Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Specials > Klima & Umwelt >

Klimaforschung: Permafrostboden in Kanada widersteht Warmzeiten

...
Drucken Drucken

Kanadischer Eisklotz verblüfft die Klimaforscher

23.09.2008, 15:22 Uhr

Von Christoph Seidler

750.000 Jahre ist dieses Eis im kanadischen Yukon-Territorium alt. Eigentlich hätte es schon längst geschmolzen sein müssen 750.000 Jahre ist dieses Eis im kanadischen Yukon-Territorium alt. Eigentlich hätte es schon längst geschmolzen sein müssenWissenschaftler haben im Permafrostboden Kanadas uraltes Eis gefunden. Seit 750.000 Jahren widersteht es allen Warmzeiten - und nährt jetzt die Hoffnung, dass manche Effekte des aktuellen Klimawandels weniger schlimm ausfallen könnten als bislang befürchtet.

Wenn Klimaforscher die künftige Erwärmung der Erde prognostizieren, setzen sie auf Computermodelle, die noch manches Manko haben. So haben die Wissenschaftler bisher kaum Daten, um das Auftauen des Permafrostbodens in der Arktis realistisch simulieren zu können. So viel ist sicher: Das ganzjährig gefrorene Erdreich, das auf der Nordhalbkugel 22,8 Millionen Quadratkilometer am Land und in den Schelfbereichen des Arktischen Ozeans bedeckt, taut an vielen Stellen.

Foto-SerieDas Eis in der Arktis zerfällt

Schädliches Methan wird freigesetzt

Doch wie stark der oft viele hundert Meter tief in den Boden reichende Permafrost tatsächlich abnimmt, diese Frage stellt Forscher vor Rätsel. Sicher ist: Tauender Permafrost ist eine Gefahr für das Weltklima, denn es werden dabei im Boden gebundene Treibhausgase freigesetzt - darunter auch das besonders klimaschädliche Methan. Klimaforscher befürchten, dass das Auftauen des Permafrosts und Freisetzen der riesigen Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre irreversible Folgen für das Weltklima haben könnte.

Die Stelle, die es nicht geben dürfte

Kanadische Forscher melden nun einen Fund, der die Diskussion über die Widerstandsfähigkeit des Eisbodens neu anheizen wird. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" (Band 321, Seite 1648) beschreibt ein Wissenschaftlerteam um Duane Froese von der University of Alberta eine Stelle mit Permafrost, den es nach gängiger Lehrmeinung gar nicht geben dürfte - weil er eigentlich längst getaut sein müsste: Am Dominion Creek im Yukon-Terretorium im Nordwesten Kanadas spürten die Forscher Eiskeile auf, deren Alter sie auf rund 750.000 Jahre schätzen.

Mehr als minus zwei Grad

Die obersten Erdschichten an der Fundstelle waren zum Teil zerwühlt. Kein Wunder, seit Ende des 19.Jahrhunderts wird in der Gegend nach Gold gesucht, Stichwort Klondike-Goldrausch. Doch der dauerhaft gefrorene Boden, der den Forschern zufolge vor dem Eintreffen der Goldsucher etwa drei bis vier Meter unter der Oberfläche lag, blieb intakt. Das besondere dabei: Die Gegend um den Dominion Creek liegt in der Zone des sogenannten diskontinuierlichen Permafrosts, in der nur einige Bodenbereiche niemals tauen. Und selbst die gefrorenen Sektoren sind vergleichsweise warm, normalerweise mehr als minus zwei Grad.

Große Hitze verdaut

Und trotzdem, so sagen Froese und seine Kollegen, soll der Permafrost hier die Zeiten überdauert haben. Das ist vor allem interessant, weil der eisige Grund damit auch locker mindestens zwei längere Perioden großer Hitze verdaut haben muss, darunter die Eem-Warmzeit. Das waren Zeiten, die der Erde länger und stärker einheizt haben als das aktuelle Weltklima, um das sich die Menschheit so sorgt.

Stabiler als angenommen

"Wir sagen nicht, dass wir uns keine Sorgen machen müssen", stellt Eisforscher Froese gleichwohl im Gespräch mit "Spiegel Online" klar. "Permafrost reagiert sehr wohl auf Klimawandel. Es passiert allerdings sehr langsam." Und mehrere Meter tief im Boden liegende Bereiche seien dabei wohl stabiler als bisher angenommen - wie der aktuelle Fund belege.

Datierung aus Vulkanasche

Die Datierung des Eises war alles andere als einfach - und funktionierte überhaupt nur über einen Umweg. Die Forscher nutzten dafür eine Ascheschicht, die zwischen den eisigen Lagen verläuft. Etwa zehn Zentimeter dick liegen die vulkanischen Sedimente im Eis. Sie entstanden, vermuten die Forscher, beim Ausbruch eines riesigen Vulkans im heutigen amerikanisch-kanadischen Grenzgebiet. Gold Run Tephra heißt die Schicht, die sich nach der massiven Eruption auf die Landschaft gelegt haben muss, so wie man eine Tagesdecke auf ein Sofa legt.

Vorhersage bis 2100Studie enthüllt Folgen des Klimawandels
Foto-SerieKlima-Vorhersage für Deutschland

Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)

Das älteste Eis der Welt

Bei zwei unabhängigen Messungen zeigte sich: Das Material des Gold Run Tephra ist 740.000 Jahre alt, plus/minus 60.000 Jahre, stammt also vom Anfang des Mittleren Pleistozäns. Die unterhalb der Ascheschicht liegenden Permafrostbereiche müssen mithin noch älter sein. Damit hätten die Forscher das älteste bisher bekannte Eis in Nordamerika gefunden. Doch die Bedeutung ihres Fundes, so argumentieren die Kanadier, geht noch viel weiter: Wenn Permafrost die widrigen Konditionen zweier größerer Warmzeiten überstehen konnte, dann ist er durch die aktuelle Aufheizung des Weltklimas möglicherweise weniger gefährdet als man befürchten könnte.

Ähnlicher Fund in Sibirien

Permafrostforscher Hanno Meyer vom Alfred Wegener Institut (AWI) in Potsdam bestätigt im Gespräch mit "Spiegel Online", dass auch AWI-Wissenschaftler in Sibirien Permafrostboden nachgewiesen hätten, der älter als 200.000 Jahre gewesen sei - und damit eine längere Warmzeit überstanden habe. "Der Fund der Kanadier belegt nun, dass dies auch in der Zone des diskontinuierlichen Permafrosts möglich war", sagt Meyer.

Alle Wetter

"Das klingt plausibel"

Bisher ging die Wissenschaft aber davon aus, dass der diskontinuierliche Permafrost in Zentralalaska und im Yukon während längerer Warmzeiten jeweils verschwindet. Der Fund aus dem Yukon stellt diese These nun in Frage. "Das klingt sehr plausibel", kommentiert Meyer - und macht doch eine entscheidende Anmerkung: "Die Kanadier schließen von einem Standort auf die ganze Welt, so weit würde ich nicht gehen."

Nur lokale Besonderheit?

Vielleicht habe es sich nur um eine lokale Besonderheit gehandelt. Damit das beobachtete Phänomen auch tatsächlich globale Bedeutung entwickeln könne, müssten weitere Stellen dieser Art gefunden werden. Vielleicht gelingt das ja sogar den AWI-Forschern. Sie graben unweit der aktuellen Fundstelle im eisigen Boden Alaskas. Altes Eis haben sie dabei auch schon gefunden, wie alt es genau ist, das lassen sie derzeit bestimmen.


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Klimaforschung: Permafrostboden in Kanada widersteht Warmzeiten" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Klimaforschung: Permafrostboden in Kanada widersteht Warmzeiten" gefallen hat.

 

Shopping

Einkaufswelt
Schuhe shoppen lohnt sich!
Treue wird belohnt bei imwalking.de (Quelle: sg)

Als Dank für Ihre Bestellung gibt’s 10,- € & einen Korb XXL im Wert von 20,- € geschenkt! von imwalking.de

Einkaufswelt
Ein Preis in alle Netze
Ein Preis in alle Netze von congstar.de

Der Tarif ohne böse Überraschung. Nur 9 Cent je Minute und SMS.
von congstar.de

Einkaufswelt
Stilvoll bei jedem Wetter
Damenmode perfekt für jedes Wetter - von mona.de

Perfekt in Qualität und Passform: topaktuelle Damenmode mit Stil für jedes Wetter. von mona.de

Einkaufswelt
Must-Have für sexy Hüften
Mode und Accessoires für modebewusste Frauen in großen Größen - bei happy-size.de

Coole Jeans mit perfekter Pass-
form. Für jeden Typ der richtige Schnitt - bis Größe 60. zum Special


Downloads & Shops

Dragon Naturally Speaking Home 11
Dragon NaturallySpeaking Home 11 ohne Hardware

Das PC-Diktat zum Sonderpreis. Download

WISO Sparbuch 2012
WISO Steuer-Sparbuch 2012

Holen Sie das Beste aus der Steuererklärung - Ihr Geld. Download

Drei auf einen Streich
Das Rettungs-Simulationspaket (Quelle: rondomedia)

Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen-Simulator. Jetzt kaufen

"Die drei Musketiere"
"Die drei Musketiere"

Einer für alle und alle für einen! Neuverfilmung mit Topbesetzung hier!


Aus anderen Bereichen

Schönreden bei Bayer: Völler wird pampig
Rudi Völler zeigte sich wenig taktvoll vor den TV-Kameras.  (Quelle: imago)

Sportdirektor lässt keine Kritik zu. mehr

Die Kombi-Rente kommt schon bald
Älltere Menschen sollen früh in den Ruhestand gehen können - und hinzuverdienen (Quelle: imago)

Ältere dürfen mehr hinzuverdienen. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Unglaubliche Ersparnis
Tiefpreise: Patronen für Canon-Drucker bei druckerzubehoer.de

Bis zu 92% auf Patronen für Canon-Drucker. von druckerzubehoer.de

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Special
Islamische Welt in Aufruhr
Massenproteste im Maghreb: Die arabische Welt ist in Aufruhr (Foto: Reuters)

Aktuelles, Hintergründe, Analysen aus den Krisengebieten. mehr

Anzeige
Augenblicke
Fotos des Tages
Ein Model kommt auf seinen XL-Absätzen ins Straucheln. (Quelle: AP\Bebeto Matthews)

Beeindruckende Bilder und Schnappschüsse. mehr

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

t-online.de auf Facebook
(Foto: Imago/Montage t-online)

Jetzt Fan werden und mitreden! mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche
Das Satellitenbild zeigt die schneebedeckten Alpen, die sich von Frankreich über Italien, die Schweiz, Deutschland und Liechtenstein bis nach Slowenien erstrecken. An der französisch-italienischen Grenze liegt der Mont Blanc, mit 4810 Metern der höchste Gipfel der Alpen. Insgesamt gibt es in der Bergkette über 20 Gipfel, die höher als 4000 Meter sind. (Quelle: ESA)

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige