
21.12.2011, 09:54 Uhr | Von Andreas Lorenz, Bangkok
Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist tot Mit Sorge reagiert die Welt auf den Tod des Machthabers. Nur wenige haben die Hoffnung, dass sich mit seinem Sohn und Nachfolger Kim Jong Un etwas zum Positiven ändert.
Nordkoreas geliebter Führer ist tot, die Macht soll in der Familie bleiben. Nach dem Ableben von Kim Jong Il haben staatliche Medien dessen jüngsten Sohn zum "großen Nachfolger" erklärt. Wer ist der Mann?
Der Tod von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il stürzt die Region erneut in große Unsicherheit. Das Staatsfernsehen hatte am frühen Montagmorgen gemeldet, der "geliebte Führer" sei während einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt gestorben. Im Vordergrund steht nun die Frage, wer dem verstorbenen Herrscher folgen wird. Einen wichtigen Hinweis gab am Montag die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Der dritte Sohn des nordkoreanischen Herrschers, Kim Jong Un, sei der "große Nachfolger", hieß es. "An der Spitze der koreanischen Revolution steht nun Kim Jong Un."
Kim Jong Un stand zudem an der Spitze der Liste jener Funktionäre, die für die Beerdigung verantwortlich sind. In der Tradition sozialistischer Staaten ist dies ein deutlicher Wink, wer den Thron besteigen wird.
"Wir werden in unserer Revolution heute und morgen siegen, weil wir den Genossen Kim Jong Un haben", zitierte KCNA einen Anwohner Pjöngjangs.
Laut staatlichen Medien verstarb der 69-Jährige während einer Zugfahrt. zum Video
Viel ist über den Junior nicht bekannt. Seine Mutter, die dritte Frau von Kim Jong Il, war eine in Japan geborene Tänzerin. Sie starb 2004 an Krebs. Jong Un ist vermutlich 29 Jahre alt und von 1998 bis 2000 in Bern unter falschem Namen zur Schule gegangen. Nach dem Unterricht verschwand er stets in die Obhut der nordkoreanischen Botschaft.
Nach Nordkorea zurückgekehrt, schickte ihn der Papa von 2002 bis 2007 auf die Militärakademie, wo er angeblich unter anderem als Artillerist ausgebildet wurde. Später soll er in der "Führungsabteilung" der Partei gearbeitet haben, die alle Kaderakten verwaltet. Andere Nordkorea-Fachleute wollen von einer kurzen Karriere im Geheimdienst wissen. Als sicher gilt: Er ist General der nordkoreanischen Armee und seit einem Jahr Mitglied der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission.
Nun soll er die Familiendynastie fortsetzen - so wie es in den alten Kaiserpalästen üblich war. Die Crux: Niemand weiß genau, was er und seine Entourage denken. Außenpolitische Erfahrung besitzt er nicht. Er könnte allerdings ein Mal in China gewesen sein. Sein Vater, so heißt es, hat ihn der Pekinger Führung vorgestellt.
Wird Kim der Dritte die Welt weiter mit Atombomben erpressen oder den Ausgleich mit Südkorea suchen? Wird er eine Öffnung à la Gorbatschow beginnen oder weiter auf der Planwirtschaft beharren und sich wie sein Vater und Großvater Kim Il Sung mit einem grotesken Personenkult umhüllen?
Kim Jong Ils ehemaliger japanischer Koch Fujimoto Kenji entdeckte bei ihm jedenfalls "Führungsqualitäten und eine furchtlose Persönlichkeit". Er ähnele seinem Vater "in Erscheinung, Form und sogar in der Persönlichkeit".
Ein Jahr vor seinem Tod hatte Kim der Ältere versucht, sein Haus weitgehend zu bestellen - indem er Verwandte und Vertraute in Schlüsselpositionen in Partei und Armee beförderte. Überdies wollte Kim Senior offenbar sicherstellen, dass die einflussreiche Armee hinter seinem Sohn steht. So könnte die Familiendynastie - vorerst - erhalten bleiben. Kims Schwester Kim Kyung Hee, 65, in der Partei früher für Leichtindustrie zuständig, erhielt als erste Frau den Rang eines Viersterne-Generals und sitzt im Politbüro.
Sie ist nicht die einzige Verwandte und Genossin, die auf den jungen Mann aufpassen wird. Auch ihr Gatte Chang Song Taek dürfte Kim III. beraten - und überwachen. Flüchtlinge beschrieben ihn als "Nummer 2" in der Partei. Chang ist hohes Mitglied der Nationalen Verteidigungskommission.
Zudem ziehen im Hintergrund noch andere Familienangehörige die Fäden. Da ist zum Beispiel Kims vierte Frau, und auch eine Tochter aus der ersten Ehe des Verstorbenen soll Einfluss besitzen. Und da ist der jüngst zum Vize-Marschall aufgestiegene Kim-Vertraute Lee Yong Ho.
Der Clan der Kims beharrte bislang auf einer strengen Planwirtschaft - und er schuf eine in der Welt einmalige Ideologie, die wenig mit Marxismus, aber viel mit quasi-religiösen Vorstellungen von der Reinheit des koreanischen Volkes zu tun hat: Eine heilige Familie herrscht über ein kindliches Volk und schützt seine Unabhängigkeit vor gefährlichen äußeren Einflüssen.
Ihre Legitimation schöpfen die Kims aus der Geschichte: Großvater Kim Il Sung gründete mit Stalins Hilfe 1948 die "Demokratische Volksrepublik Korea". Seither verbrämt die Familie ihre Diktatur mit Legenden und Mythen: Das Schicksal ist eng verbunden mit dem heiligen Berg Paektu. Wenn die Koreaner überleben wollen, muss die "Blutlinie" der revolutionären Ur-Generation fortgeschrieben werden. So lernen es die nordkoreanischen Kinder schon im Kindergarten.
Am Paektu, so heißt es, liegt die Wiege Koreas, und hier hat Kim Jong Il 1942 angeblich während des Kampfes gegen die Japaner in einem Guerilla-Lager das Licht der Welt erblickt. Damals erschien, so die Fama, am Himmel ein doppelter Regenbogen. Sein 1994 verstorbener Vater wacht bis heute als "Ewiger Präsident" aus dem Jenseits über seine Untertanen. Offen ist, welche Rolle nun dem toten Kim zugedacht ist.
Quelle: Spiegel Online
Kaffeetante schrieb:
am 19. Dezember 2011 um 17:44:03
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Kommunistische Klotzköpfe ...
... vererben ihre Diktatur. Wie lange läßt es sich das ausgeblutete Volk von diesen lächerlichen "großen Führern" noch gefallen?
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Bob schrieb:
am 19. Dezember 2011 um 17:26:17
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@dalapp
Er glaube "64er" hat N.Korea mit der Mongolei verwechselt
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JoeAlex schrieb:
am 19. Dezember 2011 um 15:41:18
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Nordkorea
Keine Diktatur hat auf Dauer überlebt, auch die nordkoreanische Juche-Ideologie wird es nicht für immer geben. Das ist meines
Erachtens eine Frage der Zeit. Ich glaube auch nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob man das Land wirtschaftlich isoliert, oder nicht. Beim einfachen Volk kommt so oder so nicht viel an.
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