangebots im Gaza-Streifen fehlen ihnen die Gäste.
Aradsch will nicht klein beigeben und seinen "Crazy Water Park" wieder eröffnen. "Wir haben so viel Geld investiert, wir können das nicht einfach abschreiben", sagt er in der Gartenanlage seines Spaßbads, über der auch Wochen nach dem Feuer noch der Geruch von Rauch hängt. Doch auch Trotz ist im Spiel, wenn er sich mit der Wiederaufnahme des Betriebs gegen die Hamas stellt. "Die Regierung hat uns Recht und Ordnung versprochen, ein Brandanschlag entspricht nicht meiner Vorstellung von Rechtsstaatlichkeit", sagt der ehemalige Minister. Er hofft darauf, dass ihm die mediale Aufmerksamkeit, die ihm nach dem Feuer zu teil wurde, Schutz bietet. "Ganz Gaza weiß, was geschehen ist. Und auch im Ausland haben einige von der Brandstiftung gehört. Die trauen sich nicht noch mal", macht sich Aradsch Mut.
Seine Sicherheitsleute sind weniger optimistisch: Während des nächtlichen Überfalls vor einem Monat raunten die Hamas-Männer den Nachtwächtern zu, beim nächsten Besuch würden sie nicht nur zündeln. Beim nächsten Mal seien die Wachmänner fällig, bekomme jeder eine Kugel in den Kopf. Seitdem haben sechs der zehn Wärter ihren Job gekündigt. Er könne die Furcht seiner Angestellten verstehen, sagt Aradsch. "Habenichtse können sich nicht wehren in Gaza." Doch auch die Zeiten, in denen Geld und Ansehen Schutz geboten hätten, könnten bald vorbei sein. "Die harten Kerle haben das Ruder übernommen."
Quelle: Spiegel Online
Jan schrieb:
am 8. November 2010 um 15:36:18
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Betreff
Solche Zustände haben wir dank CDU, Grüne und Konsorten auch bald in Deutschland. Danke!
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Herm schrieb:
am 8. November 2010 um 15:34:07
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@Pit 37
Wegen solcher grottigen Kommentare habe ich bei der Redaktion den Antrag gestellt, die Kommentarfunktion abzuschaffen. Islamisten
haben nichts mit dem normalen Islam zu tun, Du Horst. Genausowenig wie Rechtsextremismus was mit Deutschland zu tun hat, merk Dir das. EuchTypen kann man an dem Unwort "Gutmensch" erkenn, dass ihr immer in den Mund nehmt. Ich hasse diese Fanatiker genauso, wie ich alle Fanatiker hasse.
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xicht schrieb:
am 8. November 2010 um 15:31:00
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Keine Mehrheit der Muslime
ist so gepolt, aber eine radikale und bewaffnete Minderheit. Ung die gibt's leider auch in Deutschland. Das darf auf gar keinen Fall toleriert werden!
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