21.04.2011, 12:38 Uhr | Görlach, Alexander
Der biblische Ostertext gibt Christen immer noch Kraft (Foto: imago)
Zur Passion- und Ostergeschichte kann man Fragen stellen und Antworten geben. Diese Antworten können richtig oder falsch sein. Wie hieß der Jünger, der Jesus verraten hat? Andreas. Falsch. Judas. Richtig. Wir waren nicht dabei, im Abendmahls-Saal und auf der Via Dolorosa. Sehr wahrscheinlich waren auch die, die die Berichte des Neuen Testaments aus mündlichen Überlieferungen in Schriftform gebracht haben, auch nicht alle dabei. In ihren Texten lassen sie eine eigene Welt entstehen, die verschieden ist, von dem, was zuvor als mündliche Überlieferung weiter gegeben wurde und die auch verschieden ist von dem, was "wirklich" geschehen ist. "Wirklich" im Sinne von historisch.
Jeder Text kreiert eine eigene Welt. Innerhalb dieser Welt muss der Text kohärent und konzise sein. Verbindung zu der wirklichen Welt haben diese Texte "nur" insofern, als sie in der wirklichen Welt geschrieben werden, von wirklichen Menschen. Können die Texte des Neuen Testaments dann überhaupt Wahres aussagen?
Das christliche Bekenntnis, das auf den biblischen Texten ruht, ist insofern wahrheitsfähig, als es von Christen aller Zeiten und auch von den Christen, die heute auf der Welt an den verschiedenen Orten leben, als solches Bekenntnis wahrgenommen und erkannt wird. Diese Texte sind der Kern der christlichen Glaubenslehre. Würde etwas an dem Text verändert, die Glaubensgemeinschaft würde es bemerken. Das ändern der Texte wäre Frevel. Selbst wenn wir heute wüssten, dass der Straßenverlauf, so wie in das Neue Testament von der Jerusalemer Altstadt zeichnet, nicht stimmt, was würde es ändern? Nichts. Würde man das neue Wissen in den Text einbauen? Auf keinen Fall.
Kanonisierte Texte werden weiter gegeben; das gilt nicht nur für die Heilige Schrift selber, sondern auch die die Gebete und Bekenntnisformeln des Glaubens. Indem ich sie kenne, sie memoriere und mitsprechen kann, mache ich mich zum Teil der Glaubensgemeinschaft, die wiederum deutlich und sichtbar in der Geschichte, also historisch ist und wirkt. Ich weiß, dass ich zu dieser Glaubensgemeinschaft gehöre. Insofern konstituieren diese Texte etwas Wirkliches, etwas Wahres. Auf das Historische angesprochen, müssen die Texte quasi mit den Schultern zucken. Historisch gesehen kann alles an den Texten unwahr sein.
Heilige Texte sind eine Zumutung. Eine Frechheit. Vor allem für die, die an sie glauben wollen, aber doch nicht an sie glauben. Beispiel gefällig: Im Text sagt Jesus "Das ist mein Leib". Schon seine Zeitgenossen fragen sich "Wie kann er uns seinen Leib zu essen geben?". Dieser aufgeschrieben Satz war also schon damals eine Zumutung. Die Reformatoren deuten ihn dann schließlich symbolisch; Katholiken trauen sich bis heute daran zu glauben, dass das Brot auf dem Altar seine Substanz in irgendwas von Jesus verwandelt. Wie das naturwissenschaftlich betrachtet gehen soll, ist eine andere Frage.
Mit der Auferstehung genau dasselbe: Ein Erweckungserlebnis im Inneren der Jünger, so deuten das einige, wiederum meist protestantische, Theologen. Der Leichnam Jesu ist demzufolge also im Grab verrottet, Jesus nicht wirklich auferstanden. Das kann man alles irgendwie denken, nur: die Texte geben es nicht her. Der vom Neuen Testament beschriebene Jesus stirbt, wird auferweckt und fährt in den Himmel auf. Das behauptet der Text und er lässt sich darin durch Nichts und von Niemand kirre machen. Immerhin hat dieser Text Rückgrat!
Religion schafft ihre Wirkmacht dadurch, dass alle ihre Mitglieder den Wortlaut ihrer Gründungsdokumente verstehen und die Bilder und Deutungen, die daraus hervorgehen, in ihren umfänglichen kulturellen Lebenskontext einbeziehen. So produziert Religion Gemeinschaft und Regeln. Das ist die Aufgabe, die sie im Lauf der Evolution eingenommen hat: Sicherheit geben und Legitimation schaffen.
Es kann nur einen Glauben an die Texte geben und die Wirkung, die sie auf den Menschen entfalten. Der Glaube an den auferstandenen Jesus gibt den Christen mehr Kraft, als die Behauptung, dass ihr unschuldig getöteter Messias auf einer Müllkippe entsorgt wurde, weil so eben mit Gekreuzigten in jener Zeit verfahren wurde. Der Passions- und Ostertext wirkt in die Wirklichkeit. Er kann nicht belegen, was hinter beziehungsweise zeitlich vor ihm liegt, sondern Aussagen treffen, zu denen die Zukünftigen sich verhalten werden. Noch klingen die biblischen Texte in unseren Ohren anders als die Sagen des klassischen Altertums.
Der Journalist Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur von "The European". Zuvor war Görlach der Online-Redaktionsleiter des Magazins "Cicero" und Chefredakteur der BMW-Initiative Club of Pioneers. Seine journalistischen Stationen führten ihn nach New York, London und Rom. Görlach war sieben Jahre lang für das ZDF tätig. Als freier Autor hat Görlach für die "FAZ", die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Welt" geschrieben. Unter anderem war er Pressesprecher der Stiftung des Profifußballers Christoph Metzelder. Der 1976 geborene Journalist ist promovierter Theologe und promovierter Germanist.
Görlach, Alexander
t64 schrieb:
am 21. April 2011 um 18:02:33
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Ostern und Christen
Wie alle unerwünschte Abrahamitischen Wüstenreligionen (Islam, Juden- u. Christentum) ist das Christentum eine Plage
für die Menschheit. Menschen die an ein Buch glauben, welches auf dem Konzil von Nicäa von Menschen zusammengeschustert wurde. Hinterfragt doch mal, was ihr laut Kirche glauben sollt und was nicht, was vom Christentum alles geklaut wurde oder ist es Zufall, daß Jesus ausgerechnet zur Wintersonnenwende "Geburtstag" hat? Da lach ich die Pfaffen lieber aus und bleibe ehrlicher Heide.
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rolf schrieb:
am 21. April 2011 um 17:34:10
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Glaube
Der Glaube ist schon immer von den Intuitionen der Kirche mißbraucht wurden.Die Kirche braucht nur die Kohle dass die Schwarzkittel
sorgenfrei leben können und ihren sexuellen gelüsten hinter verschlossenen Türen frei lauf lassen.Die Vergewaltigungen werden verharmlost und es geht so weiter wie bisher.Nur gut das Ich nicht gläubig bin und mir immer die wöchentliche Gehirnwäschen in der Kirche abholen muß.
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Wolfi 24.110 schrieb:
am 21. April 2011 um 15:53:26
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"Kommentar: Ostern auf der Müllkippe"
Ich mag unklare Texte! Weil ich so sehr darüber lachen kann!!! Alles Plagiate, mit dem Inhalt eines
Luftballons. Mit Kopien, werden wir keine Entwicklung erreichen. Wenn wir die Götter der Unzureichendheit nicht loswerden, werden wir auch keinen Fortschritt haben. Vieleicht ist auch Latein scheiße!!! Hier mal ein kluges, afghanisches Sprichwort: "Die Mutter der Dummen, ist immer schwanger" Hab ich aufgeschnappt. Luftschnappen ist gut für's Gehirn! Wegen Sauerstoff und so!!! Guten Tag!
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