Deutlich weniger Emissionen in den Industrieländern - das fordern die armen Länder (Foto: ddp)Rückschlag für den Weltklimagipfel in Kopenhagen: Die Vertreter der Entwicklungsländer weigern sich, an den Sitzungen der Arbeitsgruppen teilzunehmen. Sie wollen damit ihrer Forderung Nachdruck verleihen, dass die reichen Staaten ihre Ziele zur Senkung klimaschädlicher Treibhausgase höher stecken.
Die armen Länder wollen erst wieder zu den Gesprächen zurückkehren, wenn dieses Problem gelöst sei. "Derzeit passiert hier nichts", sagte Zia Hoque Mukta, ein Delegierter aus Bangladesch. Die Entwicklungsländer fordern Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard auf, die Emissionsziele der Industrieländer ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen.
Deutschland fällt beim Index zurück
Deutschland ist unterdessen beim Klimaschutz im internationalen Vergleich zurückgefallen. Auf dem Klimaschutz-Index 2010 von Germanwatch rutschte die Bundesrepublik von Platz fünf auf Platz sieben ab, teilte die Entwicklungsorganisation in Kopenhagen mit. Ganz vorne liegt in diesem Jahr Brasilien - allerdings nur auf Platz vier, weil die Plätze eins bis drei gar nicht vergeben wurden.
Kein Land wirklich konsequent
"Erneut hat noch kein Land den Pfad zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels eingeschlagen", erläuterte Klimaschutz-Experte Jan Burck. Kein einziges Land sei schon auf die Aufgabe vorbereitet, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten.
Deutsche Blockade-Politik kritisiert
In Europa liegen Schweden und Großbritannien vor Deutschland. Schweden war immer besonders gut, doch unter den traditionellen Industrieländern war Deutschland noch 2007 Spitze - damals unter dem Eindruck des Klimaschutzprogramms der Großen Koalition. Nun sehen die Experten Rückschläge. "Vor allem bei der Umsetzung der Meseberger Klimaschutzbeschlüsse von 2007 hat Deutschland bislang Schwächen gezeigt", erklärte Germanwatch-Experte Christoph Bals. Er kritisierte auch eine deutsche Blockade-Politik auf EU-Ebene.
Unterdessen hat sich Deutschland festgelegt, seine Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu bringen - und zwar unabhängig vom Ausgang der derzeit in Kopenhagen laufenden UN-Verhandlungen. Sollte jedoch tatsächlich ein neues Klimaabkommen geschlossen werden, das alle Staaten bindet, würde Deutschland stärker als andere Länder profitieren. Zu rechnen sei mit zehntausenden zusätzlichen Jobs, berichtet das "Handelsblatt".