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Klimakonferenz in Kopenhagen: Der Club der Verlierer

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Der Club der Verlierer

21.12.2009, 13:17 Uhr | Von Christoph Seidler, Spiegel Online

Weltklimagipfel: Alle Hoffnungen auf einen Durchbruch waren vergebens (Foto: dpa) Weltklimagipfel: Alle Hoffnungen auf einen Durchbruch waren vergebens (Foto: dpa)Nach dem Fiasko von Kopenhagen setzen Umweltschützer auf einen Neuanfang zur Rettung des Klimas - doch für mehrere Länder und Akteure kommen diese Bemühungen zu spät: Sie sind unmittelbar vom Scheitern des Gipfels betroffen. "Spiegel Online" analysiert, wer jetzt zu den Verlierern zählt.

Haben die führenden Klimawissenschaftler auch nur ansatzweise Recht, dann drohen unserem Planeten ohne ein ambitioniertes Klimaabkommen dramatische Folgen. Doch der Klimagipfel in Kopenhagen hat weder ein solches geliefert, noch hat er einen absehbaren Weg zu einem Klimaabkommen gebracht.

Es gibt nur Verlierer

Unzählige wissenschaftliche Studien lassen jedoch kaum Zweifel daran, dass die gesamte Menschheit zum Verlierer wird, vor allem die kommenden Generationen betrifft der Klimawandel. Die genauen Folgen und das Ausmaß der negativen Veränderungen unserer Umwelt sind bestenfalls zu erahnen. Doch neben der langfristigen Dramatik lässt sich nach dem Mammut-Gipfel von Kopenhagen auch eine große Zahl Verlierer benennen, die unmittelbar und kurzfristig von den Ergebnissen und Folgen des Gipfels betroffen sein werden - Spiegel Online erklärt, warum.

Inseln vom steigenden Meeresspiegel bedroht

Besonders die kleinen Inselstaaten sind von einem Anstieg des Meeresspiegels als erste betroffen - und werden mit ihren Problemen nun weitgehend allein gelassen. Der Kampf dieser Länder für ambitionierte Klimaziele ist gescheitert. Unter anderem Tuvalu und die Malediven hatten in Kopenhagen eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf maximal anderthalb Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit gefordert. Die bisher gemachten CO2-Reduktionszusagen der Staaten dürften nach Schätzungen von Forschern noch immer zu einem Temperaturplus bis zu vier Grad führen. Zwar wird auch für andere Teile der Welt die Erderwärmung zum Problem werden, am direktesten wird sie jedoch in den kleinen Inselstaaten zu spüren sein: Ihnen wird der Raum zum Leben im wahrsten Sinne des Wortes unter den Füßen schwinden.

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Großmächte wurden von Kleinstaaten vorgeführt

Den politischen Führern der Welt ist es nicht gelungen, die Staatengemeinschaft als ganzes von ihrem Minimalkompromiss zu überzeugen, den sie zuvor mühevoll ausgehandelt hatten. Den Regierungschefs Barack Obama, Wen Jiabao, Angela Merkel und Gordon Brown kann es nicht wohl dabei sein, von geopolitischen Kleinstaaten vor den Augen der Weltöffentlichkeit vorgeführt zu werden, während sie noch wenige Stunden zuvor mit dem Mini-Kompromiss ihre Handlungsfähigkeit beweisen wollten. Der Formelkonsens zum Gipfelende hat immerhin verhindert, dass die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer komplett ihr Gesicht verlieren - mehr aber auch nicht.

Die USA - von China bedrängt

Barack Obama mag innenpolitisch froh darüber sein, seine Aufmerksamkeit wieder der US-Gesundheitsreform zuwenden zu können. Doch sein internationales Ansehen hatte schon Schaden genommen, bevor der Gipfel von Kopenhagen endgültig scheiterte. Dass er bei dem Treffen de facto keine Zugeständnisse machte, sorgte weltweit für Ernüchterung. Und dass sich China eine halbe Ewigkeit erfolgreich gegen eine Einigung mit Washington sperrte, dürfte Obama einen Vorgeschmack auf die zukünftige Machtkonstellation der Welt gegeben haben. Und die wird den USA schon bald in vielen weiteren Themenbereichen zu schaffen machen.

EU von eigenen Ansprüchen überrollt

Die Europäer wollten sich auf dem Gipfel als Vorkämpfer für den Klimaschutz zeigen - und konnten sich noch nicht einmal intern darauf einigen, ihr Angebot beim CO2-Minus bis 2020 von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen. Die Arbeit der Europäer für einen ambitionierten Gipfel-Abschluss war vergeblich. Zunächst mussten sie dabei zusehen, wie die Vorlagen für den Mini-Kompromiss immer mehr verwässert wurden, unter anderem ist die europäische Forderung nach einer Art Ultimatum für den Abschluss eines rechtsverbindlichen Abkommens bis spätestens Ende 2010 verschwunden. Nun will Deutschland mit einem Ministertreffen Mitte des kommenden Jahres retten, was noch von den internationalen Verhandlungen zu retten ist, bevor sich im November 2010 die Staaten wieder in Mexiko treffen.

Die UNO ist überfordert

Die Weltorganisation hat immer darauf beharrt, dass Klimaschutz nur in ihrem globalen Rahmen effektiv sein kann - und nicht von kleineren Gruppen wie dem Major Economies Forum gelöst werden kann. Diese Vereinigung der größten CO2-Emittenten hatte der frühere US-Präsident George Bush ins Leben gerufen. Doch Obwohl sich der Uno-Chef Ban Ki Moon sowohl bei seiner Abschlussrede vor dem Gipfelplenum als auch bei einer Pressekonferenz beinahe euphorisch zeigte, ist genau das Gegenteil der Fall. Die Chaostage von Kopenhagen zeigen die Grenzen des Uno-Prozesses auf: Nichtregierungsorganisationen fühlten sich beim Gipfel ausgegrenzt, kleinere Staaten übergangen - und einige große Staaten zeigten sich kompromisslos, allen voran die Chinesen. Das sind schlechte Voraussetzungen für die weiteren Verhandlungen im kommenden Jahr - und erst recht für den ursprünglich geplanten schnellen Abschluss eines völkerrechtlich verbindlichen Klimaabkommens bis Ende 2010.

Gastgeber erweisen sich als Versager

Dänemark hätte auf dem Gipfel gern die Weltrettung verkünden wollen, für immer verknüpft mit dem Namen Kopenhagen. Stattdessen aber wird die dänische Hauptstadt nun als Chiffre dafür stehen, dass die Welt beim Klimaschutz nachhaltig versagt hat. Die Gastgeber haben aktiv dazu beigetragen, zunächst dadurch, dass sie die Bedenken kleinerer Staaten im Verhandlungsprozess nicht ernst genug nahmen, später durch die unbeholfene und unkluge Verhandlungsführung ihres Premiers Lars Løkke Rasmussen. Er musste erst am Samstagmorgen als Gipfelpräsident zurücktreten, bevor das Treffen überhaupt einigermaßen geordnet zu Ende gebracht werden konnte.


Von Christoph Seidler, Spiegel Online  

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