19.09.2011, 14:29 Uhr
Jugendliche Gewaltexzesse haben die Öffentlichkeit in jüngster Zeit immer wieder erschüttert: Erst im April hatte ein 18-jähriger Gymnasiast einen Mann in einem Berliner U-Bahnhof verprügelt und schwer verletzt. Schützen könne man sich gegen solche Angriffe nicht, sagt der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Prof. Rudolf Egg. Im Interview erklärt der Kriminologe, wie es zu den Angriffen kommt und was die Täter ausmacht.
Herr Egg, wie erklären Sie sich die vielen Gewaltausbrüche von Jugendlichen in der jüngster Zeit?
Rudolf Egg: Gewalt, die von jungen Menschen ausgeht, gibt es schon immer. Dass sie jetzt zunehmend im Zusammenhang mit U-Bahnhöfen beobachtet wird, ist eine Art Modeerscheinung. Da können auch Nachahmungseffekte eine Rolle spielen. Aber dass man spät abends alkoholisiert irgendwelche anderen Personen anmacht, sie provoziert und dann auf sie einschlägt, ist so neu nicht.
Welche Rolle spielt der Alkohol-Einfluss?
Alkohol ist nicht die Ursache für solche Ausbrüche, aber es löst die Stimmung, man wird gereizter. Die Stimmung kann viel schneller umkippen, wenn jemand sagt: Du darfst hier nicht rauchen.
Was macht die Täter aus - gibt es Gemeinsamkeiten?
Es gibt viele junge Männer, deren Selbstwahrnehmung problematisch ist. Sie fühlen sich als Außenseiter und nicht ernst genommen. Sie steigern ihr Selbstwertgefühl, indem sie jemanden finden, der noch unter ihnen ist - bildlich und wörtlich. Sich zu prügeln und jemandem zu zeigen: "Ich bin besser als du", kann solchen Personen zumindest für den Moment helfen, sich besser zu fühlen. Dass es Opfer gibt, dass es um schwere Gewalt geht mit teils langfristigen Folgen, wird zunächst nicht wahrgenommen. Manche weisen aber auch ein gewisses Desinteresse und einen Empathie-Mangel auf.
Kann man die Gewalttäter einer Gesellschaftsschicht zuordnen?
Nein. Sie können einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Manche kommen aus sozial schwachen Milieus, andere aus gutem Hause. Die Fälle zeigen, dass es keine eine homogene Gruppe ist.
Warum werden vor allem Männer Opfer solcher Attacken?
Weit über 60 Prozent der Gewaltopfer sind Männer. Das liegt aber auch daran, dass vor allem Männer nachts auf U-Bahnhöfen unterwegs sind. Aus der Sicht der Täter sind die Opfer nicht vollkommen unbeteiligt. Der eine blickt ihn an, der andere ignoriert ihn. Beides kann der Schläger als Provokation empfinden, so dass die Opfer sich dagegen eigentlich nicht wehren können.
Quelle: dpa
sepp schrieb:
am 19. September 2011 um 18:23:17
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Schläger
Mich würde mal die Aufschlüsselung der Täter und Opfer in Nationalitäten interessieren, aber dieses Material wird man unter Verschluss halten.
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