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Deutsche Marine leistet Nothilfe gegen Piraten
19.11.2008, 07:47 Uhr
Die Fregatte "Karlsruhe" leistete zwei Frachtern Nothilfe bei bevorstehenden Piratenangriffen (Foto: dpa)Die deutsche Marine hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen zweimal Nothilfe bei Piratenangriffen vor der Küste Somalias geleistet. Die Fregatte "Karlsruhe" habe am Dienstag einen Hilferuf von dem britischen Tanker "Trafalgar" im Golf von Aden empfangen und daraufhin einen Hubschrauber losgeschickt, teilte die deutsche Marine mit. Der Supertanker "Sirius Star" und ein iranisches Handelsschiff sind noch immer in der Gewalt von Freibeutern.
Als der mit Waffen ausgestattete deutsche Helikopter die "Trafalgar" erreichte, hätten die Piraten mit ihren Schnellbooten von dem Tanker abgelassen, teilte die Marine mit. Der Frachter habe seine Fahrt von China nach Dschibuti unbeschadet fortgesetzt.
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Piraten mit Hubschrauber abgeschreckt
Bereits am Montag leistete die "Karlsruhe" bei einem ähnlichen Vorfall rund 50 Kilometer südlich der jemenitischen Küste Hilfe, wie die Marine mitteilte. Dort meldete das äthiopische Handelsschiff "Andinet" demnach per Funk einen Angriff von zwei Motorbooten. Auch hier habe der Bordhubschrauber der deutschen Fregatte die Angreifer abgeschreckt.
Gekaperter Supertanker auf dem Weg nach Somalia (Grafik: dpa)
Zwei Schiffe gekapert
Trotz einer verstärkten Marinepräsenz der NATO werden die Seeräuber vor der Küste Somalias immer dreister: Drei Tage nach der spektakulären Kaperung des millionenschweren saudischen Supertankers "Sirius Star" im Indischen Ozean brachten Piraten im Golf von Aden erneut ein Handelsschiff in ihre Gewalt. Dabei handelt es sich um den iranischen Frachter "Delight" unter Hongkonger Flagge mit 25 Besatzungsmitgliedern, teilte das Internationale Schifffahrtsbüro mit.
Auch Fischtrawler überfallen
Über das Schicksal der "Delight" gebe es keine konkreten Informationen, sagte US-Militärsprecherin Jane Campbell in Dubai. Nach Informationen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beförderte der Frachter 36.000 Tonnen Weizen. Nach Angaben des Senders BBC geriet zudem ein Fischtrawler aus dem Pazifikinselstaat Kiribati mit zwölf Mann an Bord in die Fänge der Piraten.
Deutsche Beteiligung noch nicht entschieden
Die "Karlsruhe" befindet sich nach Marineangaben derzeit auf der Fahrt aus dem Persischen Golf in Richtung Ägypten, wo sie neuen Proviant an Bord nehmen will. Sie hatte Deutschland am 24. August verlassen und soll sich künftig an einem Einsatz europäischer Kriegsschiffe vor Somalias Küste zum Schutz des Seeverkehrs beteiligen. Eine endgültige Entscheidung über die deutsche Beteiligung an der EU-Mission "Atalanta" wird das Bundeskabinett aber erst im Dezember treffen.
Im Schlupfwinkel angelegt
Unterdessen erreichten die Seeräuber mit der "Sirius Star" einen ihrer Schlupfwinkel. Das 330 Meter lange Schiff liegt vor der somalischen Hafenstadt Harardhere. Dort wollen die Piraten wohl die Verhandlungen um das Lösegeld für das Schiff und seine 25 Besatzungsmitglieder abwarten. Augenzeugen erklärten, das Schiff ankere nur wenige Kilometer vor der Küste. Zahlreiche Schaulustige seien gekommen, um den Tanker zu sehen. "Ich fische hier seit drei Jahrzehnten, aber ich habe noch nie ein so großes Schiff wie dieses gesehen", sagte der Fischer Abdinur Hadschi. Der Tanker hat nach Angaben aus Saudi-Arabien zwei Millionen Barrel Rohöl mit einem aktuellen Marktwert von rund 100 Millionen US-Dollar geladen und war auf dem Weg in die USA. Entgegen bisheriger Praxis schlugen die Piraten nicht vor der somalischen Küste zu, sondern weiter südlich vor der Küste Kenias.
USA wollen Schiff nicht umzingeln
Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Feisal sagte: "Die Piraterie ist wie der Terrorismus eine Plage, die uns alle bedroht und gegen die wir alle gemeinsam vorgehen müssen." Ein Sprecher der 5. US-Flotte sagte, er rechne nicht damit, dass amerikanische Kriegsschiffe den gekaperten Tanker umzingeln würden. Man sei jedoch sehr besorgt. Der Angriff zeige, dass die Piraten auch größere Schiffe weit auf See in ihre Gewalt bringen könnten und dass sie "immer gewagtere Angriffe" verüben. Auch die NATO erklärte, sie habe derzeit keine Pläne, den Tanker und seine Besatzung aus den Händen der Piraten zu befreien. Das Bündnis habe zwar ein Mandat zur Bekämpfung der Piraterie, es dürfe jedoch nicht an Bord von Schiffen gehen, die bereits entführt worden seien, sagte ein Sprecher.
Besatzung geht es gut
Die 25 Besatzungsmitglieder - zwei Briten, zwei Polen, ein Kroate, ein Saudi und 19 Philippiner - sind nach Angaben der saudischen Betreiber-Gesellschaft "Vela International Marine" unversehrt. "Wir bemühen uns um ihre sichere und baldige Rückkehr", hieß es in einer Mitteilung. Vela warte nun auf eine Kontaktaufnahme durch die Piraten. Aus Sicherheitsgründen und wegen des "heiklen Charakters" der Angelegenheit werde die Gesellschaft dazu keine weiteren öffentlichen Erklärungen abgeben.
Noch zwölf Schiffe in Hand der Piraten
Gegenwärtig haben die somalischen Seeräuber noch zwölf Schiffe mit rund 250 Besatzungsmitgliedern in ihrer Gewalt. Unter den Schiffen ist auch der ukrainische Frachter "MV Faina" mit seiner Ladung von 33 Kampfpanzern und leichten Waffen, die für Kenia bestimmt sind. Nach jüngsten Berichten versuchen die Piraten inzwischen, einen Teil der Ladung zu löschen.
Quelle: dpa
, AFP
, dapd