Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Deutschland > Gesellschaft >

Kreditaffäre als Schmierenkomödie: Presseschau zu Christian Wulff

...

Presseschau: "Wer will Wulff noch ernst nehmen?"

03.01.2012, 11:44 Uhr

Das Medienecho für den Bundespräsidenten ist verheerend (Quelle: dapd)

Das Medienecho für den Bundespräsidenten ist verheerend (Quelle: dapd)

Die Kreditaffäre um Christian Wulff ist das beherrschenden Thema in den Kommentarspalten der Tageszeitungen. Dort ist von Schmierenkomödie die Rede, von Lippenbekenntnissen, Salamitaktik, Naivität, Dummheit und Dreistigkeit.

"Süddeutsche Zeitung"

"Jeder Lokaljournalist weiß, dass Abgeordnete oder Bürgermeister gerne anrufen oder anrufen lassen, um unliebsame Berichterstattung zu verhindern. Doch die Mischung aus Naivität und Dreistigkeit, mit der Wulff agiert hat, bestürzt. Er ist nicht der Landrat von Osnabrück und auch nicht mehr Ministerpräsident von Niedersachsen, sondern das Oberhaupt des Staates. Dieses Amt aber ist für Wulff offenbar zu groß. Die Sicherungen, die bei einem Präsidenten im Falle einer - politischen wie privaten - Krise funktionieren sollten, funktionieren bei ihm nicht."

"Stuttgarter Zeitung"

"Mit jedem neuen Detail, das über die Amigo-Affäre des Bundespräsidenten ans Tageslicht kommt, wird es schwerer, Christian Wulff zu verstehen und was diesen Mann eigentlich umtreibt. Wulffs Verteidigungsstrategie erweckte von Anfang an den Verdacht, er bedauere und räume nur gerade das ein, was ohnehin nicht mehr zu leugnen ist. Sein Krisenmanagement ist stümperhaft, ja geradezu katastrophal. Es offenbart zudem ein höchst problematisches Amtsverständnis."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Auch für Bundespräsident Wulff stellt die Pressefreiheit ein so 'hohes Gut' dar, dass er in den vergangenen drei Wochen dreimal davon sprach. Das erste Mal tat er es in Qatar; zum zweiten Mal, als er kurz vor Weihnachten eine Erklärung in eigener Sache abgab; zuletzt gestern, nachdem Berichte über eine ausführliche Nachricht erschienen waren, die Wulff auf der Mailbox des 'Bild'-Chefredakteurs Diekmann hinterlassen hat, kurz nachdem er am Golf über die Bedeutung der Pressefreiheit gesprochen hatte. Was über Wulffs Äußerungen in diesem Anruf kursiert, passt zu den öffentlichen Bekenntnissen freilich so wenig wie die Finanzierung eines Hauskaufs mittels eines rollierenden Geldmarktdarlehens zur schwäbischen Hausfrau. Es passte nur zu einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden ist."

"Frankfurter Rundschau"

"Es war dumm von ihm, seine Drohungen, mit denen er im letzten Augenblick die Veröffentlichung über seine ominösen Darlehensverträge verhindern wollte, auf die Mail-Box des Bild-Chefredakteurs zu sprechen. Das wäre ihm zu verzeihen. Aber die Drohungen selbst, sein Versuch, die Arbeit einer Zeitung durch Druck auf die Führung des Hauses zu unterbinden, ist unentschuldbar. Rechtlichkeit meint Redlichkeit. Von der aber versteht Wulff nichts."

"Der Tagesspiegel" (Berlin)

"Das Bundespräsidentenamt hat, kraft Amtes, bisher noch jeden Inhaber nobilitiert. Mag vorher hart über ihn gestritten worden sein, mag er vorher hart gestritten haben, nach der Wahl wurden Person und Amt geachtet. Das war so bei, beispielsweise, Karl Carstens, oder bei Johannes Rau, und das wird auch nicht dementiert durch den beispiellosen Rückzug von Horst Köhler. Nun jedoch, am Beginn dieser Woche, erscheint es so, als verlören sowohl das Amt als auch Wulff fortschreitend an Würde. Das Amt auch deshalb, weil sich die Frage stellt, wer es nach Wulff denn noch bekleiden wollte, und welcher Politiker, welcher Mensch nobel genug wäre, es zu übernehmen. Nobel heißt hier außerdem: welcher Mensch sich so untadelig verhalten hat, dass ihm nichts vorgehalten werden kann, weder politisch noch privat. Wenn Christian Wulff zurücktritt, kann die staatspolitische Krise darin liegen, dass auch das Amt von seiner Bedeutung zurücktritt. Und das Amt wird gebraucht."

"General-Anzeiger" (Bonn)

"Noch-Bundespräsident Christian Wulff wird wissen, was jetzt zu tun ist. Er mag noch zögern, er mag sich noch falschen familiären Ratschlägen beugen. Aber ein Staatsoberhaupt, das sagt, es gehe um 'Vertrauen in mich und meine Amtsführung', muss erkennen, dass er dieses Vertrauen jetzt verspielt hat. Durch die Umgebung, in die er sich begeben hat, durch Bussi und Boni. Rien ne va plus."

"Nürnberger Nachrichten"

"Christian Wulffs politisches Schicksal hängt ausschließlich von der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden ab. Geht Angela Merkel zu ihm auf Distanz, dann kann er sich nicht mehr länger als ein paar Tage halten. Er sollte sich auf ihre bisherigen Vertrauensbekundungen nicht allzu sehr verlassen. Die Kanzlerin verfügt über ein sehr feines Sensorium, wann ihr ein Parteifreund mehr schadet als nützt. Ist der Punkt erreicht, dann wird der Betreffende fallengelassen. Und sei es auch der Bundespräsident."

"Berliner Morgenpost"

"Wulffs eigentliches Problem: Gefangen zwischen einer unberechenbaren Vergangenheit und den aktuellen Eseleien, büßt er immer mehr an Handlungsfähigkeit ein. Ein Politiker, ein Bundespräsident zumal, der bei jedem Wort, jedem Lächeln, bei jeder Unterschrift den Eindruck zerstreuen muss, es handele sich um Gefälligkeit, der ist kein autonom handelndes Staatsoberhaupt, sondern ein Getriebener, der sich von jeder Recherche offenbar aus der Fassung bringen lässt. Deutschlands Mediendemokratie funktioniert in der Wulff-Krise überzeugend. Der Bundespräsident nicht."

"Mannheimer Morgen"

"Mit Lippenbekenntnissen lobt Wulff die Presse- und Informationsfreiheit als 'hohes Gut'. Es ist jedoch unerträglich zu wissen, dass er in eigener Sache versucht hat, Journalisten daran zu hindern, mögliche Missstände aufzudecken. Hier hat er die Nerven verloren. Diese Entwicklung ist ein weiterer Beleg dafür, dass viele Politiker weniger durch den Fehler, dessen sie überführt wurden, Schaden nehmen als vielmehr durch ihre Art der Krisenbewältigung. Wulff ist zum Rätsel geworden, auf seine nächste Erklärung darf man gespannt sein."

"Westdeutsche Allgemeine Zeitung"

"Es ist eine gute Tradition in Deutschland, das oberste Staatsamt und dessen Amtsinhaber mit Respekt zu behandeln. Im Fall Christian Wulffs muss man allerdings einen Unterschied machen zwischen Amt und Amtsinhaber. Inzwischen muss man sogar fragen, ob nicht der Amtsinhaber das ihm anvertraute Amt beschädigt. Dann wäre das Amt vor dessen Inhaber zu schützen."

"Financial Times Deutschland"

Ein Bundespräsident muss vielleicht nicht hinwerfen, weil er früher im niedersächsischen Landtag die Wahrheit gedehnt hat. Er muss es auch nicht, weil er mal bei befreundeten Unternehmern Urlaub macht oder weil er einen besonders günstigen Zinssatz für einen Immobilienkredit bekommt. Auch nicht, weil er auf berechtigte Kritik mit Salamitaktik reagiert und die Fehler eingesteht, die ohnehin schon bekannt sind. Und er muss nicht zurücktreten, nur weil er bei 'Bild'-Chef Kai Diekmann anruft. Nur: Wenn das alles zusammenkommt, wird es langsam zu viel. Wulff versteht es nicht, sein Amt angemessen auszufüllen, er ist ihm nicht gewachsen. Seine Glaubwürdigkeit ist durch die Fülle von Fehltritten belastet. Ein Mann, der das mit sich herumschleppt, kann nicht länger Bundespräsident bleiben."

"Weser-Kurier" (Bremen)

"Diese Schmierenkomödie mögen nun auch jene nicht mehr sehen, welche die 'Bild'-Zeitung hassen und Wulff zugestehen, wenigstens zu Integration und Religion ein paar kluge Sätze gesagt zu haben. Zu anderen Großthemen kam ja nicht mehr viel, doch das ist jetzt auch egal: Wer mag dem Mann noch zuhören, wer will ihn noch ernst nehmen? Irgendwann wird auch die Kanzlerin kühl kalkulieren, dass sein Verbleiben im Amt ihr und dem Land mehr schadet als ein zweiter Präsidentenrücktritt."

"Die Presse" (Wien)

"Die Rolle des deutschen Bundespräsidenten ist klar umrissen: Sie dürfen langweilig, müssen aber unter allen Umständen untadelig sein. Sonst taugen sie nicht zur moralischen Instanz, zum Hohepriester der Republik. Christian Wulff ist zwar langweilig, aber trotzdem keine gute Wahl. Im Vergleich zu seinem Gegenkandidaten, dem ehemaligen DDR-Dissidenten Joachim Gauck, fehlte dem streberhaften CDU-Parteisoldaten von Anfang an das Format. Dieser Eindruck bestätigt sich nun. Wulff ist nicht ins Amt gewachsen, sondern darin weiter geschrumpft."


Anzeige

Quelle: dpa , dapd

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Kreditaffäre als Schmierenkomödie: Presseschau zu Christian Wulff" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Kreditaffäre als Schmierenkomödie: Presseschau zu Christian Wulff" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (816)

zum Forum

Thema: "Kreditaffäre als Schmierenkomödie: Presseschau zu Christian Wulff"

Dejay schrieb: am 3. Januar 2012 um 16:20:28
(15) (1) @Nostradamus
Bitte die von Ihnen geschilderten, richtigen Sachverhalte vereinfacht darstellen, unser guter Humba versteht sonst nicht was
gemeint ist. Bin zwar kein Lateiner aber habe zum Ausgleich gesunden Menschenverstand ;) In diesem Sinne : Frohes neues Jahr !
mehr Kommentar melden

Dejay schrieb: am 3. Januar 2012 um 16:15:59
(7) (0) @Humba
"Wie ich sehe, hat die Recherche nach der korrekten Schreibweise dieses Tippfehlers 9 Minuten in Anspruch genommen. " - Och
Humba, es gibt auch Menschen - also nicht Sie - die gern andere Sachen im Internet erledigen. Muß Ihnen aber nicht peinlich sein Dank Ihrer Fehler zu den Bild-Lesern gerechnet zu werden. Ihre Hetzereien sind doch schon UNTER dem Niveau der Bildzeitung , da würde das Lesen selbigen Blattes nur unnötige Weiterbildung für Sie bedeuten. :) :) :)
mehr Kommentar melden

Piscator schrieb: am 3. Januar 2012 um 16:14:51
(16) (0) Wulff und Neenee
Hallo Neenee. Ihr langer Kommentar läßt sich reduzieren, nämlich: "Die Tragödie ist, dass sich die Dummen Ihrer Sache so sicher sind."

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

UMFRAGE

Die Wulff-Affäre weitet sich weiter aus. Wie soll der Bundespräsident reagieren?

Anzeige
Video
Politikerin posiert nackt auf Wahlplakat

Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Restposten-Verkauf
Frühlings Lieblinge: Frisch aus der neuen Kollektion bei neckermann.de

Lagerräumung mit bis zu 80% Rabatt.
von neckermann.de

Sexy Jeans-Röcke
Trend-Styles von Esprit

Der Trend im Sommer: jetzt in angesagten Waschungen. mehr


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige