Kindstötung: Ein kompliziertes Phänomen lässt sich nicht so einfach erklären (Quelle: ddp)Mit seinen Äußerungen zu Kindstötungen in den neuen Bundesländern hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer Proteste quer durch die politischen Lager ausgelöst. Als "zynisch" wies der SPD-Abgeordnete und Sprecher des Seeheimer Kreises, Klaas Hübner (SPD), in der "Frankfurter Rundschau" den Versuch zurück, Babytötungen als Nachwirkungen einer DDR-Mentalität zu erklären.
Böhmer kriminalisiere damit zahllose Mütter und Väter, die sich mit all ihrer Kraft um ihre Kinder kümmerten. Zudem sei der Vorwurf sachlich falsch, da die meisten jungen Eltern im Osten den Großteil ihrer Sozialisation nach der Wende durchlaufen hätten.
Linke spricht von Hetze
Von einer "völlig absurden Position" sprach die Fraktionsvizevorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch. Zu tragischen Kindstötungen komme es auch im Westen. Böhmers "Hetze" gegen die Mentalität im Osten helfe nicht weiter, sagte Lötzsch der Zeitung.
Auch Unionsvertreter kritisieren die Wortmeldung
Die Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann bezeichnete die Aussage Böhmers in der "Thüringer Allgemeinen" als "eine Kränkung für jede ostdeutsche Frau, die sich intensiv bemüht, ihren Kindern eine Zukunft zu geben." Der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Union, Manfred Grund, sagte: "Böhmers Wortmeldung ist ein Versuch, das Unfassbare mit einem einfachen Satz zu erklären. Das greift zu kurz." Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus kritisierte Böhmer nicht direkt. Er halte aber biografische oder historisch-geografische Erklärungsversuche für solche Ereignisse für falsch, sagte er der Zeitung.