SPD setzt sich für mehr Betriebskindertagesstätten ein
20.03.2008, 11:17 Uhr
Kindertagesstätte in Karlsruhe, entstanden aus einer gemeinsamen Initiative der Firma Siemens und der Stadt Karlsruhe (Quelle: dpa)Die SPD will gezielt betriebliche Kindertagesstätten fördern. Eine generelle staatliche Unterstützung gewinnorientierter Kitas lehnt sie dagegen ab. "Ich befürchte, dass damit der Kommerzialisierung bei der Kinderbetreuung Tür und Tor geöffnet wird", sagte die SPD-Familienpolitikerin Kerstin Griese am Donnerstag in Berlin. Sie wies damit die Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zurück, kommerzielle Anbieter bei der Kinderbetreuung mit staatlichen Zuschüssen zu fördern. Deren Referentenentwurf für das neue Kinderförderungsgesetz findet aber auch von vielen Seiten Zustimmung.
Griese sprach sich für einen geringeren Eingriff in die Systematik der Kinder- und Jugendhilfe aus, um Betriebskindergärten zu fördern. "Die Qualität in der Kinderbetreuung ist das A und O. Bildung und Betreuung von Kindern ist keine Ware", sagte sie.
Niebel: Mehr Plätze, mehr Wettbewerb
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel begrüßte dagegen den Vorschlag, künftig auch gewerblich betriebene Kindertagesstätten staatlich zu fördern. Vor allem der Westen Deutschlands habe es mit einer nicht länger hinzunehmenden Knappheit an Krippen- und Kita-Plätzen zu tun. "Dem muss endlich entschieden gegengesteuert werden", sagte Niebel der "Passauer Neuen Presse". Eine Gleichstellung der Träger von Betreuungseinrichtungen schaffe mehr Plätze und sorge durch den Wettbewerb für mehr Qualität.
Deutsche Kinderhilfe: Mehr gewerbliche Kitas
Die Deutsche Kinderhilfe hat sich ebenfalls mit Nachdruck für ein kommerzielles Angebot bei der Kinderbetreuung ausgesprochen. "Es ist nur gut, wenn wir endlich auch in diesem Bereich Wettbewerb bekommen", sagte Vereinschef Georg Ehrmann am Donnerstag in Berlin. Gerade die Kinderbetreuung benötige eine bessere Qualität. "Wenn die Eltern eine Wahl haben, wird es hoffentlich auch zu einem Qualitätsschub kommen. Die Kinder werden davon profitieren", sagte Ehrmann. Die gemeinnützigen Träger müssten sich dann auch daran orientieren.
"Großverbände müssen sich bewegen"
Ehrmann verglich private Angebote bei der Kinderbetreuung mit privaten Gymnasien: "Wo es private Gymnasien gibt, steigert das auch die Qualität der öffentlichen." Die massive Kritik der gemeinnützigen Träger an den Plänen der Familienministerin für eine staatliche Förderung von privaten Kindertagesstätten ist für Ehrmann verständlich: "Da geht es natürlich um Pfründe." Wenn es vermehrt private Anbieter gebe, "müssen sich die Großverbände endlich mal bewegen"
Wirtschaftsjunioren: Keine "Kinderkrippen auf dem Silbertablett"
Auch die Wirtschaftsjunioren sprachen sich für die Pläne von der Leyens aus. "Wir als junge Unternehmer wollen, dass sich Beruf und Familie schnell besser miteinander vereinbaren lassen", erklärte die Bundesvorsitzende Anja Kapfer in Berlin. "Wir können und wollen deshalb nicht darauf warten, dass der Staat uns die Kinderkrippen auf dem Silbertablett serviert." Deshalb sei es richtig, gewerbliche Anbieter den gemeinnützigen Trägern gleichzustellen. Die Wirtschaftsjunioren Deutschland bilden nach eigenen Angaben mit rund 10.000 aktiven Mitgliedern aus allen Bereichen der Wirtschaft den größten deutschen Verband von Unternehmern und Führungskräften unter 40 Jahren.