
25.05.2010, 11:58 Uhr | Von Andreas Lorenz, Spiegel Online
Korea-Konflikt: Nordkoreanische Soldaten blicken grimmig gen Süden - die Führung in Pjöngjang haut verbal auf die Pauke (Foto: Reuters)
Seoul ist sich sicher: Ein Torpedo aus dem verfeindeten Nordkorea hat das Kriegsschiff "Cheonan" versenkt. Pjöngjang weist die Anschuldigung zurück und droht mit Krieg. Jetzt soll US-Außenministerin Clinton vermitteln - doch der Schlüssel zur Entschärfung des Konflikts liegt in Peking.
Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea eskaliert: Der Süden macht einen nordkoreanischen Torpedo für den Untergang seines Kriegsschiffes "Cheonan" verantwortlich. Nach wochenlangen Untersuchungen der Ursachen sei nun "klar", dass sich eine "starke Unterwasserexplosion, verursacht durch die Detonation eines Torpedos" ereignet habe, erklärte Seouls Außenminister Yu Myung-hwan. Die südkoreanische Regierung behalte sich "entsprechende Gegenmaßnahmen in harter und kluger Form" vor.
Eine unabhängige Kommission aus Militärs und Zivilisten hatte die Ergebnisse an diesem Donnerstag veröffentlicht. Es sei erwiesen, dass ein Geschoss mit 250 Kilogramm Sprengstoff - vermutlich von einem kleinen U-Boot - abgefeuert worden sei.
Südkoreanische Taucher hätten Reste eines Propellers, eines Motors und einer Steueranlage auf dem Meeresboden gefunden. Diese Teile würden "exakt" den technischen Details des nordkoreanischen Torpedos "CHT-02D" entsprechen, den Pjöngjangs Militär ins Ausland verkaufe. In der Expertengruppe arbeiteten nicht nur südkoreanische, sondern auch amerikanische, australische, schwedische und britische Fachleute mit, hieß es. Ein Teil des Wracks war bereits am 15. April vom Meeresboden gehoben worden.
Die Nordkoreaner bestritten, hinter der Attacke auf die "Cheonan" zu stecken, bei der am 26. März 46 Seeleute ums Leben kamen. Die Anschuldigung sei eine "Lüge". Pjöngjang sei bereit, eine Untersuchungskommission in den Süden zu schicken und die vermeintlichen Beweise zu prüfen, erklärte die Nationale Verteidigungskommission.
In gewohnt schriller Sprache warnten die Nordkoreaner mit harten Gegenmaßnahmen, "sofortigen Krieg eingeschlossen", sollten die Südkoreaner versuchen, den Norden zu bestrafen. "Dieser totale Krieg wird ein heiliger Krieg der Nation, des Volkes und des Staates", drohte Pjöngjang.
Unklar ist, warum die Nordkoreaner ihre Landsleute derart provozierten. Sicher ist allerdings, dass sich die politische und militärische Lage in Ostasien dramatisch verschlechtern dürfte. Dabei ist offen, wie die Regierung in Seoul reagieren wird. Fachleute gehen davon aus, dass die Versuche, die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche in Peking wiederzubeleben, erst einmal gescheitert sind. Die Verhandlungen haben zum Ziel, eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel zu schaffen.
Dem Besuch von US-Außenministerin Hillary Clinton in Ostasien kommt nun enorme Bedeutung zu. Sie wird am Wochenende in China eintreffen und danach weiter nach Südkorea reisen, "um die nächsten Schritte im Lichte der Untersuchung" zu besprechen, hieß es in Washington.
Die Südkoreaner haben allerdings wenig Spielraum. Zusätzliche Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats gegen Nordkorea dürften die Herrscher in Pjöngjang nach bisherigen Erfahrungen wenig irritieren. Südkorea kann sich auch keine militärische Vergeltung erlauben, das Risiko eines Krieges ist zu groß, die südkoreanische Hauptstadt liegt nur 60 Kilometer von der Grenze zum Norden entfernt.
Möglich wäre es, humanitäre Hilfen an Nordkorea völlig einzustellen. Zudem könnten sich die Südkoreaner aus der Industriezone bei Kaesong zurückziehen. Dies dürfte allerdings den Einfluss Chinas auf Nordkorea verstärken, das schon jetzt wichtigster Handelspartner ist. Seoul hatte schon vor dem Ende der Untersuchungen diplomatische Schützenhilfe in China, Russland, den USA und Japan gesucht. Eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts dürfte dabei Peking zukommen, das mit Pjöngjang verbündet ist. Während seines Besuchs in China vor wenigen Tagen soll Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il abgestritten haben, mit dem Untergang der "Cheonan" etwas zu tun zu haben.
Fest steht: Die politischen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sind an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Auch den Nordkoreanern wird zugetraut, die Lage weiter zu verschärfen. Nicht ausgeschlossen ist ein dritter Atomwaffentest.
Quelle: Spiegel Online
hotzenplotz schrieb:
am 20. Mai 2010 um 19:12:38
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haudrauf
wer liefert eigentlich waffen für solch einen krieg an ein land dessen bevölkerung nicht mal was zu essen hat und warum?
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Ich bins schrieb:
am 20. Mai 2010 um 19:07:23
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Heiliger Krieg
Hoffentlich mischt sich der Westen da nicht ein.
Der Nordkoreanische Diktator wird sich nicht scheuen, Atomwaffen einzusetzen.
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