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Kinderpornografie-Prozess: Der laute Tauss ganz leise

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Der laute Tauss ganz leise

17.05.2010, 13:25 Uhr | Von Anika von Greve-Dierfeld, dpa

Tief gefallen: Jörg Tauss hat sein Bundestagsmandat verloren, hat sich von der SPD im Streit getrennt und muss wegen des Besitzes von Kinderpornos vor Gericht (Foto: dpa)

Still geworden ist es um Jörg Tauss. Der wortgewaltige, wuchtige Ex-SPD-Mann ist fast ganz in der Versenkung verschwunden, seit vor mehr als einem Jahr die ersten Kinderporno- Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden, seit die Staatsanwaltschaft in die Offensive ging und der Prozess gegen den Politiker vorbereitet wurde. Ruhe herrscht nach dem öffentlichen Sturm der Empörung - und die war zunächst groß.

Empört hat sich aber auch Tauss selbst: Er wirft der Staatsanwaltschaft Indiskretionen vor und fühlt sich der Öffentlichkeit zum Abschuss freigegeben. "Das war schon extrem", sagt sein Anwalt Jan Mönikes: "Der Schaden ist sowieso schon eingetreten." Auch ein Freispruch würde Tauss "nichts mehr helfen".

Experte seiner Partei

Überraschungen sind aus Mönikes Sicht nicht zu erwarten im Prozess vor dem Karlsruher Landgericht: "Den Besitz einer recht geringen Menge kinderpornografischen Materials hat Jörg Tauss nie bestritten." Es gehe also um die Frage, ob er zu diesem Besitz ausnahmsweise berechtigt war, da er sich als Experte seiner Partei mit diesem heiklen Thema befasste. Tauss ist jedoch nicht nur angeklagt, weil er die Porno-Dateien besessen hatte - er soll sie auch angeboten und weitergegeben haben.

Tief gefallen

Tauss ist durch die Affäre tief gefallen: 38 Jahre lang gehörte der 56-Jährige der SPD an, er war medienpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion und Generalsekretär der Südwest-SPD, bevor er die Sozialdemokraten im Juni 2009 verließ. Mehr oder minder in Schimpf und Schande. Tauss trat in die Piratenpartei ein, in der sich Internet-Aktivisten organisiert haben. 15 Jahre, von 1994 bis 2009, saß er im Bundestag, dann musste er wegen der Kinderporno-Affäre auf eine erneute Kandidatur verzichten.

Tauss: Nur recherchiert

Immer wieder beteuert Tauss seine Unschuld. Er habe lediglich in der Szene recherchiert, sagt er. Die Ermittler hatten in seiner Berliner Dienstwohnung Anfang März 2009 einschlägiges Bildmaterial gefunden und werfen ihm vor, Kontakt zu einem Mann aus der Kinderporno-Szene gehabt zu haben. "Es geht bei der Anklage aber ausschließlich um den Umgang mit Dateien und sonst nichts", stellt ein Sprecher der Karlsruher Staatsanwaltschaft klar.

Zentrale Antwort fehlt

Den Besitz von Bildern hatte Tauss schnell zugegeben und Fehler eingeräumt. Warum er das Material nicht der Polizei übergeben oder sich wenigstens zur Absicherung einem Dritten offenbart hatte - darauf blieb der Mann aus dem badischen Kraichtal bis heute die Antwort schuldig.

Piraten stützen Tauss den Rücken

Seine neue politische Heimat, die Piratenpartei, steht hinter ihm. "Ich habe Herrn Tauss als jemanden kennengelernt, der seine Meinung sehr direkt sagt und sehr dazu steht", sagt der Landesvorsitzende Sebastian Nerz. "Er hatte die fixe Idee, einen Kinderpornoring ausheben zu können. Dass war naiv, keine Frage. Wir halten Tauss aber für glaubwürdig."

"Bin froh, dass es losgeht"

Tauss selbst wollte sich vor dem Prozess auf Anraten seiner Anwälte nicht mehr äußern. "Bin ganz froh, wenn es bei Gericht jetzt endlich losgeht", gestand er zuletzt in einem kurzen Eintrag beim sozialen Netzwerk Twitter - und stellte gleich die organisatorischen Hinweise des Karlsruher Landgerichtes dazu.


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Quelle: dpa

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