27.01.2011, 14:42 Uhr
Guttenberg erlebte wie Westerwelle einen fulminanten Start: Sieht auch der Abstieg ähnlich aus? (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Abgehoben, beratungsresistent, kritikunfähig. Das, was man im Moment im politischen Berlin über Verteidigungsminister zu Guttenberg hört, trifft auch auf FDP-Chef Guido Westerwelle zu. In der Tragik sind sie sich gleich. Dennoch gibt es einen Unterschied: Wenn Westerwelle morgen gehen müsste, hätte er auch Erfolge aus zehn Jahren politischer Hochebene vorzuweisen.
Mein erstes Gespräch mit Karl-Theodor zu Guttenberg fand bei der Premiere von “Walküre” statt. Im Gespräch ging es um die Zukunft der CSU. Ein junger, aufgeschlossener, sympathischer Mann. Das nächste nach einer Veranstaltung von Innocence in Danger, einer Hilfsorganisation, für die seine Frau wirkt. Es ging um das Zueinander von Außen- und Verteidigungsressort. Guttenberg war ein kompetenter, weltläufiger, gewinnender Gesprächspartner.
Ein Jahr später: ein Empfang im Hotel Adlon nach der Quadriga-Preisverleihung. Die Bundeswehr wurde ausgezeichnet. Der Minister nahm den Preis entgegen. Guttenberg steht im Kreis von Adlaten und Zuarbeitern. Alle leicht gebückt. Der Minister doziert. Eine ganze Weile kommt niemand auf ihn zu, Guttenberg geht auf niemanden zu. Eine Momentaufnahme, die bündelt, wie es um den beliebtesten deutschen Politiker steht.
Guttenberg macht den Westerwelle. Der Überflieger hebt ab. Der Flug mit seiner Frau nach Afghanistan ist der erste große Fauxpas seiner jüngeren Vergangenheit. "Das ist nicht die Armee der Guttenbergs, das ist nicht die Armee des Adels“, sagt Stern-Chefkolumnist Uli Jörges zu Recht auf N24, als er die Bilder kommentiert. Das Sich-im-Haar-Streichen des Liebespaars im Kriegsland war doppelt so peinlich wie das Foto auf dem erlegten Dinosaurier. Turteln in Tarnwesten – peinlich. Mit dem ehemaligen ZDF-Moderator Johannes Bapiste Kerner im Gespräch geriet der ganze Aufenthalt bei der Bundeswehr zu einer Farce. Wer berät den Minister eigentlich?
Er hat keine Haftung mehr, die ihm sagt, wann Schluss ist, kein Selbstregulativ. Wir wissen nun, dass jedes Telefonat mit seiner Frau ein Gewinn ist, jedes an jedem Tag. Jeder, der jahrelang verheiratet ist und mit dem ich auf diesen Satz zu sprechen komme, schüttelt den Kopf. Entweder ist KT ein Übermensch, ein Halbgott – oder einfach nur abgehoben. Schaut, so ruft es, an mir ist eben alles perfekt.
Es passt so gar nicht zu dem KT von vor zwei Jahren. Woran liegt das? Ein Punkt ist der Umgang mit Popularität. Ein Phänomen, das man eher von Fußballern und Schauspielern und nicht von Politikern kennt: Sie werden immer und überall angesprochen, fotografiert. Sie werden nicht kritisiert. Es gibt Zuspruch, keine Ablehnung. Damit geht jeder Fußballer und Schauspieler anders um, auch jeder Politiker.
In all dem erinnert er an seinen Opponenten Westerwelle: kritikunfähig, beratungsresistent, von Gebückten umgeben, abgehoben. Wohin das führt, ist an Guido Westerwelle abzulesen: in die Isolation, zur falschen oder verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Es gibt einen Unterschied: Der FDP-Chef hat sich ein Jahrzehnt an der Spitze seiner Partei behauptet. Er hat sie zu einem unvergleichlichen Bundestagswahlergebnis geführt. Karl-Theodor zu Guttenberg hat noch nicht diese Erfolge vorzuweisen.
Sollte sich die Gunst des Volks – und nur davon zehrt im Moment der Mythos Guttenberg, ganz so wie in den alten Zeiten der Feudalherrschaft – wenden, wendet sich auch die Union von ihm ab. Der Prozess beginnt schon. Das Kanzleramt hält seine Wehrreform für ungenügend.
Autor Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur von "The European". Zuvor war Görlach der Online-Redaktionsleiter des Magazins "Cicero" und Chefredakteur der BMW-Initiative Club of Pioneers. Seine journalistischen Stationen führten ihn nach New York, London und Rom. Görlach war sieben Jahre lang für das ZDF tätig. Als freier Autor hat Görlach für die "FAZ", die "Süddeutsche Zeitung" und "Die Welt" geschrieben. Unter anderem war er Pressesprecher der Stiftung des Profifußballers Christoph Metzelder. Der 1976 geborene Journalist ist promovierter Theologe und promovierter Germanist.
Otto schrieb:
am 27. Januar 2011 um 14:42:51
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KT
Wenn man die Beiträge liest erscheint es als hätte der ganze Propagandaapparat des Verteidigungsministeriums geantwortet.
Soviel
Liebedienerei und Katzbuckeln ist echten Demokraten unwürdig, falls sich etliche der "Autoren" dafür halten sollten.
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manu schrieb:
am 27. Januar 2011 um 14:42:15
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görlach
.. und deshalb kann er es sich leisten ?
Was soll man da noch sagen.
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W.Churchill schrieb:
am 27. Januar 2011 um 14:41:54
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v. Guttenberg
Ich hatte es schon vor 67 Jahren gesagt, Vorsicht vor den Deutschen!!!!!
Sie kriechen dir entweder in den Ar..... oder du hast
sie an der Kehle!
Wenn sich jemand den Daumen quetscht, ist der Gesundheitsminister
daran schuld und wird von der Opposition zum Gehen aufgefordert.
Darüber lacht die Welt!!
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