Gletscher im Schnitt zwölf Meter niedriger als 1980
30.01.2009, 09:07 Uhr
Im Durchschnitt verloren die Gletscher weltweit fast 70 Zentimeter an Eisdicke (Foto: dpa/WDR/Scheele)
Die Gletscher schmelzen weltweit in dramatischen Tempo. Das zeigen die Daten des "World Glacier Monitoring Service" an der Universität Zürich für das Jahr 2007. Bei einigen Gletschern sei die Eisschmelze in diesem Jahrhundert sogar mehr als doppelt so schnell verlaufen wie in der Zeit von 1980 bis 1999.
Nach Angaben der Züricher Forscher haben die 80 untersuchten Gletscher nach vorläufigen Daten im Jahr 2007 durchschnittlich eine Dicke an Schnee, Firn oder Eis verloren, die einer 67 Zentimeter hohen Wassersäule entspricht.
In den Alpen seien es bei einzelnen Gletschern sogar bis zu 2,5 Meter Wasseräquivalent gewesen, berichtete die Universität. Das Wasseräquivalent gibt an, welchen Wassergehalt die gemessene Dickenänderungen in Eis, Firn und Schnee haben. Ein Meter Eis entspricht dabei ungefähr 0,9 Meter Wasseräquivalent.
Mehr als einen halben Meter Eisverlust pro Jahr
"Der durchschnittliche Eisverlust im Jahr 2007 war nicht so extrem wie im Jahr 2006", erläuterte Mitautor Michael Zemp. "Trotzdem ist 2007 jetzt das sechste Jahr dieses Jahrhunderts, in dem der durchschnittliche Eisverlust der Gletscher mit langen Messreihen einen halben Meter übersteigt."
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Schmelzrate hat sich verdoppelt
Besonders deutlich wird die Schmelze in der Untersuchung von 30 Gletschern in 9 Gebirgsregionen, die bereits seit 1980 beobachtet werden. Sie verloren im Schnitt über zwölf Meter an Dicke. "Damit hat sich die Schmelzrate der 1980er- und 1990er-Jahren mehr als verdoppelt", sagte Zemp. In diesem Zeitraum ist das Eis der Gletscher nach Forscherangaben durchschnittlich um knapp 30 Zentimeter Wasseräquivalent pro Jahr geschmolzen. Seit 2000 hat sich dieser Wert auf rund 70 Zentimeter mehr als verdoppelt.
Insbesondere in den Alpen "dramatische Verluste"
Insbesondere in den europäischen Alpen wurden "dramatische Eisverluste registriert": Den vorläufigen Daten zufolge verloren in Österreich der Hintereisferner 1,8 Meter Wasseräquivalent und der Sonnblickkees 2,2 Meter. Auch in der Schweiz wurden Verluste von mehr als einem Meter Wasseräquivalent gemeldet, so am Silvretta (-1,3 Meter) und am Gries (-1,7 Meter).
Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den Berggebieten. So habe die Eisdicke von Gletschern in Skandinavien in Meeresnähe sogar um einen Meter zugenommen, schreibt die Universität. Auch in Norwegen legten einige küstennahe Gletscher etwas zu, etwa der Nigardsbreen (+1 Meter) oder der Ålfotbreen (+1,3 Meter) während die Inland-Gletscher wie der Hellstugubreen oder Gråsubreen weiter schmolzen (beide -0,7 Meter).