Kardinal Lehmann gibt Vorsitz der Bischofskonferenz ab
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Kardinal Lehmann gibt Vorsitz der Bischofskonferenz ab
15.01.2008, 11:30 Uhr
Kardinal Lehmann (Foto: dpa)Kardinal Karl Lehmann tritt vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zurück. Das teilte das Sekretariat der Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn mit. In einem Brief an die Mitglieder der Bischofskonferenz habe Lehmann seinen Rücktritt zum 18. Februar 2008 erklärt.
Sein Rücktritt erfolge aus gesundheitlichen Gründen. Der 71-Jährige werde aber Bischof von Mainz bleiben. Er wird nach seiner Erklärung auch noch die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 11. bis 14. Februar in Würzburg leiten. Danach will er von der bereits im September 2005 bei seiner Wiederwahl angekündigten Möglichkeit Gebrauch machen, die vierte Sechs-Jahres-Amtszeit nicht voll auszuschöpfen.
Herzbeschwerden vor Weihnachten
Er hatte sich wegen Herz-Rhythmus-Störungen vor Weihnachten in eine Klinik begeben. Damit sei eine eindeutige Zäsur erreicht, die ihm "in Zukunft eine Ausschöpfung seiner Kräfte im bisherigen Maß nicht mehr erlaube", erklärte Lehmann. Im Anschluss absolvierte er auf Anraten seiner Ärzte eine mehrwöchige Kur, weshalb er auch nicht die traditionellen Weihnachts- und Neujahrsgottesdienste feiern konnte. Am Dreikönigstag am 6. Januar feierte er aber wieder den Gottesdienst im Mainzer Dom.
Möglicher Nachfolger steht schon im Raum
Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz wird bei der Vollversammlung im Februar gewählt. Als ein möglicher Nachfolger wird in der Presse schon seit einigen Monaten Bischof Reinhard Marx von Trier gehandelt. Der 54-Jährige ist ebenfalls ernannter Erzbischof von München und Freising, hat seinen Posten aber dort noch nicht angetreten. Marx ist ein strikter Verfechter des römisch-katholischen Verbotes der gemeinsamen Kommunion von Katholiken und Protestanten. Kirchenkenner erwarten, dass Papst Benedikt XVI. Marx auch bald zum Kardinal ernennt.
Lehmann befürwortet "Generationenwechsel"
Nach Worten von Lehmann macht ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt auch Sinn, "weil die jüngsten Bischofsernennungen einen notwendigen Generationswechsel und Zeit für eine Wachablösung anzeigten". Er sei dankbar, wenn er noch einige Jahre dem Bistum Mainz dienen könne, erklärte Lehmann. Auch werde er gerne seine Kenntnisse und Erfahrungen weiter in die Bischofskonferenz einbringen und sich noch stärker Grundsatzfragen widmen. Dabei liege ihm auch die schwierige Situation der Ökumene am Herzen.
Bischöfe: "Herausragend und zuverlässig"
Im Namen der katholischen Bischöfe dankte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heinrich Mussinghoff aus Aachen, Kardinal Lehmann für seinen "unermüdlichen Einsatz" für die Bischofskonferenz während der vergangenen mehr als 20 Jahre. Mussinghoff würdigte Lehmann am Dienstag als "herausragenden und zuverlässigen Repräsentanten der Kirche und ihrer Sendung".
"Fähigkeit zu integrieren"
Kardinal Karl Lehmann sei durch "sein profundes theologisches Wissen, seine geistige Aufgeschlossenheit, seine Umsicht und die große Fähigkeit zu integrieren" eine unschätzbare Hilfe für die deutschen Bischöfe und ihr Zusammenwirken. Seine Entscheidung, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung zu stellen, verdiene "Verständnis und uneingeschränkten Respekt".
Warnung vor Polarisierung im Wahlkampf
Erst vor wenigen Tagen hatte Lehmann vor zu viel Polemik in den Landtagswahlkämpfen gewarnt. Es bestehe die Gefahr, dass man bei den Auseinandersetzungen um politische und gesellschaftliche Lösungen "sehr polarisiert, konsensunfähig wird und so nachher vor einem regelrechten Scherbenhaufen steht", mahnte er in der Zeitung "Glaube und Leben".
Seit 2001 Kardinal
Lehmann stand seit 20 Jahren an der Spitze der deutschen katholischen Bischöfe. In den Jahren 1993, 1999 und 2005 wurde er jeweils für weitere sechs Jahre in diesem Amt bestätigt. Die letzte Wahl erfolgte auf der Vollversammlung der Bischöfe am 20. September 2005 in Fulda. 2001erhob ihn Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand. Lehmann gilt als eher liberaler Theologe.