03.08.2006, 09:28 Uhr
Der Zustand der Alpen-Gletscher hat sich erneut dramatisch verschlechtert. Schon jetzt seien die bayerischen Gletscher um 70 Prozent geschrumpft, stellte Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf fest. Der CSU-Politiker befürchtet, dass sie voraussichtlich in spätestens 20 Jahren ganz verschwunden sind. Auch auf dem höchsten deutschen Berg, der Zugspitze, wird es kein ewiges Eis mehr geben. Alle deutschen Gletscher liegen in Bayern. Neben drei Gletschern an der Zugspitze gibt es noch den Watzmanngletscher und den Blaueisgletscher am Hochkalter.
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AlpengipfelIn 100 Jahren eisfrei?
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Gutes Klima für Palmen, aber auch mehr Hochwasser
Schnappauf geht davon aus, dass in etwa hundert Jahren an den bayerischen Seen Palmen wachsen und dies auch neue Chancen für den Tourismus und die Landwirtschaft bringt. Andererseits werde die Erderwärmung neue Probleme verursachen - etwa bei der Trinkwasserversorgung und bei der Vermeidung von Naturgefahren wie Hochwasser, Erdrutschen und Bergstürzen.
Vier Grad mehr in Süddeutschland
Der Minister stützt sich auf jüngste Klimaprognosen, die ein erschreckendes Bild zeichnen. Darin wird vorausgesagt, dass es in Süddeutschland bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu vier Grad wärmer wird. Das wäre deutlich mehr als die weltweit prognostizierte Erwärmung um 2,5 bis 3,5 Grad.
"Geschwindigkeit überraschend"
Der Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen, Wolfgang Seiler, ist bestürzt über die jüngste Entwicklung im Alpenraum. "Was uns extrem überrascht, ist die Geschwindigkeit des Klimawandels und die damit verbundenen verheerenden Folgen", sagte er dem "Münchner Merkur".
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3,5 Millionen Euro für den Gletscherschutz
Um auf die drohenden Folgen rechtzeitig zu reagieren, wurde jetzt ein Projekt mit dem Namen "ClimChAlp" ins Leben gerufen. Dabei werden zunächst die Folgen der Erwärmung für alle wichtigen Bereiche wie Tourismus, Verkehr und Landwirtschaft abgeschätzt. Daraus folgen soll ein Aktionsplan für Wirtschaft, Kommunen und Staat. Insgesamt 22 Partner aus allen sieben Alpenanrainerstaaten sind beteiligt. Das insgesamt 3,5 Millionen Euro teure Projekt wird je zur Hälfte von der EU und den Anrainerstaaten finanziert. Bayern übernimmt 410.000 Euro.
Opposition kritisiert "öffentliche Inszenierung"
Die Grünen warfen Schnappauf vor, den Klimaschutz vernachlässigt zu haben. "Anstatt endlich zu handeln, bietet Umweltminister Schnappauf erneut nur aufgewärmte Phrasen und öffentliche Inszenierungen", kritisierte die bayerische Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause. Mit Bergwaldrodungen und Schneekanonen müsse Schluss ein. Der Minister hatte den Startschuss für den Aktionsplan auf der Zugspitze gegeben.
Quelle: AFP , dpa
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