01.06.2010, 10:14 Uhr | apn
Am 22. Mai hatte Bundespräsident Horst Köhler nach seinem Besuch in Afghanistan dem Deutschlandradio ein Interview gegeben, in dem er auch über den Einsatz der Bundeswehr in dem Land sprach. Im Folgenden die Frage und die umstrittene Antwort im Wortlaut.
Frage: In der politischen Debatte wird auch darüber nachgedacht, ob das Mandat, das die Bundeswehr in Afghanistan hat, ausreicht, weil wir uns inzwischen in einem Krieg befinden. Brauchen wir ein klares Bekenntnis zu dieser kriegerischen Auseinandersetzung und vielleicht auch einen neuen politischen Diskurs?
Horst Köhler: Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus - also Verwaltung, Korruptionsbekämpfung, Bekämpfung dieser Drogenökonomie -, gleichzeitig das Militär aber nicht alles selber machen kann. Wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. Ich glaube, dieser Diskurs ist notwendig, um einfach noch einmal in unserer Gesellschaft sich darüber auszutauschen, was eigentlich die Ziele dieses Einsatzes sind.
Und aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten, mit anderen Nationen auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen, einer Resolution der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Und ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Alles das soll diskutiert werden, und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.
Quelle: dapd
viper_dorsten schrieb:
am 31. Mai 2010 um 19:30:42
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Heuchelei
Typisch Deutschland!Jetzt ist jeder Politiker egal welcher Partei am Bedauern und hat Mitleid und versteht die Welt nicht mehr.Was
habe ich diese Bande gefressen!Wir hatten endlich mal einen der würdig war,der es verstanden hat,der es allen anderen vorgemacht hat Deutschland in der Welt zu repräsentieren...und vor Allem ohne eigennützig zu sein ohne seinen eigenen Vorteil zu sehen!Danke Horst Köhler und tiefsten Respekt vor dieser Entscheidung!
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k. schrieb:
am 31. Mai 2010 um 19:29:11
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Köhlers Rücktritt
Wenn Köhler seine Aussagen auf den Anti-Pirateneinsatz vor Somalia bezogen hat, wie in diesem Artikel zu lesen ist:
http://nachrichten.t-online.de/koehler-tritt-nach-kritik-an-seinen-bundeswehr-aeusserungen-zurueck-/id_41840460/index, dann hätte er das deutlich sagen sollen. Doch statt die Kritik als Anstoß zu nehmen, seine Aussage noch einmal zu erläutern und damit gerade den von ihm geforderten Diskurs in Gang zu bringen, tritt er zurück. Das ist seine schwächste Leistung als (Ex)Präsident.
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HRW schrieb:
am 31. Mai 2010 um 19:28:32
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Köhler
Das war der erste Bundespräsident den ich wirklich respektiert habe, auch wenn mir manche seiner Äußerungen nicht gefallen haben. Schade!!
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