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Mildes Urteil - Kinderhilfe spricht von "Justizskandal"
19.11.2009, 08:33 Uhr
Justitia: Haben die Eltern aus Moers eine gerechte Strafe erhalten? (Foto: imago)Martyrium im Kinderzimmer: Mehr als zwei Jahre lang haben Eltern ihre fünfjährigen Zwillinge in Xanten immer wieder gefesselt und eingesperrt. Wegen Verletzung der Fürsorgepflicht und Freiheitsberaubung verurteilte das Landgericht Kleve in Moers jetzt die Eltern zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Die Deutsche Kinderhilfe sprach von einem "Justizskandal".
"Es war ein Martyrium für die Kinder, eine schreckliche Straftat, die eine rohe Gesinnung und Abgestumpftheit voraussetzt. Die Kinder werden lebenslang unter den Folgen leiden", sagte ein Sprecher der Kinderhilfe. "Dass der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nicht berücksichtigt wurde, das kann nur und muss als handfester Justizskandal bezeichnet werden."
Ein Urteil mit "fataler Wirkung"
Ein solches Urteil habe fatale Signalwirkung. Es sei falsch, dass das dritte, jüngste Kind bei den Eltern bleiben durfte. "Hier zeigt sich, dass Kinder bei vielen Gerichten immer noch nur Opfer zweiter Klasse sind." Die Staatsanwaltschaft solle Rechtsmittel einzulegen.
Gericht erkennt keine Misshandlung
Der Zustand der Kinder war von Ärzten aufgedeckt worden. Die Zwillinge waren unterernährt, ausgetrocknet, wund bis auf das rohe Fleisch, hatten die Haare büschelweise ausgerissen und Striemen an den Handgelenken, ihre Körper waren mit blauen Flecken übersät. Das Gericht sah eine Misshandlung der Kinder dennoch nicht als erwiesen an.
Mutter streitet alles ab
Der 39 Jahre alte Vater hatte in dem Prozess ein Teilgeständnis abgelegt. Er habe sich mehr um den Hund als um seine Kinder gekümmert. Die Mutter dagegen stritt alle Vorwürfe ab. Sie habe ihre Kinder weder geschlagen noch gefesselt und auch keine Misshandlungen gesehen. Die blauen Flecken hätten die Kinder vom Sturz aus dem Hochbett, habe sie vermutet.
Mann konnte Ehefrau nicht stoppen
Nach außen hin spielte die Familie heile Welt. Der Vater sagte aus, seine 36-jährige Frau sei überreinlich und akkurat. Er habe sich kaum um seine Kinder gekümmert und es nicht geschafft, dem Treiben seiner Frau ein Ende zu setzen und sich zu sehr geschämt, um Hilfe zu holen. Wenn er von der Arbeit kam und seine gefesselten Kinder befreite, habe seine Frau ihn angewiesen, sie wieder festzubinden.
Ärzte alarmierten die Behörden
Das Leiden der kleinen Mädchen kam ans Licht, als der Vater mit einer seiner Töchter bei einem Arzt vorstellig wurde. Der 39-Jährige hatte das Kind gebracht, weil das unterentwickelte Mädchen beim Gehen schwankte. Dabei kollabierte das Kind und kam ins Krankenhaus. Die Ärzte alarmierten das Jugendamt und deckten damit auch den desolaten Zustand der kleinen Schwester auf.
Quelle: dpa