16.01.2012, 12:43 Uhr | Von Guy Jackson, AFP
Schottisches Klischee: Schottenrock und Dudelsacks, Symbole des schottischen Nationalstolzes (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Schottlands Nummer eins will nach 700 Jahren endlich einmal wieder einen Sieg über England erringen - einen politischen, wenn auch keinen militärischen. Der Nationalist Alex Salmond verfolgt deshalb seinen Unabhängigkeitsplan unbeirrt - auch gegen Widerstand daheim.
Nichts will er mehr als die Unabhängigkeit seiner schottischen Heimat von London. Doch gerade deswegen lässt sich Salmond, Chef der schottischen Regionalregierung und einer der gewieftesten Politiker Großbritanniens, vom britischen Premierminister David Cameron nicht drängen. Wann seine Landsleute per Referendum über die Abspaltung vom Rest der Insel entscheiden, sei allein Sache des schottischen Parlaments, sagt der Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP).
Der Kampf um die Meinungsführerschaft hinsichtlich der geplanten Gründung eines neuen Staats im Nordwesten Europas ist damit endgültig eröffnet, drängte Cameron doch während der vergangenen Tage in Fernsehinterviews mehrfach auf eine schnelle und dann auch bindende Volksabstimmung. Dies nicht ohne Grund: Würden die Schotten bald an die Urnen gerufen, könnte Salmonds Traum scheitern.
Aber die Umfragewerte in Schottland, lange Zeit eine Beruhigungspille für London, klettern langsam aber sicher in Richtung Unabhängigkeit. Inzwischen sind bis zu 38 Prozent der fünf Millionen Schotten laut Umfragen für die komplette Abspaltung von Großbritannien. Das ist noch nicht die Mehrheit, aber der Trend ist eindeutig. Salmond spielt deshalb auf Zeit und will bis 2014 warten, um seinen Plan durchzusetzen.
Dass Salmond dies gelingen könnte, ist nach Meinung von Beobachtern durchaus möglich. Eines seiner wichtigsten Markenzeichen ist die Heimatverbundenheit, die viele Schotten überzeugt. Anders als etwa der frühere britische Premier Gordon Brown blieb er Schottland in seiner gesamten politischen Laufbahn treu. Ins geschäftige London zog es ihn nie. Stattdessen gibt sich der 57-Jährige als heimattreuer Politiker, der sich vor Ort für die Belange der Menschen einsetzt.
Als seine SNP im vergangenen Mai bei den Regionalwahlen deutlich die absolute Mehrheit errang und die lange Zeit dominierende Labour-Partei weit hinter sich ließ, verglich Salmond diese umgehend mit einer aussterbenden Art. Labour sei "ein wenig wie der Amerikanische Bison - einen oder zwei versprengte wird es noch geben, aber die großen Herden sind für immer Geschichte". Für solche zugespitzten Anmerkungen ist Salmond in Schottland bekannt und beliebt.
Der am 31. Dezember 1954 geborene Mann mit den markanten Augenbrauen machte seinen Abschluss an der schottischen St.-Andrews-Universität. Bevor er in die Politik ging, arbeitete er für die Royal Bank of Scotland. Einen Rückschlag musste er im Jahr 1979 einstecken, als die konservativen Tories der ehemaligen britischen Regierungschefin Margaret Thatcher bei der Parlamentswahl siegten und die Zahl der SNP-Abgeordneten im Londoner Unterhaus von elf auf zwei sank.
Zum Chef der SNP wurde Salmond erstmals 1990 gewählt. Damals war er gerade 35 Jahre alt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt arbeitete er darauf hin, die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreichs zu stärken, zu dem es seit rund drei Jahrhunderten gehört. Schon bald erzielte er wichtige Erfolge: Seit 1999 verfügt Schottland über ein eigenes Parlament und eine Regionalregierung.
Seinen öffentlichen Streit mit Cameron scheint Salmond zu genießen. Vor allem aber will er ihn politisch nutzen, um den Stolz seiner schottischen Landsleute anzusprechen. In diese Richtung zielt auch sein Vorschlag eines - im Übrigen nicht bindenden - Referendums im Jahr 2014: Dann nämlich wird es 700 Jahre her sein, dass Schottland 1314 in der legendären Schlacht von Bannockburn einen historischen Schlüsselsieg errang - natürlich über England. Danach sollte es noch 393 Jahre dauern, bis England und Schottland 1707 (zusammen mit Wales natürlich) das Vereinigte Königreich bildeten.
Quelle: AFP
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