31.03.2011, 08:59 Uhr
Im Meerwasser vor dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima nimmt die radioaktive Verseuchung weiter zu. Die Betreibergesellschaft Tepco teilte am Donnerstag mit, dass die Konzentration von radioaktivem Jod den zulässigen Höchstwert um das 4385-fache überschritten habe. Das ist der höchste Wert seit dem Beginn der Katastrophe Mitte März. Die japanische Regierung will die Evakuierungszone rund um das AKW dennoch nicht ausweiten. Der deutsche Strahlenbiologe Edmund Lengfelder sagte dagegen im Interview mit t-online.de, vom Gesichtspunkt des Strahlenrisikos her sei eine Ausweitung "dringend angezeigt".
Der japanische Regierungssprecher Yukio Edano sagte, es gebe im Moment keine Pläne, die Evakuierungszone zu erweitern. Er reagierte damit auf Empfehlungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Man werde aber ausgehend von IAEA-Daten den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen.
Derzeit gilt eine Evakuierungszone von 20 Kilometern. Im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern rund um das beschädigte AKW sollen die Menschen ihre Häuser nicht verlassen. Die Internationale Atomenergiebehörde und Greenpeace sind jedoch beunruhigt, weil in dem japanischen Ort Iitate 40 Kilometer nordwestlich des AKW hohe Strahlenwerte gemessen wurden. Karsten Smied von Greenpeace sagte gegenüber t-online.de: "Türen und Fenster zu schließen reicht vorne und hinten nicht." Eine Ausweitung der Zone auf 40 Kilometer sei nötig, besonders Kinder und Schwangere müssten in breitem Umkreis evakuiert werden.
Strahlenbiologe Edmund Lengfelder räumte ein, für die japanische Regierung sei es sehr schwierig, genügend angemessene Unterkünfte für die Evakuierten zu finden, sollte der Sperrradius ausgeweitet werden. Aus seiner Sicht sei es besser, mit einer großen Anzahl von Helfern die umliegenden Gebiete auf ihre radioaktive Belastung hin zu untersuchen und mit den Daten eine Karte zu erstellen. "Regenwolken und Wind halten sich nicht an einen Radius", so Lengfelder. Nur mit einer solchen Karte könnten auch Menschen in weit vom AKW entfernten, aber dennoch verseuchten Gebieten geschützt und gleichzeitig Ressourcen geschont werden.
Lebensmittel aus Japan werden bei der Einfuhr nach Deutschland weiter streng getestet. zum Video
Regen zwang den Betreiber Tepco inzwischen dazu, das Besprühen verstrahlter Trümmer mit Kunstharz zur Eindämmung von Radioaktivität auszusetzen. Die japanische Regierung erwägt weiterhin verschiedene Notmaßnahmen, um die Radioaktivität einzudämmen. Dazu gehört auch die Idee, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken oder verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff zu pumpen.
Nach Ansicht von Lengfelder könnte eine Schicht Kunstharz tatsächlich radioaktive Partikel binden. "Damit würde sich zumindest für die AKW-Arbeiter das Risiko vermindern." Allerdings sei ihm ein derartiger Einsatz von Kunstharz nicht bekannt.
Auf einem vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Video sieht man die Zerstörung von Fukushima I. zum Video
Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Sprecher Smied: Durch eine derartige Maßnahme könnte möglicherweise verhindert werden, dass Arbeiter vor Ort radioaktive Partikel, wie das hochgiftige Plutionium, einatmen. Eine Schicht aus Kunstharz helfe jedoch nicht gegen die Strahlung.
Smied kritisierte zudem, eine solche Maßnahme bringe das eigentliche Ziel nicht näher - nämlich eine Kernschmelze zu verhindern. Im Gegenteil könnte ein Besprühen des Reaktors mit Kunstharz auch negative Folgen haben. Tepco sei in den vergangenen Wochen immer wieder mit "wahnwitzigen Plänen" an die Öffentlichkeit getreten. "Viele dieser Aktionen konnten nicht durchgeführt werden." Andere, wie beispielweise die Nutzung von Meerwasser als Kühlflüssigkeit, habe sich schließlich als kontraproduktiv erwiesen.
Die Abdeckung der Reaktorblöcke mit Planen könnte nach Ansicht Lengfelders auch nur vorrübergehend Abhilfe gegen die Verteilung der radioaktiven Partikel schaffen. Durch den Wasserdampf, der durch die Kühlungsversuche entstehe, würden sich derzeit die radioaktiven Partikel schnell verteilen und auch in große Höhen getragen. "Das ist eine extrem negative Begleiterscheinung der Rettungsversuche", sagte Lengfelder. Eine Plane könnte den verseuchten Dampf aufhalten, aber irgendwann müsse auch der entstehende Druck abgelassen werden - "damit die Plane nicht davonfliegt". Auch gebe es keine speziell für diesen Einsatz geschaffene Plane.
Im Kampf gegen einen Super-GAU wird unterdessen weitere Technik aus Deutschland nach Japan geflogen. Vom Stuttgart aus soll ein Großraumflugzeug mit einem Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister an Bord starten. Mit der mehr als 60 Meter hohen Pumpe kann nach Angaben des Unternehmens Wasser von oben in die Reaktoren gepumpt werden. In den nächsten Tagen sollen drei weitere der bis zu 80 Tonnen schweren Geräte folgen. Die Pumpen sollen zunächst zur Kühlung verwendet werden, später werden sie eventuell für Beton-Arbeiten gebraucht. Eine erste Pumpe der Firma hilft bereits seit mehr als einer Woche bei der Kühlung des Atomkraftwerks Fukushima 1. Die japanische Regierung prüft zudem offenbar ein deutsches Angebot für den Einsatz von Spezialrobotern.
Die japanische Atomsicherheitsbehörde wiegelte unterdessen ab, dass die extrem hohe Strahlung im Meer die Gesundheit gefährden könne. Tepco vermutet, dass das Jod entweder von den Reaktoren selbst oder von beschädigten Brennstäben in den Abklingbecken stammt. Ein Austritt aus den Abwasserrohren sei jedoch noch nicht bestätigt worden, meldete die Nachrichtenagentur Jiji Press.
Der Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, kritisierte die Informationspolitik der japanischen Behörden und des Tepco-Konzerns in der Atomkrise. "Was im Augenblick für viele am schwersten nachzuvollziehen ist, ist die Frage, wieso Information, deutliche, klare, präzise Information, so schwierig zu bekommen sind", sagte Steiner, der "Berliner Zeitung". Der UNEP-Direktor warnte zugleich vor weiteren schweren Reaktorunfällen. Mindestens zwanzig, dreißig Reaktoren der gleiche Bauart wie der Katastrophenreaktor Fukushima seien weltweit in Betrieb und das auch in erdbebengefährdeten Gebieten, sagte Steiner.
Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt den möglichen Niederschlag, der Radioaktivität auf das Festland oder ins Meer tragen könnte, rund um Fukushima. zum Video
Inzwischen meldet der Westen der USA radioaktiv verstrahlte Lebensmittel: Nach Angaben der Umweltschutzbehörde und der Behörde für Lebensmittelsicherheit wurden leicht erhöhte Strahlenwerte in Milchproben gemessen. Die Belastung mit radioaktivem Jod 131 sei jedoch immer noch 5000 mal niedriger als der Grenzwert. Die Proben waren am 25. März in der Stadt Spokane im US-Staat Washington genommen worden. Die Behörde für Lebensmittelsicherheit erklärte, angesichts der Atomkrise in Japan habe man mit einem Anstieg der Strahlenwerte gerechnet. Die Behörde kündigte an, landesweit die Kontrollen von Milch und Trinkwasser zu verstärken.
Auch in New York wurden winzige Mengen Radioaktivität in der Luft und im Regenwasser gefunden. Das meldeten die staatlichen Gesundheitsbehörden. Die Menge sei aber so minimal, dass sie zu keinen gesundheitlichen Schäden führen könne, sagte der Vertreter der Behörde, Nirav Shah. "Trinkwasser in New York wird weiterhin ungefährlich bleiben. Wir raten New Yorkern, keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen wegen der radioaktiven Emission aus Japans Atomkraftwerken zu ergreifen" sagte Shah. Jede Röntgenbestrahlung bei einem Arztbesuch sei um ein tausendfaches höher als die entdeckten Atomspuren.
Quelle: fst , dpa , dapd , AFP
OBI schrieb:
am 31. März 2011 um 17:15:28
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Nahrung
@Jessie
und du glaubst wirklich, das da keine Pestizide und andere Chemikalien drin sind. Mit der Marke BIO lässt sich ja schön
Geld verdienen. Aber der Mensch muss ja an irgend etwas glauben
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Jojo schrieb:
am 31. März 2011 um 16:51:44
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Strahlung AKW`s
Ich bin entsetzt über viele Kommentare, in denen die Menschen hier nicht verstanden haben, WAS Akw`s sind und was sie
bewirken, sowie auch, dass man diese niemals S i c h e r machen kann. Kopfschütteln
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Barbarella schrieb:
am 31. März 2011 um 15:08:09
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Felix
Mit Tepco Mileid haben oder Verständnis aufbringen? Das ist ja wohl absolut daneben. Kann nicht ernst gemeint
sein!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Bau mal ein Auto ohne Bremse und stell Dich hinterher doof. Oder Häuser, ohne die Statik zu beachten. I
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