20.08.2011, 15:09 Uhr
Auch Vögel zieht es immer schneller in kältere Regionen (Foto: imago)
Der Klimawandel beeinflusst das Verhalten von Tieren und Pflanzen weitaus stärker, als bislang angenommen. Das berichten Forscher aus Großbritannien und Taiwan im Fachmagazin "Science". Demnach sollen die verschiedenen Arten zwei- bis dreimal schneller in kühlere Regionen flüchten als Wissenschaftler bisher prognostiziert hatten.
Die Forscher um I-Ching Chen von der University of York haben dazu alle verfügbaren Studien ausgewertet, die sich mit der Verschiebung von Lebensraum befasst haben. Darunter waren unter anderem Vögel, Schmetterlinge, Grashüpfer, Käfer, Spinnen, Bergpflanzen und Algen. Meist wanderten die Arten in höhere Regionen und in Richtung Erdpole.
Die Berechnungen zeigen, dass die Arten sich innerhalb eines Jahrzehnts durchschnittlich 16,6 Kilometer vom Äquator entfernen. Dies entspreche einer Bewegung "von rund 20 Zentimetern pro Stunde" vom Äquator weg, "jede Stunde des Tages, jeden Tag des Jahres", erklärte der Biologe Chris Thomas, der die Untersuchung an der Universität York in England leitete. Ihr Lebensraum verschiebe sich außerdem pro Jahrzehnt rund elf Meter bergaufwärts.
Dabei habe sich gezeigt, dass die Arten "zwei- bis dreimal schneller" auf die Erwärmung der Erde reagierten als der Wissenschaft bislang klar gewesen sei, erklärte Co-Autorin Jane Hill. In Großbritannien etwa sei der gemeine Schmetterling in den vergangenen Jahrzehnten vom Landesinneren 220 Kilometer weiter in den Norden gewandert, nach Schottland, erklärte der britische Forscher David Roy. Der Klimawandel werde "einige Gewinner und viele Verlierer" hervorbringen, meint Studienleiter Thomas. Vielen Arten drohe der baldige Tod, weil die klimatischen Bedingungen schlechter würden und sie nicht in günstigere Gefilde abwanderten.
Die vorgestellte Arbeit belege, dass eindeutig die globale Erwärmung der vergangenen 40 Jahre für die Verschiebung des Lebensraumes der Arten verantwortlich ist, berichten die Forscher. Es sei die erste Studie dazu überhaupt. Die größten Veränderungen traten seien bei Arten aus den am stärksten erwärmten Regionen aufgetreten, das sei ein entscheidender Hinweis.
Quelle: dpa , AFP
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