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Kanadier wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht
02.06.2008, 14:40 Uhr
Christoper N. weist jede Schuld von sich (Foto: Reuters)In Bangkok hat der Prozess gegen den kanadischen Lehrer Christopher N. begonnen, der zahlreiche Kinder in Südostasien sexuell missbraucht haben soll. Zum Prozessauftakt am Montag stritt der Angeklagte alle Vorwürfe ab. Von dem 33-Jährigen kursierten im Internet 200 Fotos, auf denen er als Kinderschänder zu sehen war. Darauf hatte er sein Gesicht digital unkenntlich gemacht. Deutschen Fahndern war es jedoch gelungen, die Bilder zu entzerren und N.'s Gesicht zu rekonstruieren. Der Kanadier ist wegen Entführung, Kindesmissbrauchs und Kinderpornografie angeklagt.
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20 Jahre Haft möglich
Bei einer weltweit einzigartigen Fahndung ging der Lehrer den Ermittlern von Interpol vor sieben Monaten in Thailand ins Netz. Am Montag wurde der Prozess auf kommenden Oktober vertagt. Dann sollen Zeugen aussagen. Mit einem Urteil wird erst nächstes Jahr gerechnet. Dem 33-jährigen drohen 20 Jahre Haft.
"Kein Geld und keinen Job"
"Ich weise alle Vorwürfe zurück", sagte der unscheinbare Mann. Er gab sich vor Gericht entspannt und lächelnd. Sein Kopf war kahlgeschoren und er trug eine orangefarbene Gefängnisuniform. Anwesend war auch der Vater von zwei minderjährigen Jungen, die den Mann beschuldigen, sie entführt und missbraucht zu haben. Der Vater verlangte umgerechnet 6000 Euro Wiedergutmachung. Auf die Frage des Richters, ob er dies bezahlen könnte, sagte der Angeklagte: "Ich habe kein Geld, keinen Job und finanzielle Probleme." Ihm stand ein Pflichtverteidiger zur Seite.
Ratschläge im Internet
Der frühere Priesteranwärter hatte seit Jahren in Kambodscha, Vietnam, Thailand und zuletzt Südkorea gelebt. "Ich heize seit fünf Jahren durch Südostasien, und unterrichte meistens, oder mache anderen Unfug", schrieb er auf seiner "MySpace"-Internetseite. Frühere Kollegen bezeichneten ihn als unscheinbar und fleißig. Im Internet trat er jedoch anders auf. Auf Webseiten gab er Rat, wie verräterische Dateien vom Computer gelöscht werden können und wie man bei Bewerbungen um Lehrerposten unangenehme Charakterprüfungen umgehen kann.
Bekannte identifizierten den Täter
Deutsche Fahnder hatten ihn seit 2004 im Visier. Sie gingen zunächst davon aus, dass es sich um einen Deutschen handelte. Immer wieder fanden sie die abstoßenden Fotos mit demselben Mann, dessen Gesicht aber wie mit einem Wirbel tausendfach gedreht und unkenntlich gemacht war. Sie konnten aber schließlich daraus ein fast klares Bild des Täters rekonstruieren. Kaum war die Fahndung weltweit eröffnet, identifizierten ihn Bekannte. Wenig später wurde er in Thailand festgenommen.
Quelle: dpa