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Klimawandel: Mit Stauseen gegen Meeresspiegelanstieg?

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Mit Stauseen gegen die Klimaerwärmung?

13.03.2008, 16:45 Uhr

Bobertalsperre im Riesengebirge: Bremsen die Stauseen den Anstieg des Meeresspiegels? (Quelle: dpa) Bobertalsperre im Riesengebirge: Bremsen die Stauseen den Anstieg des Meeresspiegels? (Quelle: dpa)Der Meeresspiegel ist in den vergangenen Jahrzehnten durch die globale Erwärmung gestiegen, doch der Mensch bremst zugleich diesen Anstieg ein wenig - und zwar durch den Bau von Stauseen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Nationalen Universität von Taiwan in Chung-Li. Das Rückhalten von Wasser in Stauseen habe den Meeresspiegelanstieg in den vergangenen 50 Jahren um drei Zentimeter vermindert, berichten Benjamin Fong Chao und seine Kollegen.

Halbe Ostsee angestaut

In dieser Zeit seien in den Stauseen der Erde rund 10.800 Kubikkilometer Wasser gespeichert worden, schreibt das Team im US-Fachjournal "Science". Das ist etwa halb so viel Wasser, wie die Ostsee fasst.

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Ozeane dehnen sich weiter aus

Der Meeresspiegel stieg im 20. Jahrhundert durchschnittlich um 1,7 bis 1,8 Millimeter pro Jahr an. Der Grund dafür ist, dass sich das Klima auf der Erde immer weiter aufwärmt. Das führt zum einen zu einer massiven Gletscherschmelze an den Polen und der Eisschilde zum Beispiel in Grönland. Zum anderen wird so auch das Wasser der Ozeane immer wärmer - deswegen dehnt es sich immer weiter aus. Diese Ausdehnung des Wassers verursacht Schätzungen zufolge ein Viertel bis die Hälfte des Anstiegs der Meere.

Massiver Anstieg seit den 90ern

In den vergangenen 15 Jahren spitzte sich die Situation immer weiter zu. Laut Satellitenmessungen steigt der Meeresspiegel seit 1993 sogar um 3,4 Millimeter pro Jahr. Die Staudämme haben den Anstieg des Meeresspiegels in den vergangenen Jahrzehnten nach Angaben der Forscher um Fong Chao jedoch um 0,55 Millimeter pro Jahr gebremst. Ohne diese Reservoire wäre er daher wesentlich höher ausgefallen.

Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)

Staudämme fürs Klima?

Ist also die Konsequenz daraus, dass man mehr Stauseen bauen sollte, um den Anstieg des Meeresspiegels aufzuhalten? Ganz klar nein, sagt Felix Landerer vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Schon allein technisch sei das gar nicht möglich. "Die wenigen Millimeter pro Jahr, die der Meeresspiegel ansteigt, scheinen ein kleiner Betrag zu sein, aber wenn man bedenkt, dass die Erdoberfläche zu über 70 Prozent von Wasser bedeckt ist, ist das eine immense Summe", erklärt Landerer. "Um solche riesigen Mengen von Wasser aufzufangen, gibt es gar nicht die nötige Fläche an Land."

Großer Einfluss unwahrscheinlich

So sieht es auch Christoph Mudersbach vom Fachbereich Wasserbau und Hydromechanik der Universität Siegen. Dazu hält er es für unwahrscheinlich, dass Stauseen einen bedeutenden Einfluss auf den Meeresspiegel haben können, denn: "Stauseen finden sich in der Regel nicht in Küstennähe".

Stauseen bringen auch viele Probleme

Dazu kommt, dass von Menschen errichtete Stauseen nicht nur Vorteile haben: Zwar sorgen sie in vielen Gebieten der Erde für eine bessere Versorgung mit Trinkwasser. Andere garantieren eine Mindesttiefe des angestauten Flusses, so dass mancherorts Schifffahrt erst möglich wird. Doch Stauseen brauchen Platz - viel Platz, der oft tausende Menschen den Lebensraum kostet, wie etwa der Drei-Schluchten-Staudamm in China. "Außerdem ist das Abflussregime unterhalb der Stauanlage nicht mehr gegeben", sagt Mudersbach. Ob der angestaute Fluss hinter dem See weiter noch genug Wasser führt, kann der Mensch nicht mehr bestimmen.

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Eisschmelze falsch berechnet?

Doch den taiwanesischen Forschern ging es auch nicht darum, eine Lösung für den Meeresanstieg zu finden. Vielmehr wollten sie darauf aufmerksam machen, dass die globale Eisschmelze vielleicht noch zu vorsichtig berechnet war. Die Stauseen könnten ihrer Ansicht nach ein Faktor sein, der bei diesen Berechnungen nicht stark genug gewichtet wurde.

Meeresspiegel als Spielball

Fong Chao und seine Kollegen gingen in ihrer Berechnung davon aus, dass die Stauseen im Schnitt zu 85 Prozent gefüllt sind. Werde dieser Faktor berücksichtigt, müsse die Eisschmelze neu berechnet werden. Dazu sagt Lauderer vom Max-Planck-Institut: "Der Meeresspiegel ist eine integrale Größe, wird also von vielen Faktoren beeinflusst. Als Forscher spielt man sozusagen Sherlock Holmes und versucht herauszufinden, welche einzelnen Faktoren welche Veränderung hervorrufen."

Mehr Einfluss haben Treibhausgase

Wenn es darum geht, vorherzusagen, wie weit der Meeresspiegel noch ansteigt, sehen die meisten Klimaforscher nach wie vor die Erderwärmung als Hauptfaktor. Dass es aber mindestens Jahrzehnte dauern wird, die globale Erwärmung zu reduzieren, darüber sind sich die meisten Wissenschaftler auch einig. Doch klar ist auch: die Reduktion von Treibhausgasen muss weitergehen. Seriöse Klimamodelle sehen sonst einen Anstieg der Meere bis Ende des 21. Jahrhunderts um 18 bis zu 59 Zentimeter.


 

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