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Kritik am Streuen: "Salz gehört aufs Ei, nicht auf die Straße"

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Umweltschützer bemängeln Salzverschwendung

12.02.2010, 19:14 Uhr | Von Jürgen Oeder, AFP

Streusalz boomt derzeit in deutschen Baumärkten (Foto: dpa) Boomt derzeit in deutschen Baumärkten: Streusalz (Foto: dpa)"Salz gehört auf das Frühstücksei und nicht auf den Bürgersteig", schimpft Martin Ittershagen vom Umweltbundesamt mit Blick auf die weißen Salzschlieren, die sich derzeit wieder bundesweit über unzählige Gehwege ziehen. Kaum klettert das Quecksilber unter den Gefrierpunkt, streuen übereifrige Bürger trotz aller Bedenken und kommunaler Verbote nach dem Motto "Viel hilft viel" wieder tonnenweise Salz vor die Haustüren.

1,59 Millionen Tonnen Salz landen durchschnittlich jedes Jahr auf öffentlichen Verkehrswegen. Wie viel es dieses Jahr sein wird, vermag der Verband der Kali- und Salzindustrie noch nicht zu sagen. Geht es nach Umweltschutzverbänden, ist jedoch schon jedes Gramm eins zu viel.

Bäume und Grundwasser gefährdet

Auch Ittershagen empfiehlt "umweltfreundliche Alternativen" wie das Schneeschieben und zusätzlich salzfreie, abstumpfende Streumittel mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel". Solche salzfreien Streumittel wie Split, Kies, Granulat und Sand verminderten ebenso die Rutschgefahr und haben nicht die schädlichen Wirkungen von Salz. Die Folgen des Salzstreuens zeigen sich oft erst Monate später: Salzgeschädigte Straßenbäume können nicht mehr genügend Wasser aufnehmen. Im Boden verdrängt das Salz zudem wichtige Pflanzennährstoffe und beeinträchtigt Mirkoorganismen. Vor allem die Baumarten, die Alleen zieren, reagieren empfindlich auf Salz, etwa Ahorn, Linden, Kastanien. Ganz zu schweigen von der Belastung für das Grundwasser.

"Weniger und besser"

Dieter Krüger, Sprecher des Verbands der Kali- und Salzindustrie, weist diese Mahnungen zurück. "Die Umweltschäden sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, weil viel weniger und besser gestreut wird", sagt er. Stimmt zumindest teilweise: Nach den Milliardenschäden an Straßen, Brücken, Autos und der Natur durch exzessives Salzstreuen in den 1960ern und 1970ern Jahren setzte ein Umdenken ein. Kommunen und Straßenmeistereien streuen weniger. Zudem wird das Salz vor dem Streuen angefeuchtet, um sogenannte Wehverluste zu vermeiden. Damit lässt sich die nötige Salzmenge um immerhin 40 Prozent verringern.

Zu späte Bestellungen

Unterdessen freut sich die Salzindustrie über den schneereichen Winter. Allerdings hat sie auch dieses Jahr wieder mit einem aus ihrer Sicht ärgerlichen Problem zu kämpfen: Immer mehr Kommunen ordern ihren Salzbedarf nicht Monate im Voraus, sondern hoffen auf einen milden Winter oder wollen Lagerkosten sparen. "Just in time" heißt die Devise: "Bei etlichen Kommunen gehen die Vorräte nun zur Neige, und bei unseren Mitgliedern laufen die Telefone heiß", klagt Verbandssprecher Krüger.

Goldene Nase bleibt geheim

Das Zocken der Stadtkämmerer wie bei Warentermingeschäften lassen sich die Bergwerksbetreiber indes teuer bezahlen. Über die Aufschläge herrscht in der Branche allerdings eisernes Schweigen. Welche Dimensionen die Salzindustrie wegen der unvorhersehbaren Nachfrage bei Produktion und Lagerung zu bewältigen haben, verdeutlichen zwei Abweichungen von jenen 1,59 Millionen Tonnen Salz, die seit 1989 im Jahresdurchschnitt verkauft wurden: "1990 setzten wir wegen des mildesten Winters seit langem nur 400.000 Tonnen Salz um, 2005 waren es dagegen 3,5 Millionen Tonnen", berichtet Krüger.

Der weiße Winterdienst

Angesichts leerer Kassen gehen mittlerweile immer mehr Kommunen dazu über, nur noch an gefährlichen Straßenabschnitten Salz zu streuen. Ansonsten gilt der sogenannte weiße Winterdienst: Es wird kaum geräumt und nicht gestreut. Das schützt nicht nur die Umwelt, sondern senkt tatsächlich auch die Unfallhäufigkeit.

Andere Länder kommen ohne Salz aus

Studien belegen nämlich die Erfahrung des gesunden Menschenverstands: Autofahrer fahren auf abgetauten schwarzen Straßen oft deutlich zu schnell, auf geräumten, aber weißen Straßen meist angemessen vorsichtig. Sie übersehen, dass das Salz häufig eine dünne Schmierschicht auf der Straße sowie den Bremsbelägen des Autos ausbildet und Bremsewege sich deshalb verdoppeln können. Finnland, die Slowakei und Österreich haben deshalb die Konsequenz gezogen und kommen auf vielen Straßen bereits ohne Salz durch den Winter.


Von Jürgen Oeder, AFP  

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Kommentare (1)

zum Forum

Thema: "Kritik am Streuen: "Salz gehört aufs Ei, nicht auf die Straße""

Salzhasser schrieb: am 11. Dezember 2010 um 17:03:16
(0) (0) Streusalz auf Bürgersteigen
Die Bürger haben es noch nicht begriffen, dass Räumen + Split besser ist als Salz, oder sind sie nur zu faul
erst zu räumen, dann Split - wenn überhaupt - zu streuen? Salz wird in die Häuser getragen und frisst! Nicht nur die Natur leidet - kapiert? Nach dem Räumen hier im Rheinland taut oder friert der Rest in Kürze weg, da braucht man noch nicht einmal Split. Aber Baumärkte und Getränkehandel sind voll mit Salz ausgestattet. Wer verbietet das Salz unter Androhung von Strafen? Wer überprüft?
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