25.05.2010, 11:57 Uhr
Südkoreanische Soldaten bei einer Militärübung (Foto: Reuters)
Nach der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes droht der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel zu eskalieren. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak kündigte in einer Fernsehansprache an, das kommunistische Nordkorea zur Rechenschaft ziehen zu wollen: durch einen Handelsstopp, ein Durchfahrverbot für nordkoreanische Handelsschiffe in südkoreanischen Gewässern und die Einschaltung des Weltsicherheitsrats. Lee betonte, dass Südkorea bei weiteren "Provokationen" auch vor scharfen militärischen Reaktionen nicht zurückschrecken werde.
Nordkorea drohte hingegen, es werde mit Schüssen reagieren, sollte Seoul wie angekündigt die anti-nordkoreanische Propaganda an der Grenze wieder aufnehmen. Falls Südkorea neue Instrumente der "psychologischen Kriegsführung" wie etwa Lautsprecher installiere, werde Nordkorea das Feuer eröffnen und diese zerstören, wurde ein Befehlshaber der nordkoreanischen Volksarmee von den Staatsmedien zitiert. Man werde diese Aktionen als "ernste militärische Provokation" auffassen.
Die Spannungen haben sich seit dem Untergang der Korvette "Cheonan" vor knapp zwei Monaten nahe der innerkoreanischen Seegrenze im Gelben Meer massiv verschärft. Südkorea macht Nordkorea für den Untergang am 26. März verantwortlich, bei dem 46 Menschen ums Leben kamen. Dabei stützt sich Seoul auf die Untersuchungen eines internationalen Expertenteams. Danach ist die "Cheonan" bei einem Torpedoangriff versenkt worden. Nordkorea bestreitet, das Schiff versenkt zu haben und drohte bei Vergeltungsaktionen mit "harten Maßnahmen, bis zum Krieg". Solche Drohungen sind für Nordkorea in Zeiten zunehmender Spannungen mit dem Süden nicht ungewöhnlich.
Lee forderte von Pjöngjang eine Entschuldigung für den Seezwischenfall sowie eine Bestrafung der Verantwortlichen. "Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder hingenommen", sagte Lee in Anspielung auf verschiedene Anschläge Nordkoreas seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53). Lee nannte unter anderem den Abschuss eines südkoreanischen Passagierflugzeugs 1987. "Aber die Dinge haben sich jetzt geändert." Südkorea werde keine Provokationen Nordkoreas mehr dulden.
Falls die Gewässer Südkoreas, dessen Luftraum oder Territorium verletzt würden, werde das Land sofort von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen. Die koreanische Halbinsel befinde sich an einem "kritischen Wendepunkt", warnte Lee. Jeder Austausch oder eine Zusammenarbeit mit Nordkorea sei unter den gegebenen Umständen sinnlos. Eine Ausnahme soll es für den gemeinsamen Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong und für humanitäre Hilfe für Kinder in Nordkorea geben.
US-Präsident Barack Obama gab Lee unterdessen Rückendeckung für sein Vorgehen. Die amerikanischen Streitkräfte seien aufgefordert worden, eng mit Südkorea zusammenzuarbeiten, "um die Bereitschaft sicherzustellen und künftige Aggressionen zurückzuschlagen", teilte das Weiße Haus mit.
Die USA und Südkorea kündigten am Montag zudem an, zwei gemeinsame Seemanöver vor der koreanischen Halbinsel abzuhalten. Dabei solle die Abwehr von U-Boot-Angriffen und die Beobachtung feindlicher Aktivitäten geprobt werden, sagte Pentagonsprecher Bryan Whitman. Die Militärübungen sollen "in naher Zukunft" stattfinden.
Bei einem Besuch in Peking forderte weiter US-Außenministerin Hillary Clinton die chinesische Führung zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Nordkorea auf. Die USA unterstützen Südkoreas Pläne, den Fall der "Cheonan" vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Clinton sucht deshalb in Peking die Unterstützung der Veto-Macht für neue Sanktionen gegen Pjöngjang, doch ist Chinas Führung zurückhaltend. Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao wird am Freitag dieser Woche zu Gesprächen in Seoul erwartet.
Quelle: dapd , dpa
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